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Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

Bildquelle: pigbusiness.nl

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Diese Aktivisten haben ohne mit der Wimper zu zucken den gesamten Betrieb, alle Tiere des Bestandes, in Gefahr gebracht – und das scheint ihnen für ihre mediale Aufmerksamkeit auch vollkommen egal zu sein. Es waren Aktivisten aus Holland, Belgien und Deutschland vor Ort. Aufgrund der Gefahr der Einschleppung einer Tierseuche (in Belgien gibt es zur Zeit etliche Fälle von afrikanischer Schweinepest) steht es im Raum, dass die niederländischen Behörden vorsorglich den gesamten Schweinebestand dieses Betriebes töten lassen.

Sehr geehrte Tierrechtler, das habt Ihr dann zu verantworten!

Ich finde es beschämend, dass diese Menschen sich überhaupt keine Gedanken über uns und unsere Tiere machen. Es geht ihnen nur um ihr eigenes kleines Ego – um die Aktion, um die mediale Aufmerksamkeit. Niemand von diesen Aktivisten denkt an die Tiere, an die Menschen, an die Familien hinter den Betrieben.

Liebe Kollegen – lasst uns zusammenhalten!

Richtig klasse fand/finde ich die Solidarität in den Niederlanden unter den Landwirten. Innerhalb kürzester Zeit sind viele Kollegen zum Betrieb gefahren, um sich solidarisch zu zeigen. Sie haben die Familie super unterstützt. Auch im Netz war der Zusammenhalt enorm – einfach richtig klasse!

Meine Gedanken sind, wie auch die vieler unserer Berufskollegen, bei der Familie des Betriebes. Diese wurden am Verlassen des Stalles gehindert und so quasi in Geiselhaft genommen. Es tut mir unendlich leid, was Ihr am Montag für ein Leid ertragen musstet. Wir stehen hinter Euch und werden Euch unterstützen, wo wir können. Wir hoffen inständig, dass Eure Tiere nicht getötet werden müssen. Falls es doch sein muss, werden wir ein Spendenkonto einrichten, damit Ihr möglichst schnell wieder Euren Betrieb aufbauen könnt.

Lasst uns zusammenstehen, auch grenzübergreifend!

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Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

 

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Hormone im Fleisch? Vollkommen normal.

Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird bis das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?

So wird der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz von der Rheinischen Post zitiert. Ja, der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration rückt näher, und der Ton verschärft sich.

Facts not fear – hier die Fakten:

  • Improvac® besitzt keinerlei hormonelle Wirkung.

  • Improvac® hinterlässt im Fleisch keinerlei Rückstände.

  • Fleisch enthält natürlicherweise immer Hormone.

Bedauerlich, dass hier Werner Schwarz stellvertretend für den Deutschen Bauernverband nicht mit Fakten argumentieren kann, sondern versucht mit der Verbreitung von Angst zu punkten.

„Hormone spritzen“ – es geht um Improvac, sprich um eine immunologische Kastration.

Was bedeutet „Immunokastration“?

Bei der Immunokastration wird den Tieren zweimal eine Art Impfstoff (Improvac®) gespritzt. Improvac® ist pharmakologisch gesehen kein richtiger Impfstoff, sondern ein „immunologisches Präparat“. Dieses Präparat wirkt jedoch wie ein Impfstoff.

Improvac® ist kein Hormon

Improvac® enthält ein synthetisches Analogon eines natürlichen Hormons (GnRF). Dieses Analogon ist an ein Trägerprotein gebunden und bildet mit diesem zusammen das Antigen. Dieses Antigen stimuliert die Bildung von GnRF-neutralisierenden Antikörpern. So werden letztlich die Hormone, die für den unangenehmen Geruch/Geschmack bei Eberfleisch verantwortlich sind, nicht gebildet.

Quelle: DLG e.V. – Eberfleisch Teil 1 – Basiswissen

Tierschützer und NGO’s sehen diesen Weg neben der Ebermast als den Königsweg an. Und auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (kurz TVT) fordert die Immunokastration, weil die Schweine dabei unversehrt bleiben. Nur der Deutsche Bauernverband lehnt die vermutlich tierschonenste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration ab.

Weltweit sind immunokastrierte Tiere seit Jahren im Handel. In Belgien, Australien oder Südamerika wird bereits in relevanten Größenordnungen geimpft. Brasilien und Australien exportieren erfolgreich immunokastrierte Tiere, auch beispielsweise nach China.

In Deutschland liegt ebenso seit Jahren Fleisch von immunokastrierten Tieren in den Kühltheken – denn Belgien ist der Vorreiter der Immunokastration und exportiert einen großen Teil seines Fleisches an uns.

Fleisch enthält immer Hormone – auch beim Menschen

Hormone sind natürliche Botenstoffe und sowohl in unserem Körper als auch in nahezu allen Nahrungsmitteln vorhanden. Eine Quelle für hormonell wirksame Substanzen stellen zum Beispiel Schimmelpilze (Zearalenon) dar, die von bestimmten Pilzen gebildet werden und Getreidearten wie Mais, Weizen und Gerste befallen können. Der Einsatz von Hormonen als Wachstumsförderer in der Tiermast ist seit 1988 EU-weit verboten.

Mein Fazit

Veränderungen scheinen vom Bauernverband nicht gewollt. Seit Jahren wird der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration nun ausgesessen. Kurz gesagt – es werden alle möglichen Lösungen negiert:

  1. Ebermast ist nicht flächendeckend umsetzbar
  2. Kastration unter Betäubung ist finanziell nicht darstellbar
  3. Immunokastration lehnt der Verbraucher ab aus Angst vor „Hormonfleisch“

Auch QS beweist angeblich in einer Studie, dass die Immunokastration das größte Skandalpotential hat. Und jetzt, fünf Monate vor Ablauf der Frist, bleibt dieser vorhergesagte mediale Skandal einfach aus – und noch schlimmer – Tierschutzvereine, einige Bioverbände und NGO’s sprechen sich für die Immunokastration aus. Und auch eher kritische Medien wie der Spiegel berichten positiv über die Immunokastration.

So, was bleibt – man inszeniert den Skandal einfach selber und zerstört damit vorsätzlich eine der besten (weil tierschonenste) Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration – um auf eine Alternative zu setzen, die es bislang schlichtweg nicht gibt.

Ich bin maßlos enttäuscht. Ich wünsche mir einen Verband, der nach vorne blickt, der die Zukunft gestalten möchte, der offen ist und auch bereit für Veränderungen. Letztlich disqualifiziert sich der Bauernverband hier als Gesprächspartner in Sachen betäubungsloser Ferkelkastration – und das finde ich wirklich traurig.

Weitere Informationen:

Zulassung Improvac

BfR – Fragen und Antworten zum Thema Hormone in Fleisch und Milch

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Hilfe – Kontamination im Gemüseregal

Wenn im Gemüseregal die Bio-Gurke mit der konventionellen Gurke kuschelt, sollte sie sich (ver-)hüten – Verpackungen schützen!

Bei Twitter kam gestern die Frage auf, warum gerade Bioprodukte in einer Schutzfolie verpackt sind. Die Antwort von REWE Supermarkt toppt dabei alles:

Dazu vielleicht einfach nur mal zwei kleine Definitionen:

Was heißt Kontamination?

Eine „Kontamination“ ist eine Verunreinigung. Kontaminierte Lebensmittel sind Produkte, die unerwünschte (die menschliche Gesundheit gefährdende) Keime tragen.

Was ist dann eine Kreuzkontamiation?

Unter einer „Kreuzkontamination“ versteht man eine direkte oder indirekte Übertragung von Keimen von einem verunreinigten auf ein sauberes Lebensmittel.

In Bezug auf Lebensmittelhygiene und Lebensmittelsicherheit wird darunter eine versehentliche Übertragung unerwünschter Mikroorganismen verstanden.

Wir halten also fest, dass REWE Supermarkt der Meinung ist, dass konventionelle Produkte verunreinigte Keime sind, die die menschliche Gesundheit gefährden, und deswegen die sauberen Biolebensmittel mittels einer Verpackung vor diesem Dreck zu schützen sind.

