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Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.

 

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Hilfe – Kontamination im Gemüseregal

Wenn im Gemüseregal die Bio-Gurke mit der konventionellen Gurke kuschelt, sollte sie sich (ver-)hüten – Verpackungen schützen!

Bei Twitter kam gestern die Frage auf, warum gerade Bioprodukte in einer Schutzfolie verpackt sind. Die Antwort von REWE Supermarkt toppt dabei alles:

Dazu vielleicht einfach nur mal zwei kleine Definitionen:

Was heißt Kontamination?

Eine „Kontamination“ ist eine Verunreinigung. Kontaminierte Lebensmittel sind Produkte, die unerwünschte (die menschliche Gesundheit gefährdende) Keime tragen.

Was ist dann eine Kreuzkontamiation?

Unter einer „Kreuzkontamination“ versteht man eine direkte oder indirekte Übertragung von Keimen von einem verunreinigten auf ein sauberes Lebensmittel.

In Bezug auf Lebensmittelhygiene und Lebensmittelsicherheit wird darunter eine versehentliche Übertragung unerwünschter Mikroorganismen verstanden.

Wir halten also fest, dass REWE Supermarkt der Meinung ist, dass konventionelle Produkte verunreinigte Keime sind, die die menschliche Gesundheit gefährden, und deswegen die sauberen Biolebensmittel mittels einer Verpackung vor diesem Dreck zu schützen sind.

Ich meine, jetzt mal ehrlich, es könnte eine Genkontamination stattfinden. Das wäre ja furchtbar. Und niemand kann dabei abschätzen, wie schwer die gesundheitlichen Folgen später sind. Deswegen Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste 👆🏻

Okay, Spaß beiseite: die Anbauart ist natürlich weder eine Keimart noch gibt es hier irgendwelche Kreuzkontaminationen. Unsere Lebensmittel sind sicher. Das ist einfach nur ein schlechter Versuch, Verpackungsmüll von Biolebensmitteln auf Kosten der konventionellen Produktion schön zureden. Mich ärgert so ein Quatsch maßlos, denn die Biobranche und auch der Lebensmitteleinzelhandel sind offensichtlich nicht in der Lage, die Bioprodukte durch positives Marketing an die Verbraucher zu bekommen. Es scheint nur durch Bashing der Produkte der konventionell wirtschaftenden Kollegen zu gehen – und das ist nicht nur traurig, sondern echt armselig.

Hey REWE,

vielen Dank, ich denke, der Postillon hätte es nicht besser formulieren können.

Und Euch allen sei geraten – bitte vergesst beim nächsten Einkauf Euren Aluhut nicht, vor allem wenn Ihr zum REWE Markt Eures Vertrauens geht. 🤦🏼‍♀️

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Der landwirtschaftliche Betrieb als NGO – die Zukunft?

Heute morgen habe ich beim Frühstück unseren Sonntags-Tipp gelesen. Dazu gibt es immer einen ganzen Stapel Werbe-Prospekte, die Heini und ich zu gerne „studieren“. Da fiel uns beim Netto Werbeblatt doch etwas ins Auge: Netto wirbt auf der ersten Seite damit, dass sie Verantwortung übernehmen. Neben „Bio Bio“ und „Utz Certified“ hat Netto noch „ein Herz für Erzeuger“.

Spendensumme für Landwirte

Und auf Seite 10 und 11 konnten wir uns davon überzeugen. 10 Cent garantieren sie mehr bei Produkten wie 1 Liter Milch, 10 Eiern, Kochschinken, 4kg Speisekartoffeln und Emmentaler. Und es gibt etwas zu feiern – seit 10 Jahren zahlt Netto schon einen „fairen Preis“ für Erzeuger. Und dann steht auf der Seite etwas, was uns nachdenklich macht:

Spendensumme von über 26.000.000 €

in 10 Jahren, mit denen Landwirte unterstützt werden. 🤔

Fragen über Fragen

Sind wir Landwirte jetzt ein soziales Projekt? Nach welchen Kriterien werden diese Spenden wohl verteilt? Wie werden die Betriebe ausgewählt, die Spenden erhalten? Müssen diese Betriebe gemeinnützig sein? Kann Netto diese Spenden wohl steuerlich geltend machen? Und die viel entscheidendere Frage:

Wieso zahlt Netto nicht einfach gleich einen angemessenen Preis?

Vielleicht stimmt das Klischee vom „dummen Landwirt“ ja doch, weil wir immer noch glauben, wir können mit der Erzeugung von Lebensmitteln Geld verdienen. So langsam stellen wir uns die Frage, ob wir nicht umdenken müssen. Offensichtlich ist es lukrativer, um Spenden zu betteln. Diverse NGOs wie Greenpeace, PETA und WWF machen es uns doch vor.

Ist das Business Modell „NGO“ der Lebensmittelproduktion wirtschaftlich überlegen? 🤔

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Die Dosis macht das Gift – drei Fakten zu Nitrat

1. Nahezu alle natürlichen Lebensmittel einschließlich Trinkwasser enthalten Nitrat.

2. Nitrat gehört zu den wichtigsten chemischen Verbindungen – ohne Nitrat gäbe es kein Pflanzenwachstum.

3. Nitrat selber ist relativ ungiftig.

Wie oben schon geschrieben, auch im Bereich Nitrat macht die Dosis das Gift – aber was passiert eigentlich mit dem aufgenommenen Nitrat in unserem Körper?

Nitrate aus Gemüsesaft oder Wasser werden eigentlich nicht aufgenommen, sondern nahezu zu 100% wieder ausgeschieden. Nitrate aus fester Nahrung werden ebenfalls zu 80% wieder ausgeschieden. Die anderen 20% werden im Dickdarm aufgeschlüsselt. Sie gelangen über den Blutkreislauf in den Körper. Die Ausscheidung erfolgt über den Urin. Nach etwa 12 Stunden ist bereits die Hälfte des aufgenommenen Nitrats (aus dem Blutspiegel) wieder ausgeschieden.

Hm, bleibt die Frage – warum kann Nitrat dennoch Probleme verursachen?

Hier spielen unsere Nahrung und unser Speichel eine große Rolle:Nitrat wird in der Mundspeicheldrüse konzentriert und dann über den Speichel ausgeschieden. Und da liegt nun der Hase im Pfeffer. Denn hier gibt es eine Korrelation zum Nitratgehalt im Blut, d.h. hohe Nitratmengen in der Nahrung (gehen ins Blus s.o.) steigern die Nitratsekretion im Speichel überproportional. Unser Stoffwechsel ist schon manchmal komisch. Und dieses steigert letztlich auch die Nitritbildung – je mehr Nitrat vorhanden ist, desto mehr wird in Nitrit umgewandelt.

Und Nitrit ist das eigentliche Übel. Denn dieses wiederum ist toxisch. Also schauen wir uns doch weiter an, wie das Nitrit im Körper wirkt:

Es wird mit dem Speichel zunächst abgeschluckt und gelangt so in den Magen. Hier hat es nun drei Möglichkeiten:1. Es wird direkt im Magen resorbiert.2. Es gelangt in den Dünndarm und wird resorbiert (so wie das Nitrat)3. es verbindet sich mit sekundären Aminen zu Nitrosaminen. Diese sind krebserregend. Aber was passiert mit dem Nitrit weiter?Das vom Magen und Dünndarm aufgenommene Nitrit gelangt ins Blut und reagiert dort mit dem roten Blutfarbstoff. Das Blut wird dunkel und kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Es entsteht eine sogenannte „Zyanose“ – diese ist v.a. für Säuglinge eine große Gefahr. Ein Erwachsener kann diesen Zustand (es entsteht hier Methämoglobin) wieder rückreduzieren, d.h. das Nitrit wird wieder zu Nitrat umgewandelt. Und so schließt sich der Kreis.Also, es bleibt festzuhalten, dass Nitrat per se keine Gefahr darstellt. Nur die Aufnahme von großen Mengen an Nitrat über die Nahrung, kann zu einem gesundheitlichen Problem führen.

Nun wäre es natürlich noch interessant zu wissen, in welchen Lebensmitteln besonders viel Nitrat enthalten ist.

Frischgemüse, Trinkwasser, Getreide und Obst sind die Quellen von Nitrat. Verschiedene Gemüsesorten wie z.B. Kopfsalat, Spinat, Rote Bete, Radieschen und Rettich reichern je nach Jahreszeit und Anbaugebiet auffallend hohe Gehalte an Nitrat an. Besonders Rucola und z.T. auch Feldsalat speichern im Wachstum mehr Nitrat als andere Salatarten und weisen deshalb zum Erntezeitpunkt in der Regel höhere Nitratwerte auf.Aber auch bestimmten Fleisch-, Käse- und Fischprodukten darf Natriumnitrat- und Kaliumnitrat-Nitritpökelsalz als Konservierungsstoff zugesetzt werden.Ihr seht, auch beim Thema Nitrat behält Paracelsus recht:

Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift – allein die Dosis macht, dass ein Ding‘ kein Gift ist.

Kurz gesagt – „Nur die Dosis macht das Gift“ („Sola dosis facit venenum“).

Auch Blog Agrar hat sich mit dem Thema ausführlich beschäftigt – schaut doch einfach mal rein: Werden wir alle vergiftet

Quellen:

Hüppe, Reiner: Der Stoffwechsel des Nitrat-Ions beim Menschen : Eine Übersicht

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Nitrat in Lebensmitteln