Allgemein, Landwirtschaft, Schweinehaltung

Mit den Waffen einer Sau…

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…haben wir Gott sei Dank ganz selten zu kämpfen, nur dennoch sollten wir sie kennen

Sauen treten nicht wie Pferde oder Kühe. Sauen bzw. Schweine sind eigentlich Fluchttiere. Wenn ihnen etwas nicht passt oder Ungeheuer erscheint, ergreifen sie sicherheitshalber die Flucht. Allerdings halten wir unsere Sauen z.B. im Abferkelstall in einem Ferkelschutzkorb, wo das schlichtweg nicht möglich ist. Hier lautet dann die Devise einer Sau  „Angriff ist die beste Verteidigung“, und sie versuchen zu beißen.

Naja – dann müsst Ihr Euch halt vom Kopf der Tiere fernhalten, werden jetzt einige denken. Es gibt immer wieder Situationen, wo man genau dort hin muss: wenn wir z.B. den Trog bei einem Tier sauber machen möchten, müssen wir mit der Hand am Maul vorbei in Richtung Futter – da ist es schon gut zu wissen, dass die Tiere lieb sind. Ebenso wenn wir mal ein krankes Tier haben und behandeln müssen – die beste Stelle für eine Injektion ist die Nackenmuskulatur – auch da komme ich dem Kopf der Tiere sehr nah.

Sauen beißen, weil sie Schmerzen haben, aus reiner Bösartigkeit (Genetik) und aufgrund schlechter Erfahrung. Die meisten Sauen beißen allerdings aus Angst. Angst können wir ihnen nehmen, in dem wir Vertrauen schaffen. Wir bemühen uns deshalb um einen guten Umgang mit unseren Tieren. Neben einem ruhigen Umgang und allgemeinen Streicheleinheiten bei jeder Möglichkeit, geben wir den Sauen immer mal kleine „Leckerlies“. Damit legen wir bei unseren Jungsauen schon den Grundstein für eine gute Abferkelung.

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Landwirtschaft, Schweinehaltung

24 Stunden – 7 Tage die Woche – 365 Tage im Jahr

Es ist so einfach gesagt – Landwirte sollten sich doch bitte rund um die Uhr um ihre Tiere kümmern. Doch das können wir schlichtweg nicht, denn wir sind keine Übermenschen.

Wir versuchen bei möglichst vielen Geburten dabei zu sein. Nichtsdestotrotz ferkeln auch bei uns immer wieder Sauen nachts alleine.

Und das kann so gut ausgehen wie im Film. Es kann allerdings auch passieren, dass wir morgens in den Stall kommen, und entweder die Geburt stockt, und wir Geburtshilfe leisten müssen, oder leider auch Ferkel tot zur Welt gekommen sind.

Gerne wird von Tierrechtlern, aber auch von Politikern und auch Tierschutzbeauftragten der Länder angemahnt, dass wir Landwirte die Geburten der Tiere rund um die Uhr betreuen sollten.

Die Landestierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Frau Dr. Madeleine Martin äußerte sich jüngst bei Stern TV zum Thema „aubferkelungen ohne Ausicht“: „Es gibt keine Aufsichtspflicht, aber jeder halbwegs vernünftige Landwirt wird versuchen, wenn seine Sauen ferkeln, dabei zu sein, um eben zu unterstützen und um Zwischenfälle zu vermeiden.“ Soweit so gut – weiter sagte sie, weil in einer Nacht zwei Sauen ohne Aufsicht geferkelt haben: „Hier war schon auffällig, wie viele Tiere tot oder offensichtlich krank waren.“

Dazu nur drei Dinge:

1. zunächst bedeutet es nicht, dass wenn die Geburten betreut ablaufen, es keine totgeborenen Ferkel gibt. Wir haben auch leider immer wieder einzelne Sauen, wo wir jedes Ferkel holen, und dennoch nicht alle lebend zur Welt kommen. Manche Sauen bekommen drei Ferkel und dann kommt auf einmal ein totes, danach wieder mehrere lebende – wir stecken da halt einfach nicht drin.

2. kann das kein Betrieb leisten. Wir leiten keine Geburten ein, haben durch den Besamungstag nur ein ungefähres Geburtsdatum. Wir können abends, wenn wir aus dem Stall gehen, nicht sicher sagen, ob wohl noch eine Sau von der Gruppe ferkelt oder nicht. Sauen kündigen eine Abferkelung nicht lange im Vorraus an. Manche haben einige Stunden vor der Abferkelung Milch, so dass sich die bevorstehende Geburt ankündigt. Andere haben über 24 Stunden Milch, bevor das erste Ferkel geboren wird. Dann wiederum gibt es Sauen, die zeigen gar nichts, fressen noch und beim nächsten Gang durch den Stall ist das erste Ferkel da. Ihr seht, Geburten haben auch immer ein bisschen etwas Überraschendes.

3. auch (tierhaltende) Landwirte brauchen mal eine Pause – dazu gehört der Feierabend, aber auch mal ein freies Wochenende oder sogar ein Urlaub. Wir haben unsere Mitarbeiter, auf die wir uns zu 100% verlassen können. Nur hier müssen wir auch als Arbeitgeber unseren Arbeitnehmern gegenüber gerecht bleiben – sie können genauso wenig wie wir, rund um die Uhr bei unseren Tieren im Stall sein.

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Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag