Allgemein, Bayer, Glyphosat, Kommentar, Landwirtschaft, soziale Medien

“Ihr seid doch alle gekauft” – meine Coming Out Story

Die letzten drei Tage war ich in Köln, Rommerskirchen, Monheim und Leverkusen. Ich habe auf Einladung von Bayer am „Future of farming dialogue 2019“ teilgenommen.

Der „future of farming dialogue“ findet jährlich statt. Auch im letzten Jahr durfte ich schon dabei sein. Es ist ein weltweites Treffen von Journalisten, Influencern und Stakeholder. Das Treffen wird (wie oben bereits geschrieben) von Bayer organisiert.

Landwirt*innen treffen sich mit Bayer?

Diese Frage war eine der ersten Reaktionen einer Journalistin auf meinen ersten Tweet zum Treffen:

Und auch weitere kritische Fragen bzw. Kommentare ließen nicht lange auf sich warten:

Mein persönliches Coming Out

Ja, ich denke, es wird Zeit, endlich die „Hose runterzulassen“.

Ja, ich war eingeladen von Bayer.

Ja, Bayer hat die Kosten für die Übernachtung und das Catering während der Veranstaltung übernommen, und wir waren am Montag Abend in der Brauerei „Früh“ zum Essen eingeladen.

Nur im Weiteren muss ich Euch nun enttäuschen – Bayer bezahlt mich nicht. Bayer hat mich nicht verpflichtet, für den Konzern zu sprechen. Bayer erwartet keinerlei Gegenleistung.

Und um auch das gleich klarzustellen: auch vom Bauernverband oder anderen Verbänden oder Unternehmen erhalte ich keinerlei Aufmerksamkeiten.

Ich bin vollkommen unabhängig. Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, was ich twitter, was ich bei Facebook veröffentliche, ist einzig und allein meine eigene Meinung.

Future of farming dialogue

Zurück zum Future of farming dialogue – mein Fazit:

Dieses Treffen war für mich wieder absolut großartig. Auf der einen Seite ist es mega interessant, einen Einblick in die Arbeit von Bayer zu bekommen: wie arbeitet das Unternehmen weltweit, was tut Bayer in Bereichen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, wie ist ihre Zusammenarbeit mit den Landwirten rund um den Globus, wo liegen ihre Forschungsschwerpunkte?

Auf der anderen Seite ist dieses Treffen eine riesige Chance, sich mit anderen Menschen weltweit zu vernetzen. Es kommen zu dieser Veranstaltung Menschen aus über 40 Ländern zusammen, alle haben andere Herausforderungen, jedoch alle dieselbe Leidenschaft und alle dasselbe Ziel: die Welt mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen.

Natürlich ist diese Veranstaltung auch eine PR Veranstaltung für Bayer – nur damit hält der Konzern auch nicht hintern Berg – und das ist auch vollkommen legitim.

Ich wünsche mir zukünftig einen offeneren Umgang (v.a. seitens der Kritiker) mit dem Unternehmen Bayer. Ich habe in den vergangenen drei Tagen wieder einmal ein Unternehmen gesehen, was sich sehr viele Gedanken zu Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität macht, das jedoch die Lebensmittelproduktion für die stetig wachsende Bevölkerung dabei nicht aus den Augen verliert, und welches versucht, den Spagat dazwischen mit uns Landwirten zu meistern.

Anbei noch einige Eindrücke von der Veranstaltung

Allgemein, Bauern, Bauerntum, Familie, Kommentar, Landwirtschaft, soziale Medien

Der böse, böse Bauernverband

…oder wie ein Bauernverbandspräsident für jegliche Kritik herhalten muss…

Letzte Woche ein Bericht über Agrarfunktionäre, diese Woche ein Zitat herausgerissen aus einem Zeit Interview – Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, hat momentan keinen leichten Stand. Ein paar Gedanken zu den aktuellen Ereignissen:

Die Story – „Gekaufte Agrarpolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“

So lautete der Titel der „Die Story“ am 29. April im Ersten. Es ging darum, dass Verbandsvertreter (Funktionäre) gleichzeitig in der Politik tätig sind und in verschiedensten Gremien sitzen. Hintergrund ist eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen im Auftrag des Nabu. Der Nabu schreibt dazu auf seiner Homepage:

Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert (…)

NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen (…)

Die Macht der Agrarlobby muss endlich stärker beschränkt werden.

Damit sollte eigentlich dem letzten klar sein, worum es wirklich geht – dem ist nur leider nicht so. Im Netz geht’s heiß her – neben vielen anderen Menschen, echauffieren sich auch sehr viele Landwirte. Was offensichtlich vielen nicht klar ist – Joachim Rukwied repräsentiert in den Gremien, in denen er vertreten ist, in der Regel die Interessen des Deutschen Bauernverbandes. Er ist dort Kraft seines Amtes als Präsident des deutschen Bauernverbandes, nicht als Person Joachim Rukwied.

Das mag einigen nicht gefallen – ändert jedoch nichts an der Tatsache. Wenn es den Mitgliedern des Bauernverbandes nicht gefällt, ist das allerdings schlecht. Nur dann sind letztlich auch die Mitglieder gefordert – nur von den Kritikern möchten die meisten doch einfach nur „vertreten“ werden – dann allerdings hinterher meckern, dass es nicht in ihrem Sinne war – das ist zu einfach. Mitgestalten heißt das Zauberwort.

Und dann muss auch die Frage erlaubt sein – wer will diese Aufgaben annehmen und von wem fühlen sich diese Landwirte besser vertreten? Wer fühlt sich in der Lage, diese Ämter auszuüben?

Das Zeit Interview und „Unser Land“

„Die letzten ihrer Art“ titelt diese Woche die ZEIT. Es geht um den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Auf der einen Seite schließen rund 5000 bäuerliche Betriebe pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %). Auf der anderen Seite steigt die Tendenz zu größeren Höfen weiter an. Auch Joachim Rukwied hat der ZEIT ein Interview zu diesem Thema gegeben. Auf die Frage, wie er den Trend, dass immer mehr Höfe schließen, stoppen möchte, antwortet er der ZEIT:

Jeder Hof, der aufgibt, bedeutet einen Verlust an Agrikultur. Aber wir halten das Tempo des Strukturwandels von 1,2-1,5 Prozent Verlusten pro Jahr für akzeptabel. Auch weil dann diejenigen, die sich entscheiden, in einen Betrieb einzusteigen, eine bessere Perspektive haben.

Diese Antwort aus dem Zusammenhang gerissen, konnten wir dann bei „Unser Land“ bestaunen – und die Welle der Empörung schlägt natürlich hoch. Der Post von „Unser Land“ ist reine Provokation, mit diesem Foto und diesem herausgerissenen Zitat Stimmung zu schüren. Und diese Provokation geht ganz genau auf, wie man an den Reaktionen im Netz in den sozialen Medien sehen kann.

Quelle: Facebook Seite Unser Land

„Akzeptabel“ – „verträglich“, egal, welches Wort Joachim Rukwied verwendet hat, ist im Kontext mit einem so emotionalem Thema einfach äußerst unglücklich gewählt. Nur wie sehen die „nackten Fakten“ aus?

Strukturwandel – was ist normal?

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Die Zahl der Handwerksbäckereien sank von 19.813 im Jahr 2010 auf 11.347 Betriebe in 2017 – das ist eine Abnahme von 42% in sieben Jahren (Quelle: handelsdaten.de ). Im Fleischerhandwerk sieht es nicht anders aus. Bundesweit ging die Zahl der Lebensmittel-Handwerksbetriebe bis 2016 bereits auf 70 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück.

Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, empfinde ich Rukwieds Aussage nicht für unredlich – dann ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben noch „akzeptabel“.

Kann Strukturwandel überhaupt „normal“ sein?

In Deutschland gehen täglich 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion – das sind täglich zwei Betriebe. Strukturwandel hat es immer gegeben, und wird es auch immer geben. Und in einem gewissen Rahmen ist dies auch durchaus zu vertreten – nichts anderes sagt Joachim Rukwied. Und wenn Betriebe aufgeben, wachsen andere, das liegt in der Natur der Sache. Und weder der Deutsche Bauernverband noch Joachim Rukwied in Person können entgegen den wirtschaftlichen Tendenzen, den Strukturwandel aufhalten. Ziel kann es nur sein, diese Entwicklung möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Gründe für den Strukturwandel

Auch die Gründe für den Strukturwandel werden immer gerne dem Bauernverband zugeschustert, propagiere dieser ja schon eh und je das „Wachsen oder Weichen“ Prinzip.  „Wachsen oder weichen“, das ist – man mag es beklagen – eine ökonomische Gesetzmäßigkeit. Die hat sich niemand ausgedacht – kein böser Kapitalist, kein Bauernpräsident. Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Nur warum hören Betriebe auf?

Es geben sicher Betriebe auf, weil sie zu klein und/oder unrentabel sind. Wer einen unrentablen Betrieb zu lange weiter bewirtschaftet, zerstört letztlich Kapital und damit seine Lebensgrundlage. Von den Betrieben, die aussteigen, steigen jedoch die wenigsten aus, weil sie insolvent sind.

Die meisten Betriebe werden aufgegeben, weil keine Nachfolge vorhanden ist. Häufig ist keiner in der Familie zu finden, der eigenverantwortlich den Betrieb weiterführt. Die Gründe dafür sind vielfältig: keine Kinder (kein Nachfolger), fehlendes Interesse, fehlende Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven, um nur einige zu nennen.

Früher war alles besser?

Ich kann es niemanden verdenken, einen anderen Weg als den des Hofnachfolgers einzuschlagen. Die Auswahl seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist heute sehr vielfältig. Es sollte jedem selbst überlassen bleiben, diese Entscheidung für sich und sein Leben zu treffen. Im Netz habe ich dazu folgenden Satz gelesen:

Es ist eine der größten Errungenschaften, dass heute niemand mehr Bauer werden muss. Früher haben sich viele ihr Leben lang durch den Beruf gequält, weil man der älteste Sohn war und nichts anderes machen durfte. Heute kann jeder machen, was er will. Es kann auch weiterhin jeder Bäuerin oder Bauer werden. Möglichkeiten gibt es genug. Man muss aber auch nicht.

Auch wir haben drei Kinder und einen Betrieb. Wir haben in den letzten Jahren unseren Betrieb stetig verändert und auch erweitert. Wir tun das nicht für unsere Kinder, sondern für uns, weil uns unsere Arbeit Spaß macht, weil wir lieben, was wir tun. Wir werden es unseren Kindern freistellen – wenn sie (oder einer oder zwei oder alle drei) den Betrieb weiterführen möchten, freuen wir uns sicher darüber, nur wenn nicht, ist das auch okay – wir mögen niemanden zwingen. Wir arbeiten mit Tieren – das muss man wollen und lieben, sonst macht man das nicht gut. Diese Verantwortung haben wir auch gegenüber unseren Tieren.

Zurück zu Joachim Rukwied und dem DBV

Der Bauernverband und Joachim Rukwied bekommen zur Zeit viel Kritik, zum großen Teil auch von Verbandsmitgliedern. Ich für meinen Teil muss ganz ehrlich sagen – ich möchte nicht tauschen. Ich möchte weder diese Verantwortung tragen, noch habe ich ein dickes Fell genug, mir die ständige Kritik aus den eigenen Reihen anzutun.
Nur diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch Kritik üben – ich wünsche mir vom Verband eine bessere Kommunikation nach innen. Ich erwarte, dass es von Verbandsseite eine Stellungnahme zu solchen Reportagen/Artikeln gibt – für uns Mitglieder. Bitte nehmt uns mit, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir verstehen, wie solche Dinge zu Stande kommen, damit wir uns nicht von unserem Verband allein gelassen fühlen.
Allgemein, Landwirtschaft, Schweinehaltung

Tierschutz auf dänisch

Wenn QS, die Politik oder irgendjemand sonst noch einen Beweis dafür braucht, wie ernst den Dänen der Tierschutz ist – hier ist er:

Hintergrund

Ab dem 01.01.2019 ist die betäubungslose Kastration von Saugferkeln verboten. Das deutsche Tierschutzgesetz fordert eine „Schmerzausschaltung“ bei der Kastration. Untersuchungen zeigen, dass eine Lokalanästhesie dieses nicht erreicht. Deshalb ist in Deutschland im Moment diese Art der Betäubung nicht zulässig. In Dänemark sieht das jedoch anders aus.

In Dänemark ist zur Zeit eine Schmerzmittelgabe vorgeschrieben. In Dänemark darf der Landwirt bereits jetzt unter lokaler Betäubung kastrieren. Ab dem 1.1.2019 ist es verpflichtend vorgeschrieben.

Warum interessieren uns die Dänen?

Deutschland importiert etwa 12 Millionen Ferkel pro Jahr – über die Hälfte kommt aus Dänemark.

Auch wenn sie nicht nach deutschem Recht kastriert sind, erhalten diese Tiere bzw. das Fleisch dieser Tiere in Deutschland ein Siegel für Qualität und Sicherheit.

QS = Qualität und Sicherheit?

Alle Partner haben sich vertraglich verpflichtet, nach klar definierten Kriterien sichere Lebensmittel zu erzeugen…

Da stellt sich für mich die Frage, wie diese Kriterien denn nun konkret aussehen. Deshalb habe ich noch weiter bei QS nach einer Antwort gesucht…

Hier heißt es „Leitfaden Landwirtschaft Schweinehaltung“:

Auch in einer Pressemitteilung vom 26.09.2018 heißt es seitens QS:

Die Anforderung im QS-Leitfaden, dass die Ferkelkastration grundsätzlich nur mit Schmerzausschaltung oder Betäubung (also entsprechend den Vorgaben des Tierschutzgesetzes) erfolgen darf, bleibt jedoch bestehen. Damit ist auch klar, dass für Ferkel, Mastschweine und Fleischwaren, die aus dem Ausland ins QS-System geliefert werden, vergleichbare Verfahren verlangt werden.

Dann ist doch eigentlich alles gut – nur was stört mich mein Geschwätz von gestern?

Das wäre es, wenn QS konsequent wäre – nur genau das ist QS leider nicht. QS sieht nämlich keinen Grund, dänische Ferkel aus dem System auszuschließen. Bei agrarheute heißt es dazu:

QS könne nicht die nationalen Unterschiede in den Verfahren ausgleichen und deshalb auch nicht ein Verfahren, das im Ausland zugelassen sei, aber in Deutschland nicht, ausschließen. Die Verfahren, die im Ausland rechtlich zugelassen sind, dürfen bei Tieren, die in das QS-System eingeführt werden, auch angewandt werden.

Fazit

Es ist natürlich einfach, auf die Politik zu schimpfen. Nur sind wir doch mal ehrlich, der Ausstieg ist seit Jahren beschlossen. Natürlich können und wollen wir die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen, nur hier versagen unsere Verbände auf ganzer Linie. Denn letztlich sind es der deutsche Bauernverband und der deutsche Raiffeisenverband, die neben der Fleischwirtschaft und dem Handel Gesellschafter von QS sind und es somit zulassen, dass die Dänen uns am Nasenring durch die Arena ziehen.

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Hormone im Fleisch? Vollkommen normal.

Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird bis das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?

So wird der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz von der Rheinischen Post zitiert. Ja, der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration rückt näher, und der Ton verschärft sich.

Facts not fear – hier die Fakten:

  • Improvac® besitzt keinerlei hormonelle Wirkung.

  • Improvac® hinterlässt im Fleisch keinerlei Rückstände.

  • Fleisch enthält natürlicherweise immer Hormone.

Bedauerlich, dass hier Werner Schwarz stellvertretend für den Deutschen Bauernverband nicht mit Fakten argumentieren kann, sondern versucht mit der Verbreitung von Angst zu punkten.

„Hormone spritzen“ – es geht um Improvac, sprich um eine immunologische Kastration.

Was bedeutet „Immunokastration“?

Bei der Immunokastration wird den Tieren zweimal eine Art Impfstoff (Improvac®) gespritzt. Improvac® ist pharmakologisch gesehen kein richtiger Impfstoff, sondern ein „immunologisches Präparat“. Dieses Präparat wirkt jedoch wie ein Impfstoff.

