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Wie unsere Forderungen nach mehr Tierwohl Drittländer stärkt…

Ob Initiative Tierwohl, der Haltungskompass des Lebensmitteleinzelhandels oder die staatliche Tierwohlkennzeichnung des Bundesministeriums – keine Veränderung ist genug. Kaum hat Frau Klöckner die Kriterien für das staatliche Label vorgestellt, hagelt es auch schon Kritik von allen Seiten:

Die Anforderungen sind zu lasch!

Eine Teilnahme darf nicht freiwillig sein, die Landwirte müssen verpflichtet werden!

Wir brauchen eine Agrarwende – jetzt!

Brauchen wir die? Und vor allem – müssen wir die übers Knie brechen? Ja, es geht mal wieder ums liebe Geld. Die Forderungen nach schnellen Veränderungen in der Tierhaltung sind immer sehr interessant – gefordert wird viel in wenig Zeit, spätestens wenn die Frage nach der Finanzierung kommt, ist Stillschweigen im Walde. Nur diese Frage ist neben den baurechtlichen Fragen, die elementarste.

Die deutschen Sauenhalter haben in der jüngsten Vergangenheit 11,-€ Verlust am Ferkel gemacht (Quelle: NOZ) – wo soll denn bitte schön das Geld für große Investitionen herkommen? Und nein, das ist nun keine vorgeschobene Ausrede, um nichts verändern zu wollen – so sieht es leider gerade in den Betrieben aus. Und es sieht nicht gut aus.

Denn was allzu gerne vergessen wird, wir müssen von unseren Betrieben leben, unsere Betriebe ernähren unsere Familien. Und wenn wir unsere Familien nicht mehr von unseren Betrieben ernähren können, dann werden wir nicht in mehr Tierwohl investieren, sondern den Betrieb einstellen. Bei der NOZ heißt es weiter:

Insgesamt nimmt die Zahl der Sauenhalter seit Jahren ab. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden 2018 noch 7800 entsprechende Betriebe gezählt – 50 Prozent weniger als zu Beginn des Jahrzehnts. Vor allem kleine Sauenhaltungen werden aufgegeben.

Zur Freude der Drittländer

Die Konsequenz daraus ist, dass die Tierhaltung abwandert und zwar in Länder, in denen wir überhaupt keinen Einfluss mehr auf die Haltung der Tiere haben. Dem Tierschutz leisten wir damit einen Bärendienst.

Wie das dann aussieht, konnten wir die Tage am Beispiel von Hähnchenbrüsten verfolgen:

Ein ukrainischer Geflügelkonzern darf keine Hühnerbrüste in die EU liefern. Die EU fordert seit Jahren die Einhaltung der EU-Tierschutzrichtlinien, was die Ukraine jedoch gepflegt aussitzt. Und was macht der Konzern? Er greift zu einem Trick: anstatt die schieren Brüste zu liefern, verbleibt ein Knochen an der Brust. Damit ist aus dem besten Stück des Huhns ein minderwertiges Teil geworden, was unbegrenzt in die EU geliefert werden darf. Nun wird innerhalb der EU der Knochen entfernt, die Hühnerbrüste bekommen noch einen Aufkleber „EU-Produkt“ und dürfen fleißig verkauft werden, und zwar sogar als EU-Produkt in Drittländer. „Kannste Dir nicht ausdenken,“ mögen viele von Euch nun denken.

Nur die EU kann das sogar noch toppen: sie sind nämlich hinter den Knochen Trick gekommen. Und anstatt da nun durchzugreifen, Pfeifen sie auf die EU-weiten Tierschutzstandards und erhöhen mal eben die Menge der Hühnerbrustimporte.

(Die ganze Geschichte gibt’s hier: Kurier.at)

Es geht nur mit den Landwirten und Zeit

Wenn wir weiterhin die Landwirtschaft mit dem Wunsch nach mehr Tierwohl überfordern, wandert die Tierhaltung zwangsläufig in andere Länder ab. Auf die Tierschutzstandards in diesen Ländern haben wir keinerlei Einfluss. Uns muss allen klar sein, wenn wir die Tierhaltung exportieren, exportieren wir auch den Tierschutz. Wir brauchen Zeit, um…

  • ein finanzielles Polster für Investitionen aufzubauen
  • die z.T. widersprüchlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen (Baurecht/Umweltauflagen/Tierschutz)
  • bessere Konzepte zu entwickeln, die auch in der Praxis ein Mehr an Tierwohl bringen (ich denke da an die Forderungen nach freien Abferkelungen: Ich sehe gerade bei den Bewegungsbuchten einen ganz großen Zielkonflikt mit dem Tierschutz – wir werten hier die Bewegungsfreiheit der Sauen höher als das Leben der Ferkel. Mit welchem Recht tun wir das?)

Lasst es uns gemeinsam anpacken!

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Allgemein, Bauern, Ferkelkastration, Kommentar, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

 

Allgemein, Kommentar, Landwirtschaft, Markt, Schweinehaltung

Hauspreise – ein schönes Wort für Wegelagerei

Liebe Markt“partner“,es reicht! Optimiert endlich Euren Verkauf anstatt ständig mit spitzen Bleistift den Einkauf runterzurechnen! Wenn Ihr qualitativ hochwertige Ware haben wollt, dann müsst Ihr diese auch adäquat bezahlen. Ansonsten braucht Ihr bald nicht mehr in Deutschland nach Schweinen zu suchen, denn es sind keine mehr da!


Wir sind ja nur einfache Sauenhalter, nur vielleicht kann uns mal jemand erklären, wie das gehen kann? Seit Mitte Januar ist bei der zweimal wöchentlich stattfindenden ISN-Auktion ein wesentlich höherer Preis zu erzielen, als es der VEZG-Preis hergibt. Das ist das Zeichen, dass Schweine durchaus gesucht sind. Die einzige logische Konsequenz wäre, das der Schweinepreis steigt. Das tut er jedoch nicht bzw. heute nun das erste Mal seit dem 10.10.2018 (!) um +4Cent.

Diese vier Cent sind ein netter Anfang, allerdings eigentlich auch eher ein schlechter Scherz. Und als wenn das alles nicht schon bitter genug wäre, kommen nun gerade die genossenschaftlichen Schlachtunternehmen und machen Hauspreise.

Wir fragen uns, was wir davon halten sollen. Offensichtlich sind Vion und Westfleisch nicht in der Lage, unsere Schweine adäquat zu vermarkten. Dann müssen wir uns als Schweinehalter nur die Frage stellen, ob sie dann noch die richtigen Partner für uns sind, denn wie sagte schon Heini’s BWL Lehrer immer:

Die Produktion wandert stets zum besten Wirt!

Und das sind Schlachtunternehmen wie die VION oder Westfleisch zur Zeit dann offenbar nicht.


Der Hintergrund

In den letzten Jahren haben sich in Deutschland die Schweineschlachtungen auf wenige Schlachthöfe konzentriert – kurz gesagt schlachten die vier größten Schlachtunternehmen etwa 63% aller Schweine.

Die Preisfindung

Es gibt einen Vereinigungspreis. Dieser wird von der VEZG (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften Vieh und Fleisch) wöchentlich ermittelt und veröffentlicht.

Grundlage für den Vereinigungspreis ist das Marktstrukturgesetz. Auf der Homepage des VEZG ist es folgendermaßen erklärt:

Hauspreise

Der Vereinigungspreis ist der Leitpreis in Deutschland, allerdings dennoch „nur“ eine Empfehlung. Wenn ein Schlachtunternehmen der Meinung ist, dass die Schweine zu teuer sind, ist es ihm freigestellt, sich nicht an diesem Preis zu halten. In dem Fall macht es seinen eigenen Preis, ein sogenannter „Hauspreis“.

Allgemein, Bauern, Ernährung, Kuhmilch, Landwirtschaft, Markt, regional, Schweinehaltung

Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.

 

Ferkelkastration, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Offener Brief an QS zum Thema Ferkelkastration

Sehr geehrter Herr Dr. Nienhoff,

seit der Düsseldorfer Erklärung verfolgen wir die Debatte um das Thema der betäubungslosen Ferkelkastration. Nun ist es Herbst 2018, der Ausstieg steht zum 01.01.2019 bevor, und es sind immer noch keine flächendeckenden Lösungen gefunden. Die Bundesländer lehnten im Bundesrat eine Fristverlängerung ab, das hat die Branche geschockt. Nun arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetzesentwurf, der eventuell noch eine Verlängerung der Frist bringen könnte.

Am 13.03.2017 hat der Fachbeirat Rind und Schwein richtig erkannt, dass es zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen wird, wenn im Ausland nach niedrigeren Tierschutzstandards kastriert werden kann und dann die Tiere bzw. das Fleisch nach Deutschland importiert und mit QS-Siegel verkauft werden dürfen. In Ihrer Pressemitteilung heißt es dazu korrekterweise:

Um einer zu erwartenden Wettbewerbsverzerrung entgegen zu wirken, hat der QS-Fachbeirat Rind und Schwein die QS-Anforderungen schon jetzt klargestellt. Demnach gelten ab dem 1. Januar 2019 für alle QS-Teilnehmer – im In- und Ausland – die Vorgaben des deutschen Tierschutzgesetzes zur betäubungslosen Ferkelkastration.

Besonders wichtig ist, dass diese Vorgaben auch für Tiere und Fleisch gelten, die aus dem Ausland über die Anerkennung anderer Standards in das QS-System geliefert und vermarktet werden. Darüber hinaus geht es nicht allein um die Tiere, sondern auch um Mastschweine und Schweinefleisch, das von Ferkeln stammt, die chirurgisch kastriert sind. Der Beschluss hat also sowohl Gültigkeit für die Landwirtschaft als auch für alle nachgelagerten Produktions- und Vermarktungsstufen.

 

Auch in der Pressemitteilung zum Positionspapier vom 19.04.2018 heißt es noch:

Die gesetzlichen Voraussetzungen für die eingesetzten Methoden werden sich in den Herkunftsländern auch zukünftig unterscheiden. QS wird allerdings Alternativverfahren nur akzeptieren, die der Vorgabe Betäubung oder Schmerzausschaltung gerecht werden. Für Lieferanten ins QS-System wird der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten, erläutert Nienhoff. Das heißt: Auch Sauenhalter im Ausland, die ihre Tiere an Schweinemäster im QS-System liefern, müssen ab 2019 die Anforderungen des deutschen Tierschutzgesetzes erfüllen. Außerdem dürfen im QS-System Schweinefleisch und Schlachtschweine auch aus dem Ausland nur dann vermarktet werden, wenn auch die Ferkel, die ab 2019 geboren werden und chirurgisch kastriert werden, nach den Anforderungen des deutschen Tierschutzgesetzes behandelt wurden.

Entsetzt hat uns diesbezüglich die Kehrtwende von QS hinsichtlich des Imports von Ferkeln, die mittels CO²-Narkose bzw. Lokalanästhesie kastriert wurden. Bei agrarheute heißt es dazu am 17.07.2018:

QS könne nicht die nationalen Unterschiede in den Verfahren ausgleichen und deshalb auch nicht ein Verfahren, das im Ausland zugelassen sei, aber in Deutschland nicht, ausschließen. Die Verfahren, die im Ausland rechtlich zugelassen sind, dürfen bei Tieren, die in das QS-System eingeführt werden, auch angewandt werden.

QS könne nicht geradebiegen, was die Politik vermasselt habe. Abgesehen davon würden wohl viele deutsche Mäster protestieren, wenn plötzlich keine Ferkel mehr aus Dänemark oder Niederlande nach Deutschland importiert werden dürften.

 

Wir stellen uns nun die Frage, wann und vor allem aus welchem Grund QS hier die klare Haltung in den vorherigen Pressemitteilungen aufgegeben hat?

 

Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Nadine & Heinrich Henke
Brokser Sauen

Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Lidl’n lohnt sich

Thomas Wengenroth hat einen sehr schönen Artikel bei Stallbesuch geschrieben, den ich hier freundlicherweise ebenfalls veröffentlichen darf – vielen Dank dafür!

Lidl’n lohnt sich – über Tierwohl, das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration, die Zukunft der Schweine-/Sauenhaltung und Deutschland und überall anders in Europa/auf der Welt:

Das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration kommt. Ob früher oder doch noch etwas später, ist eigentlich  egal. Beschlossen ist das Ende auf jeden Fall und dass innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre eine Methode entwickelt wird, die a) Tierhalter anwenden können und b) der Forderung nach „Schmerzausschaltung“ genügt, ist eher fraglich. Bedenkt man den Anästhesie-Aufwand bei Kleintieroperationen, wird dies deutlich.

Ein Unternehmer aber fragt sich ja immer: wie lässt sich die Geschichte ins Positive drehen?

Verändern sich die Anforderungen des Marktes, kann der Einzelne reagieren, mit Direktvermarktung z. B., wenn Regionalität gefordert wird. ei der Ferkelkastration allerdings ist die gesamte Branche gefordert, wenn massenhafter Ausstieg nicht Realität werden soll. Benjamin Steeb, Geschäftsführer der Lidl Stiftung, hat auf dem Veredelungstag kürzlich den Lösungsweg beschrieben: „deutsche Produkte mit Mehrwerten ausstatten“.

Für den Verbraucher müssen Vorteile erkennbar sein, wenn er Schweinefleisch aus deutscher Produktion kaufen soll. Die schmerzlose Kastration männlicher Ferkel kann, als Tierschutz-Maßnahme, ein solches Plus gegenüber Importware sein. Genau wie die Initiative Tierwohl (ITW).

Lidl sieht für sein Fleischangebot zukünftig vier Stufen: 1 – gesetzlicher Standard, 2 – ITW, 3 – das hauseigene Label-Programm und 4 – Bio. Mittelfristig soll jedoch die zweite Stufe Standard werden und die ITW zur zentralen Platt- form. Bemerkenswert ist hierbei, dass ja bereits die erste Stufe „gesetzlicher Standard“ automatisch auch bedeuten muss „schmerzfrei kastriert“. Denn nur vom deutschen Gesetz kann hier ja wohl die Rede sein.

Daraus ergibt sich zweierlei: jeder Erzeuger muss ins Programm der Initiative Tierwohl aufgenommen werden, wenn er die entsprechenden Bedingungen erfüllt und die Zahlungen des Lebensmitteleinzelhandels müssen entsprechend erhöht werden. Wenn nun auch noch QS die schonende Ferkelkastration in den Kriterienkatalog aufnähme, wäre jedem  Verbraucher vermittelbar, dass er beim Kauf von deutschem Schweinefleisch aktiv etwas für den Tierschutz tut.

Auf diesem Weg wären dann auch die nächsten Herausforderungen „Kastenstand“ und “Kupierverzicht“ zu stemmen. Kostenführerschaft werden wir in Deutschland kaum je erreichen. Aber Tierschutz kann sich die Branche auf die Fahne schreiben und sie zum Qualitätsmerkmal für deutsches Fleisch machen.

Quelle: Stallbesuch: Lidl’n lohnt sich

Allgemein, Ernährung, Landwirtschaft, Markt

Hilfe – Kontamination im Gemüseregal

Wenn im Gemüseregal die Bio-Gurke mit der konventionellen Gurke kuschelt, sollte sie sich (ver-)hüten – Verpackungen schützen!

Bei Twitter kam gestern die Frage auf, warum gerade Bioprodukte in einer Schutzfolie verpackt sind. Die Antwort von REWE Supermarkt toppt dabei alles:

Dazu vielleicht einfach nur mal zwei kleine Definitionen:

Was heißt Kontamination?

Eine „Kontamination“ ist eine Verunreinigung. Kontaminierte Lebensmittel sind Produkte, die unerwünschte (die menschliche Gesundheit gefährdende) Keime tragen.

Was ist dann eine Kreuzkontamiation?

Unter einer „Kreuzkontamination“ versteht man eine direkte oder indirekte Übertragung von Keimen von einem verunreinigten auf ein sauberes Lebensmittel.

In Bezug auf Lebensmittelhygiene und Lebensmittelsicherheit wird darunter eine versehentliche Übertragung unerwünschter Mikroorganismen verstanden.

Wir halten also fest, dass REWE Supermarkt der Meinung ist, dass konventionelle Produkte verunreinigte Keime sind, die die menschliche Gesundheit gefährden, und deswegen die sauberen Biolebensmittel mittels einer Verpackung vor diesem Dreck zu schützen sind.

Ich meine, jetzt mal ehrlich, es könnte eine Genkontamination stattfinden. Das wäre ja furchtbar. Und niemand kann dabei abschätzen, wie schwer die gesundheitlichen Folgen später sind. Deswegen Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste 👆🏻

Okay, Spaß beiseite: die Anbauart ist natürlich weder eine Keimart noch gibt es hier irgendwelche Kreuzkontaminationen. Unsere Lebensmittel sind sicher. Das ist einfach nur ein schlechter Versuch, Verpackungsmüll von Biolebensmitteln auf Kosten der konventionellen Produktion schön zureden. Mich ärgert so ein Quatsch maßlos, denn die Biobranche und auch der Lebensmitteleinzelhandel sind offensichtlich nicht in der Lage, die Bioprodukte durch positives Marketing an die Verbraucher zu bekommen. Es scheint nur durch Bashing der Produkte der konventionell wirtschaftenden Kollegen zu gehen – und das ist nicht nur traurig, sondern echt armselig.

Hey REWE,

vielen Dank, ich denke, der Postillon hätte es nicht besser formulieren können.

Und Euch allen sei geraten – bitte vergesst beim nächsten Einkauf Euren Aluhut nicht, vor allem wenn Ihr zum REWE Markt Eures Vertrauens geht. 🤦🏼‍♀️

Allgemein, Ernährung, Landwirtschaft, Markt

Der landwirtschaftliche Betrieb als NGO – die Zukunft?

Heute morgen habe ich beim Frühstück unseren Sonntags-Tipp gelesen. Dazu gibt es immer einen ganzen Stapel Werbe-Prospekte, die Heini und ich zu gerne „studieren“. Da fiel uns beim Netto Werbeblatt doch etwas ins Auge: Netto wirbt auf der ersten Seite damit, dass sie Verantwortung übernehmen. Neben „Bio Bio“ und „Utz Certified“ hat Netto noch „ein Herz für Erzeuger“.

Spendensumme für Landwirte

Und auf Seite 10 und 11 konnten wir uns davon überzeugen. 10 Cent garantieren sie mehr bei Produkten wie 1 Liter Milch, 10 Eiern, Kochschinken, 4kg Speisekartoffeln und Emmentaler. Und es gibt etwas zu feiern – seit 10 Jahren zahlt Netto schon einen „fairen Preis“ für Erzeuger. Und dann steht auf der Seite etwas, was uns nachdenklich macht:

Spendensumme von über 26.000.000 €

in 10 Jahren, mit denen Landwirte unterstützt werden. 🤔

Fragen über Fragen

Sind wir Landwirte jetzt ein soziales Projekt? Nach welchen Kriterien werden diese Spenden wohl verteilt? Wie werden die Betriebe ausgewählt, die Spenden erhalten? Müssen diese Betriebe gemeinnützig sein? Kann Netto diese Spenden wohl steuerlich geltend machen? Und die viel entscheidendere Frage:

Wieso zahlt Netto nicht einfach gleich einen angemessenen Preis?

Vielleicht stimmt das Klischee vom „dummen Landwirt“ ja doch, weil wir immer noch glauben, wir können mit der Erzeugung von Lebensmitteln Geld verdienen. So langsam stellen wir uns die Frage, ob wir nicht umdenken müssen. Offensichtlich ist es lukrativer, um Spenden zu betteln. Diverse NGOs wie Greenpeace, PETA und WWF machen es uns doch vor.

Ist das Business Modell „NGO“ der Lebensmittelproduktion wirtschaftlich überlegen? 🤔

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Quo vadis – Ferkelkastration

Ab 01.01.2019 dürfen nach heutigem Stand keine Ferkel mehr betäubungslos kastriert werden. Diese Tatsache beschäftigt nun schon eine geraume Zeit die gesamte Branche – nur offensichtlich hat niemand bislang eine flächendeckende Lösung im Angebot – und die Zeit rennt, bis zum 01.01.2019 sind es knapp fünf Monate. Für mich ist vor allem interessant, welchen Weg unsere Abnehmer, sprich die Schlachtunternehmen bzw. der Lebensmitteleinzelhandel, präferieren.

Offener Brief

Um das herauszufinden schrieb ich vor gut zwei Monaten einen offenen Brief an die jeweils „Big Five“ der Schlachtunternehmen (Tönnies, VION, Danish Crown, Westfleisch und Müller) und des LEH (REWE, EDEKA, ALDI, LIDL und Metro Group). Innerhalb der letzten Wochen antworteten mir zumindest von fünf der zehn angeschriebenen Unternehmen.

Die Schlachthöfe

Danish Crown scheint überhaupt kein Problem zu sehen. Im Antwortschreiben heißt es:

In Dänemark haben wir die notwendigen Beschlüsse getroffen, indem eine freiwillige Branchenabsprache um Betäubung und Schmerzlinderung von Eberferkeln in Verbindung mit der Kastration per 01.01.2019 mit den Erzeugern getroffen ist. Eine Kontrolle wird durch Danish Produktiostandard/QS gemacht.

Soweit – so gut, nur was sie von uns Lieferanten erwarten, bleibt offen. Kein Wort darüber, ob aus Sicht von Danish Crown auch Jungeber oder immunokastrierte Tiere angenommen werden.

Die Vion Food Group ist hier wesentlich konkreter – sie schreiben, dass alle ihre Kunden im In- und Ausland deutlich gemacht haben, dass sie die Immunokastration ablehnen. So bleibt für die Erzeuger die Kastration unter Betäubung oder die Jungebermast. Bei der Jungebermast sei allerdings der Markt gesättigt. Aus diesen Gründen setzt sich VION für den 4. Weg ein, der die lokale Betäubung in der Hand des Landwirtes ermöglicht.

Auch die Westfleisch befürwortet den sogenannten „4. Weg“ und ist einer der Unterzeichner der „Herriedener Erklärung“ Mitte März 2017. Allerdings sieht die Westfleisch das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel, zum 01.01.2019 aus der betäubungslosen Ferkelkastration auszusteigen, skeptisch. So setzt sich die Westfleisch für eine Fristverlängerung über den 01.01.2019 hinaus ein.

Leider habe ich bislang keine Antwort von den anderen beiden Unternehmen erhalten (oder sie sind nicht bei mir eingegangen – dann bitte gerne noch einmal per Mail an mich senden).

Der Lebensmitteleinzelhandel

Auch zwei Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels haben mir geantwortet. Als erstes die REWE GROUP. REWE schreibt, dass sie sich schon seit Anfang 2017 intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Das kann ich bestätigen, Herr Ludger Breloh hat bereits 2016 auf dem Bauerntag des Deutschen Bauernverbandes in Hannover klar Stellung bezogen:

Improvac sei der „goldene Weg“, sagte Ludger Breloh von der Handelskette Rewe kürzlich auf einer Fachveranstaltung auf dem Deutschen Bauerntag, „auch wenn sich Schweinebauern dagegen wehren“.  (Quelle FAZ)

REWE hat sich seit dem 01.01.2017 das Ziel gesetzt, nur noch Frischfleisch zu vermarkten, das von nicht betäubungslos kastrierten Schweinen stammt. Seitdem akzeptiert REWE alle drei in Deutschland gesetzlich erlaubten Verfahren. Weiter heißt es im Schreiben:

Tiergesundheit und Tierwohl müssen hierbei stets im Fokus stehen. Die Immunokastration ist in diesem Zusammenhang die Alternative, bei der das Tier den geringsten Störungen ausgesetzt ist.

Aber auch das Thema Lokalsnästhesie, welches momentan diskutiert wird, kann zukünftig eine Option sein.

Auch die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland) hat mir geschrieben. Auch die Schwarz Gruppe unterstützt den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Sie setzt auf Jungebermast und Kastration unter Betäubung:

Entsprechend den Erwartungen unserer Kunden führen Lidl und Kaufland frisches Schweinefleisch nach QS-Standard. Dieser stellt sicher, dass alle vermarkteten Ferkel unter den ab 01.01.2019 zugelassenen alternativen Verfahren zur Ferkelkastration aufgezogen werden.

Hier bleibt die Frage, was die Schwarz Gruppe bei einer Fristverlängerung macht – möchte sie dann dennoch ausschließlich unter Betäubung kastrierte Tiere vermarkten? Gilt dann die Vorgabe von QS, die z.B. dänischen Ferkeln, die nach Maßgabe des 4. Weges, der zur Zeit in Deutschland noch kein anerkanntes Verfahren darstellt, kastriert werden, hier einen klaren Wettbewerbsvorteil einräumen? Ich werde das noch einmal hinterfragen. Merkwürdig finde ich allerdings, dass Lidl nach Aussage des NDR „bereits seit Anfang 2015 nur noch Frischfleisch von „nicht kastrierten Schweinen“ – also von Sauen und Ebern“ akzeptiert. Hier ist die an mich gerichtete Antwort der Schwarz-Gruppe doch etwas widersprüchlich.

Und die anderen?

Die anderen Unternehmen haben wie gesagt bislang nicht geantwortet. Tönnies finden wir jedoch ebenfalls als Unterzeichner auf der „Herriedener Erklärung“.

ALDI Süd hatte angekündigt, mir zu antworten – ich warte gerne:

wir melden uns so schnell wie möglich bei Ihnen. Haben Sie bitte noch etwas Geduld.

Von der Metro Gruppe und EDEKA habe ich leider gar keine Rückmeldung bekommen. Jedoch bin ich hinsichtlich EDEKA Südwest im Internet fündig geworden. EDEKA Südwest hat ein Programm, welches sich „Gutfleisch“ nennt. Hier heißt es im Kriterienkatalog Dachmarke Gutfleisch:

Ziel: Verzicht auf die betäubungslose Kastration ab 01.07.2018.

Erlaubt sind alle bis dahin gesetzlich zugelassenen Alternativen (Jungebermast, Immunokastration, Kastration unter Betäubung). Betriebe, die bereits ab 01.07.2018 alternative Methoden zur betäubungslosen Kastration per Nachweis anwenden, erhalten bis 31.12.2018 von EDEKA Südwest Fleisch eine Kostenerstattung nach unten stehender Liste:

– Für Immunokastration: 4 € / Mastschwein

– Für Kastration unter Betäubung: 3,13 € / Ferkel (bei Vollnarkose)

Demnach gehe ich davon aus, dass EDEKA Südwest neben der Jungebermast und der Kastration unter Betäubung auch durchaus die Immunokastration als einen Weg sieht.

Nach Recherche von Oda Lambrecht (NDR) setzt sich ALDI für die Ebermast ein und soll bereits seit Anfang 2017 kein Frischfleisch mehr von kastrierten Ferkeln handeln.

Mein Fazit

Kurz gesagt, ich bin nicht schlauer als vorher. Es ist ein Spiel auf dem Rücken der deutschen Ferkelerzeuger. Die Schlachtunternehmen und die Vermarkter schieben sich schön gegenseitig den schwarzen Peter zu, nur leider bekennt niemand wirklich Farbe. Zudem stellt sich mir auch die Frage, wie die Vermarkter einkaufen bzw. wie hier eine Nämlichkeit garantiert wird. Da zum Beispiel REWE bereits seit 01.01.2017 im Bereich Frischfleisch kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren vermarktet, bleibt die Frage, wie dort die Gewährleistung aussieht?

  1. nehmen sie nur Fleisch von weiblichen Tieren in ihr Frischfleisch-Programm?
  2. oder zusätzlich nur Tiere aus der Jungebermast?
  3. oder haben sie Vertragsmäster, die Improvac (= Immunokastration) einsetzen? (die dann allerdings offensichtlich nicht von der VION Group geschlachtet werden)
  4. oder erfolgt eine Kontrolle der Ferkelerzeuger (und wenn ja, wie?), die unter Betäubung kastrieren?

Wenn ALDI und Lidl ausschließlich Jungeber in der Frischfleischvermarktung haben und für sowohl REWE als auch EDEKA die Immunokastration ein Weg ist, dann verstehe ich die Schlachtunternehmen und die Verbände nicht. Denn damit wären wir dem Ziel der bereits im September 2008 gezeichneten Düsseldorfer Erklärung schon ein großes Stück näher gekommen. Denn darin heißt es:

Um neben dem Verbraucherschutz auch den Tierschutz zu gewährleisten, wird vereinbart, die Entwicklung eines alternativen Verfahrens zur traditionellen Kastrationsmethode, das in Deutschland flächendeckend angewendet werden kann, zu beschleunigen. (…) Ziel ist es, unter Ausschluss jeglicher Risiken für die Verbraucher und die Tiere auf die Kastration gänzlich verzichten zu können.