Ich meine, jetzt mal ehrlich, es könnte eine Genkontamination stattfinden. Das wäre ja furchtbar. Und niemand kann dabei abschätzen, wie schwer die gesundheitlichen Folgen später sind. Deswegen Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste 👆🏻

Okay, Spaß beiseite: die Anbauart ist natürlich weder eine Keimart noch gibt es hier irgendwelche Kreuzkontaminationen. Unsere Lebensmittel sind sicher. Das ist einfach nur ein schlechter Versuch, Verpackungsmüll von Biolebensmitteln auf Kosten der konventionellen Produktion schön zureden. Mich ärgert so ein Quatsch maßlos, denn die Biobranche und auch der Lebensmitteleinzelhandel sind offensichtlich nicht in der Lage, die Bioprodukte durch positives Marketing an die Verbraucher zu bekommen. Es scheint nur durch Bashing der Produkte der konventionell wirtschaftenden Kollegen zu gehen – und das ist nicht nur traurig, sondern echt armselig.

Hey REWE,

vielen Dank, ich denke, der Postillon hätte es nicht besser formulieren können.

Und Euch allen sei geraten – bitte vergesst beim nächsten Einkauf Euren Aluhut nicht, vor allem wenn Ihr zum REWE Markt Eures Vertrauens geht. 🤦🏼‍♀️

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Offener Brief an Marcus Mosa (EDEKA), Lionel Souque (REWE), Klaus Gehring (Schwarz Gruppe), Marc Heußinger (Aldi), Olaf Koch (Metro Gruppe), Clemens Tönnies (Tönnies Fleisch), Tom Heidmann (VION), Johannes Steinhoff (Westfleisch), Kjeld Johannesen (Danish Crown), Martin & Stefan Müller (Müller Gruppe)

Sehr geehrte Herren,

der 01.01.2019 rückt immer näher. Mit diesem Datum soll in Deutschland nun endlich mit der betäubungslosen Ferkelkastration Schluss sein. Allerdings stehen damit unsere deutschen Ferkelerzeuger und auch die Mäster vor einer großen Herausforderung.

Drei Alternativen stehen zur Verfügung

Zur Zeit gibt es drei zugelassene Verfahren: Es besteht die Möglichkeit, die Ferkel von einem Tierarzt betäuben zu lassen, und sie dann zu kastrieren. Die Ferkel könnten jedoch auch einfach unkastriert bleiben und als Eber gemästet werden. Eine weitere Variante wäre die Immunokastration. Alle drei Verfahren haben sowohl Vor– als auch Nachteile. Alle drei Alternativen sind wie oben schon erwähnt zugelassen und damit möglich. Wir Landwirte sind bereit, das gewünschte Verfahren in die Praxis umzusetzen. Nur dazu benötigen wir eine gewisse Planungssicherheit. Denn der Ferkelerzeuger muss in den ersten Lebenswochen entscheiden, ob die Tiere kastriert werden sollen, oder nicht. Und auch der Mäster muss wissen, ob er später eine Absatzmöglichkeit hat (als Volleber oder immunokastriert), wenn er beispielsweise Eber kauft.

Weiterer Strukturwandel?

Unsere Ferkelerzeuger stehen zur Zeit vor einem riesengroßen Dilemma, denn sie müssen die Entscheidung treffen. Sie wissen zur Zeit nicht, egal was sie tun, ob sie später Ferkel erzeugt haben, die am Markt auch nachgefragt werden. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu anderen europäischen (v.a. dänischen und holländischen) Ferkelerzeugern, die weiterhin problemlos Kastrate (völlig losgelöst unter welchen Voraussetzungen diese kastriert wurden) liefern dürfen und werden.

Sehr geehrte Herren,

wir Ferkelerzeuger möchten weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Bitte sagen Sie uns, welches Verfahren Ihr Unternehmen bevorzugt, damit wir uns darauf einstellen können. Lassen Sie uns zeitnah in den Dialog treten und gemeinsam eine Lösung finden. Damit es auch in Zukunft noch ein 4 x D gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Nadine Henke

Offener Brief Ferkelkastration