Landwirtschaft, Schweinehaltung

Tierschutz: Finden zu wenig Kontrollen statt?

Wir hatten am Dienstag ein großes Audit. Gegen Mittag stand ein Prüfer von SGS vor unserem Tor, er möchte nun gerne eine QS und ITW Prüfung unseres Betriebes durchführen.

Tja, dann kommen Sie mal rein!

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Nachdem er sich eingeduscht und umgezogen hatte, ging es auch schon los. Zunächst hat er sich alle Abferkelabteile, das Deckzentrum und den Wartestall angesehen.

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Was wird bei einem Audit alles kontrolliert?

Bei der QS-Kontrolle gilt es in erster Linie diverse Vorschriften einzuhalten: neben dem Tierschutzgesetz ist noch die Tierschutznutztierhaltungs-Verordnung maßgebend. Für das Audit für die Initiative Tierwohl sind neben dem noch weitere Dinge zu erfüllen: wir geben den Tieren 10% mehr Platz und Raufutter in der Gruppenhaltung und stellen ihnen im Abferkelstall Nestbaumaterial zur Verfügung. Unsere Tiere haben zusätzlich organisches Beschäftigungsmaterial, Scheuermöglichkeiten (Bürsten und Scheuerbalken) in der Gruppenhaltung, wir haben eine vierwöchige Säugezeit, Wühlerde für die Ferkel und bieten unseren Tieren das Saufen aus offener Fläche in jedem Bereich des Stalles an. Diese Kriterien haben wir bei der Initiative Tierwohl gewählt – und ob wir das nun auch konsequent einhalten, das kontrolliert der Prüfer während des Audits.

itw6 Nachdem er sich im Sauenstall alles angesehen hat, ging es weiter in die Jungsauenaufzucht und danach in den Ferkelaufzuchtstall – auch hier gilt es natürlich alle Vorschriften einzuhalten. Neben der Tierkontrolle sind hier der Platz pro Tier, Fress- und Wasserplätze, die Luftqualität und die Helligkeit des Stalles sehr wichtig.

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Dokumentation – wer schreibt, der bleibt…

Zurück im Sauenstall geht es an die Dokumentation – denn neben der Kontrolle des Stalles bzw. der Tiere ist auch eine konsequente Dokumentation für uns Pflicht: neben den allgemeinen Betriebsdaten, dem Bestandsregister, Lieferscheine für Tiere und Futter, Ergebnissen zu Futteruntersuchungen, einem Betreuungsvertrag mit dem Tierarzt, den tierärztlichen Arzneimittelabgabebelegen und Bestandsbuch, Besuchsprotokollen vom Tierarzt und Diagnostikprotokollen, gehören auch mindestens jährliche Eigenkontrollen, Reinigungs- und Desinfektionspläne und die Dokumentation der Schadnagerbekämpfung dazu. Kontrolliert werden ebenfalls die Salmonellen- und Schlachthofbefunde. Zusätzlich benötigen wir für die Teilnahme an der Initiative Tierwohl einen jährlichen Wasser- und Klimacheck, der bei der Prüfung aktuell vorliegen muss.

Weitere Kontrollen

Die „regelmäßigen“ QS-Kontrollen finden mindestens alle drei Jahre, ein ITW Audit einmal pro Jahr statt – allerdings gibt es auch immer mal wieder unangemeldete „Spotaudits“. Neben diesen freiwilligen Kontrollen gibt es noch allerhand staatliche: so waren in den letzten Jahren das LAVES und das Veterinäramt, die Berufsgenossenschaft und auch das Bauamt regelmäßig bei uns im Betrieb.

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Daneben kontrollieren wir uns auch selber – und auch unabhängige Berater sind in regelmäßigen Abständen bei uns. Dazu kommen noch zahlreiche Praktikanten und Besuchergruppen.

Es ist definitv so, dass man von Zeit zu Zeit „betriebsblind“ wird, nur unsere Türen sind immer offen für interessierte Menschen, so dass wir hoffen, dass uns das nicht allzu schnell ereilt.

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Mit den Waffen einer Sau…

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…haben wir Gott sei Dank ganz selten zu kämpfen, nur dennoch sollten wir sie kennen

Sauen treten nicht wie Pferde oder Kühe. Sauen bzw. Schweine sind eigentlich Fluchttiere. Wenn ihnen etwas nicht passt oder Ungeheuer erscheint, ergreifen sie sicherheitshalber die Flucht. Allerdings halten wir unsere Sauen z.B. im Abferkelstall in einem Ferkelschutzkorb, wo das schlichtweg nicht möglich ist. Hier lautet dann die Devise einer Sau  „Angriff ist die beste Verteidigung“, und sie versuchen zu beißen.

Naja – dann müsst Ihr Euch halt vom Kopf der Tiere fernhalten, werden jetzt einige denken. Es gibt immer wieder Situationen, wo man genau dort hin muss: wenn wir z.B. den Trog bei einem Tier sauber machen möchten, müssen wir mit der Hand am Maul vorbei in Richtung Futter – da ist es schon gut zu wissen, dass die Tiere lieb sind. Ebenso wenn wir mal ein krankes Tier haben und behandeln müssen – die beste Stelle für eine Injektion ist die Nackenmuskulatur – auch da komme ich dem Kopf der Tiere sehr nah.

Sauen beißen, weil sie Schmerzen haben, aus reiner Bösartigkeit (Genetik) und aufgrund schlechter Erfahrung. Die meisten Sauen beißen allerdings aus Angst. Angst können wir ihnen nehmen, in dem wir Vertrauen schaffen. Wir bemühen uns deshalb um einen guten Umgang mit unseren Tieren. Neben einem ruhigen Umgang und allgemeinen Streicheleinheiten bei jeder Möglichkeit, geben wir den Sauen immer mal kleine „Leckerlies“. Damit legen wir bei unseren Jungsauen schon den Grundstein für eine gute Abferkelung.

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24 Stunden – 7 Tage die Woche – 365 Tage im Jahr

Es ist so einfach gesagt – Landwirte sollten sich doch bitte rund um die Uhr um ihre Tiere kümmern. Doch das können wir schlichtweg nicht, denn wir sind keine Übermenschen.

Wir versuchen bei möglichst vielen Geburten dabei zu sein. Nichtsdestotrotz ferkeln auch bei uns immer wieder Sauen nachts alleine.

Und das kann so gut ausgehen wie im Film. Es kann allerdings auch passieren, dass wir morgens in den Stall kommen, und entweder die Geburt stockt, und wir Geburtshilfe leisten müssen, oder leider auch Ferkel tot zur Welt gekommen sind.

Gerne wird von Tierrechtlern, aber auch von Politikern und auch Tierschutzbeauftragten der Länder angemahnt, dass wir Landwirte die Geburten der Tiere rund um die Uhr betreuen sollten.

Die Landestierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Frau Dr. Madeleine Martin äußerte sich jüngst bei Stern TV zum Thema „aubferkelungen ohne Ausicht“: „Es gibt keine Aufsichtspflicht, aber jeder halbwegs vernünftige Landwirt wird versuchen, wenn seine Sauen ferkeln, dabei zu sein, um eben zu unterstützen und um Zwischenfälle zu vermeiden.“ Soweit so gut – weiter sagte sie, weil in einer Nacht zwei Sauen ohne Aufsicht geferkelt haben: „Hier war schon auffällig, wie viele Tiere tot oder offensichtlich krank waren.“

Dazu nur drei Dinge:

1. zunächst bedeutet es nicht, dass wenn die Geburten betreut ablaufen, es keine totgeborenen Ferkel gibt. Wir haben auch leider immer wieder einzelne Sauen, wo wir jedes Ferkel holen, und dennoch nicht alle lebend zur Welt kommen. Manche Sauen bekommen drei Ferkel und dann kommt auf einmal ein totes, danach wieder mehrere lebende – wir stecken da halt einfach nicht drin.

2. kann das kein Betrieb leisten. Wir leiten keine Geburten ein, haben durch den Besamungstag nur ein ungefähres Geburtsdatum. Wir können abends, wenn wir aus dem Stall gehen, nicht sicher sagen, ob wohl noch eine Sau von der Gruppe ferkelt oder nicht. Sauen kündigen eine Abferkelung nicht lange im Vorraus an. Manche haben einige Stunden vor der Abferkelung Milch, so dass sich die bevorstehende Geburt ankündigt. Andere haben über 24 Stunden Milch, bevor das erste Ferkel geboren wird. Dann wiederum gibt es Sauen, die zeigen gar nichts, fressen noch und beim nächsten Gang durch den Stall ist das erste Ferkel da. Ihr seht, Geburten haben auch immer ein bisschen etwas Überraschendes.

3. auch (tierhaltende) Landwirte brauchen mal eine Pause – dazu gehört der Feierabend, aber auch mal ein freies Wochenende oder sogar ein Urlaub. Wir haben unsere Mitarbeiter, auf die wir uns zu 100% verlassen können. Nur hier müssen wir auch als Arbeitgeber unseren Arbeitnehmern gegenüber gerecht bleiben – sie können genauso wenig wie wir, rund um die Uhr bei unseren Tieren im Stall sein.

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Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag

 

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Wir sind die Henkes: Heinrich & Nadine mit Theis, Nienke & Tjorven.

 Zusammen mit unseren Mitarbeitern sind wir die Brokser Sauen. Wir bewirtschaften einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 1.250 Sauen, eigener Nachzucht und Ferkelaufzucht.

Unser Betrieb liegt im Herzen Niedersachsens im schönen Bruchhausen-Vilsen. Daher rührt auch unser Name – Broksen ist das plattdeutsche Wort für Bruchhausen.

Tradition und Regionalität sind uns eine Herzensangelegenheit. Unsere Kinder wachsen deshalb zweisprachig auf. Und auch unsere Ferkel provitieren von der Regionalität, denn unsere Mäster sind alle in unserer unmittelbaren Umgebung zu Hause. So können wir kurze Transportwege garantieren, denn eine direkte Anbindung ist uns sehr wichtig.

Einen etwas anderen Weg gehen unsere Durocs. Das sind unsere kleinen Hobbyschweine. Diese bleiben bei uns im Betrieb und werden hier gemästet. Wir fahren sie persönlich zu unserem Metzger unseres Vertrauens. Dieses schlachtet und zerlegt die Tiere und wurstet für uns. Unsere Produkte unter dem Namen „Brokser Sauen“ könnt Ihr in der Hofladenkiste und in Bremen in der Borgfelder Milchmanufaktur erwerben.

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