Nur meine Befürchtung ist, dass mit Forderung des vierten Weges der Tierschutz vollkommen aus den Augen verloren wird. Das ist traurig und bringt keinerlei Verbesserung für die Ferkel.

Allgemein, Landwirtschaft, Markt

Sonderangebot = Ramsch?

Jedes Wochenende kommt die Sonntagszeitung mit jeder Menge Beilagen des Lebensmitteleinzelhandels. Mit Sprüchen wie „jetzt sparen“, „der Montagsknüller“, „der Super Framstag“, „reduzieren Sie selber“usw. lockt der LEH die Kunden. Nur gerade die Sonderangebote für Lebensmittel stehen hier in der Kritik. Gerade letzte Woche sorgte EDEKA mit seinem „Montags-Knüller“ für Diskussion im Netz: 100g Hähnchenschenkel, von Betrieben, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, für 0,15€.

 Viele Fragen, die wir uns stellen…

  1. Wie kommt dieser Preis zu Stande?
  2. Wie ist die Qualität dieses Produktes?
  3. Was erhält der Landwirt?
  4. Wieviel Tierwohl ist bei diesem Preis zu erwarten?

Fakt 1: der Preis ist eine Mischkalkulation

Es wird ein Tier geschlachtet. Dieses kann nun wahlweise als komplettes Tier vermarktet werden oder in Teilstücken. Bei einer Vermarktung in Teilstücken, gibt es Teilstücke, die sehr beliebt sind (z.B. beim Hähnchen die Brust) und weniger beliebte Teilstücke (wir z.B. die Hähnchenschenkel). Wenn nun ein Tier in Teilstücken vermarktet wird, muss der Erlös alller Teilstücke die Erzeugung und die Schlachtkosten decken. Das ist eine sogenannte „Mischkalkulation“. Wenn nun zu viele Hähnchenschenkel auf dem Markt sind, die nicht abgerufen werden, kann es durchaus sinnvoll sein, diese zu „verramschen“, denn die Alternative wäre sie wegzuwerfen.

Fakt 2: die Qualität bleibt gut

Tiere, die in Deutschland geboren, gemästet und geschlachtet sind, sind von guter Qualität. Nur weil ein Teil des Hähnchens günstig abgegeben wird, heißt das nicht, dass das Produkt eine schlechte Qualität hat, sondern nur, dass gerade zu viel dieses Teilstückes auf dem markt ist.

Fakt 3: der Preis des Landwirts bleibt

Der Landwirt erhält einen Schlachtpreis. Dieser wird pro kg Schlachtgewicht ausgezahlt und steht zunächst nicht in einer Korrelation mit dem Schlachtpreis. Wenn jedoch gewisse Teilstücke gar nicht abzusetzen sind, verändert sich die Mischkalkulation des gesamten Tieres (s.o.), so dass sich dann auch der Erzeugerpreis verändert.

Fakt 4: trotz Angebot geht Geld in den ITW Topf

Bei der Initiative Tierwohl zahlen Betriebe des Lebensmitteleinzelhandels pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch und -wurst 6,25 Cent an die Initiative. Mit diesem Geld werden Tierhalter für die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen honoriert. Auch für jedes verkaufte kg Hähnchenschenkel aus dem „Montagsknüller“ zahlt EDEKA 6,25 Cent an die Initiative.

Manchmal ist Marktwirtschaft doch ein Arschloch

Auch wenn es uns nicht passt, und wir aus tiefster Überzeugung wissen, dass unsere Produkte „mehr wert“ sind, so regelt dennoch Angebot und Nachfrage den Preis. Und ganz nüchtern betrachtet ist dann ein Kaufen zum billigen Preis besser, als das Produkt im Regal liegen zu lassen. Also, scheut Euch nicht – greift ruhig zu – denn auch mit dem Kauf dieser Hähnchenschenkel unterstützt Ihr ein Mehr an Tierwohl.