Improvac® ist kein Hormon

Improvac® enthält ein synthetisches Analogon eines natürlichen Hormons (GnRF). Dieses Analogon ist an ein Trägerprotein gebunden und bildet mit diesem zusammen das Antigen. Dieses Antigen stimuliert die Bildung von GnRF-neutralisierenden Antikörpern. So werden letztlich die Hormone, die für den unangenehmen Geruch/Geschmack bei Eberfleisch verantwortlich sind, nicht gebildet.

Quelle: DLG e.V. – Eberfleisch Teil 1 – Basiswissen

Tierschützer und NGO’s sehen diesen Weg neben der Ebermast als den Königsweg an. Und auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (kurz TVT) fordert die Immunokastration, weil die Schweine dabei unversehrt bleiben. Nur der Deutsche Bauernverband lehnt die vermutlich tierschonenste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration ab.

Weltweit sind immunokastrierte Tiere seit Jahren im Handel. In Belgien, Australien oder Südamerika wird bereits in relevanten Größenordnungen geimpft. Brasilien und Australien exportieren erfolgreich immunokastrierte Tiere, auch beispielsweise nach China.

In Deutschland liegt ebenso seit Jahren Fleisch von immunokastrierten Tieren in den Kühltheken – denn Belgien ist der Vorreiter der Immunokastration und exportiert einen großen Teil seines Fleisches an uns.

Fleisch enthält immer Hormone – auch beim Menschen

Hormone sind natürliche Botenstoffe und sowohl in unserem Körper als auch in nahezu allen Nahrungsmitteln vorhanden. Eine Quelle für hormonell wirksame Substanzen stellen zum Beispiel Schimmelpilze (Zearalenon) dar, die von bestimmten Pilzen gebildet werden und Getreidearten wie Mais, Weizen und Gerste befallen können. Der Einsatz von Hormonen als Wachstumsförderer in der Tiermast ist seit 1988 EU-weit verboten.

Mein Fazit

Veränderungen scheinen vom Bauernverband nicht gewollt. Seit Jahren wird der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration nun ausgesessen. Kurz gesagt – es werden alle möglichen Lösungen negiert:

  1. Ebermast ist nicht flächendeckend umsetzbar
  2. Kastration unter Betäubung ist finanziell nicht darstellbar
  3. Immunokastration lehnt der Verbraucher ab aus Angst vor „Hormonfleisch“

Auch QS beweist angeblich in einer Studie, dass die Immunokastration das größte Skandalpotential hat. Und jetzt, fünf Monate vor Ablauf der Frist, bleibt dieser vorhergesagte mediale Skandal einfach aus – und noch schlimmer – Tierschutzvereine, einige Bioverbände und NGO’s sprechen sich für die Immunokastration aus. Und auch eher kritische Medien wie der Spiegel berichten positiv über die Immunokastration.

So, was bleibt – man inszeniert den Skandal einfach selber und zerstört damit vorsätzlich eine der besten (weil tierschonenste) Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration – um auf eine Alternative zu setzen, die es bislang schlichtweg nicht gibt.

Ich bin maßlos enttäuscht. Ich wünsche mir einen Verband, der nach vorne blickt, der die Zukunft gestalten möchte, der offen ist und auch bereit für Veränderungen. Letztlich disqualifiziert sich der Bauernverband hier als Gesprächspartner in Sachen betäubungsloser Ferkelkastration – und das finde ich wirklich traurig.

Weitere Informationen:

Zulassung Improvac

BfR – Fragen und Antworten zum Thema Hormone in Fleisch und Milch

Allgemein, Landwirtschaft, Politik

Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Eine Schlagzeile geht durch die Medien:

Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Wir haben diese Jahr einen Sommer, so einen richtigen Sommer – viel Sonne, warm, keinen Regen. Was viele Urlauber, die nicht in den Süden geflogen sind, freut, ist für viele Bauern eine Katastrophe. Sie sprechen nicht mehr vom „Sommer“, sondern nur noch von der großen „Dürre“. Denn auf den Feldern fehlt der Regen. Vielerorts ist die Ernte vertrocknet. Und auch die Feldfrüchte, die noch nicht geerntet sind leiden – der Mais sieht an manchen stellen aus wie eine Agavenplantage, auf den Kartoffeläckern vertrocknet das Kraut und die Zuckerrüben haben sich abgelegt und schlafen wie Dornröschen. Selbst für mich als Außenstehende ist das ein sehr beklemmendes Gefühl.

Bauernverband fordert staatliche Milliardenhilfe

Aufgrund der Dürre rechnet der Bauernverband im Bundesschnitt mit etwa 20% Ernteeinbußen, in extrem betroffenen Gebieten allerdings mit über 50% Ertragseinbußen. Das ist furchtbar, keine Frage. Nur stelle ich mir die Frage, müssen jetzt staatliche Mittel her? Die SPD sagt „Nein“, denn:

Moderne Landwirtschaft begreift sich als Unternehmer.

So sehe ich das grundsätzlich eigentlich auch. In der Tierhaltung sind wir solche extremen Schwankungen „gewohnt“. Nach einem wirklich gutem Jahr 2017, ist dieses Jahr in unserer Branche eine Katastrophe. Ähnliches mussten die Milchviehhalter in den letzten Jahren erfahren, wo staatliche Hilfen und Eingriffe vom Verband auch bis zuletzt abgelehnt wurden. Nur, was wir in der Schweinehaltung erleben, sind die ganz normalen Marktschwankungen – hier dreht es sich jedoch um das Wetter. Es handelt sich hierbei um eine höhere Gewalt. Ich bin hin- und hergerissen. Zudem stelle ich mir auch die Frage, wie hier eine Verteilung aussieht. Es wird vermutlich viele Nutznießer geben – wie viel bekommt letztendlich wirklich der Landwirt? Die Flächen/Ernteerträge müssen geschätzt/dokumentiert werden, es muss zusammengeschrieben werden, bewertet werden usw. Da freuen sich doch Landwirtschaftskammer und Beratungsunternehmen.

Steuerfreie Rücklagen

Etwas anders sehe ich die zweite Forderung des Bauernverbandes. Dadurch, dass unsere Wirtschaftsjahre doch erheblich unterschiedlich ausfallen, halte ich eine steuerfreie Risikorücklage für eine super Sache. Was bedeutet das konkret? In einem guten Jahr muss natürlich auch der Landwirt seinen Betriebsgewinn versteuern. Dieses passiert jedoch erst im darauffolgenden Jahr. Zudem wird für das Jahr dann eine Vorauszahlung festgelegt, die aufgrund des guten Jahres bemessen wird. Das heißt konkret, dass der Betrieb in dem Jahr zunächst „doppelt“ Steuern zahlt (und hier meine ich mit doppelt im Sinne von „doppelt gemoppelt“, sondern die finanzielle Belastung). Wenn jedoch das Jahr schwach ist, kann das zu einer riesigen finanziellen Belastung des Betriebes werden. Denn, auch wenn nach Abschluss des Jahres eine Rückführung durch das Finanzamt stattfindet, fehlt das Geld schon vorher, d.h. die Liquidität des Betriebes leidet. Das kann existenzbedrohend für einen Betrieb sein. Das hört sich vielleicht jetzt ganz theoretisch an, jedoch befinden sich viele Schweinehalter gerade in einem solchen Jahr. 2017 war ein gutes Schweinejahr. Dieses Jahr entwickelt sich immer mehr zu einer Katastrophe. Die Betriebe haben den Gewinn des letzten Jahres komplett versteuert und machen nun muntere Vorauszahlungen, obwohl das Geld knapp ist. Hätten die Betriebe nun die Möglichkeit „Risikoausgleichsrücklage“ gehabt, bliebe ihnen einfach mehr Luft zum Atmen im Bereich ihrer liquiden Mittel.

Wie soll/kann es gehen?

Mich interessiert Eure Meinung: wie seht Ihr die Milliardenhilfe? Was haltet Ihr von steuerfreien Rücklagen? Stimmt gerne mit ab oder schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare.