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Kükentöten bleibt weiterhin erlaubt

Das war die Schlagzeile des gestrigen Tages. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster und erlaubt (übergangsweise) weiterhin das Töten von männlichen Eintagsküken. Und die Empörung darüber ist groß.

Der Hintergrund

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach der Geburt getötet. Es handelt sich hierbei um die „Brüder“ der Legehennen. Die weiblichen Küken werden also Legehennen, die männlichen Tiere können jedoch keine Eier legen. Allerdings können diese auch nicht als Masthühner dienen. Denn die spezielle Züchtung der Legehennen führt dazu, dass diese Tiere nicht so viel Fleisch ansetzen. Zudem benötigen sie sehr viel Futter für ihren geringen Fleischansatz. Aus diesen Gründen werden die Tiere direkt nach dem Schlupf getötet.

Fakes und Fakten

Es ist häufig vom „Küken-Schreddern“ die Rede, weil die Tiere früher tatsächlich mittels scharfen, rotierenden Messern gemust wurden. Nur diese Praxis gehört in Deutschland der Vergangenheit an. Die Tiere werden mit CO² zunächst betäubt und dann getötet. Anschließend werden sie zu Tierfutter verarbeitet und z.B. in Zoos und Tierparks abgegeben.

Gerne wird berichtet, dass bei Masthähnchen die weiblichen Tiere getötet werden – das ist falsch! Sowohl bei den Masthähnchen als auch bei Puten, Enten und Gänsen werden beide Geschlechter gemästet, geschlachtet und verwertet.

Küken töten ist böse, Hähne schlachten nicht?! Ist das logisch?

Wie ich oben schon erwähnt habe, ist die Empörung über dieses Urteil groß. Viele schreiben, es gäbe doch gute Alternativen wie z.B. ein Zweinutzungshuhn oder sogenannte Bruderhahninitiativen.

Ich bin da ehrlich gesagt etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite widerspricht es mir durchaus ein Tier, das gerade mal einen Tag (oder letztlich nicht mal) alt ist, zu töten. Auf der anderen Seite kann ich diese Bruderhahninitiativen definitiv auch nicht gut heißen.  Wir haben hier einen ganz klassischen Zielkonflikt. Es ist schon etwas putzig, dass ich überall über die Wörter „Nachhaltigkeit“ und „Ressourcenverschwendung“ stolpere, nur genau das in diesem Zusammenhang gerne einfach mal ausgeblendet wird. Es werden ständig vollkommen utopische Zahlen im Bereich Rind und Schwein in den Raum geworfen (16kg Getreide für 1kg Fleisch usw.), jedoch bei der Aufzucht dieser Tiere, wo das wirklich ein riesiges Problem ist, da wird das einfach mal verschwiegen. Hier ist auf einmal die Futterverwertung vollkommen egal. Für mich ist das unlogisch und ein mit zweierlei Maß messen.

Und sind wir doch mal ehrlich – tot ist tot. Macht es für das Tier einen Unterschied, ob es mit 24 Stunden oder nach 24 Tagen mittels CO² betäubt wird und dann getötet? Nur die in meinen Augen wichtigste Frage ist, erfüllt das Kükentöten den „vernünftigen Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes?

§ 1 Tierschutzgesetz: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

So lautet der Grundsatz unseres Tierschutzgesetzes. Der Gesetzgeber führt jedoch keine Liste mit „vernünftigen Gründen“ im Sinne des Gesetzes. Und hier hat nun die Richterin des Bundesverwaltungsgerichtes eine in meinen Augen interessante Entscheidung getroffen:

Die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien seien zwar allein kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Fortsetzung der Praxis aber noch rechtmäßig. Das heißt, das Bundesverwaltungsgericht hat zwar entschieden, dass das Töten männlicher Eintagsküken tierschutzrechtlich übergangsweise noch zulässig ist. Das Gericht hat das Vorliegen eines „vernünftigen Grundes“ für das Töten der männlichen Küken und damit die Vereinbarkeit mit dem deutschen Tierschutzgesetz bejaht, allerdings nur bis praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei vorliegen. Nur das heißt eben auch, dass wirtschaftliche Gründe allein nicht den ethisch begründeten Schutz der Tiere überwiegen. Wirtschaftliche Aspekte allein stellen also keinen „vernünftigen Grund“ dar. Ich bin gespannt, wie die Kollegen diese Entscheidung im Bereich Kleintier- und Pferdepraxis in der Zukunft bedenken bzw. umsetzen.

Gibt es Lösungen für die Zukunft?

Seit Langem wird an Alternativen geforscht. Durch unterschiedliche Verfahren soll das Geschlecht der Küken schon im Ei ermittelt werden. Dadurch können die männlichen Eier aussortiert werden, bevor sie ausgebrütet und geschlüpft sind. Nur diese Verfahren benötigen noch Zeit, denn diese Technik muss auch flächendeckend für alle Brütereien zur Verfügung stehen. Zudem wird noch ein der Geschwindigkeit und an der Genauigkeit gearbeitet.

Letztlich gibt dieses Urteil der Wissenschaft Zeit, die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei erfolgreich zum Abschluss zu bringen – und das halte ich für richtig und wichtig! Deswegen verstehe ich auch die Empörung nicht, die dieses Urteil nun ausgelöst hat.

Mich interessiert Eure Meinung – wie steht Ihr zu diesem Thema, zu diesem Urteil? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

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Berlin zur Internationalen Grünen Woche – das Spiel guter Bauer vs. böser Bauer

…und jeder möchte natürlich zu den „Guten“ gehören…

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit – die Internationale Grüne Woche 2019 öffnete in Berlin ihre Pforten, und das Gerangel um eine „gute“ Landwirtschaft ging in die nächste Runde.

Am Freitag trafen wir uns vor dem Brandenburger Tor. Wir waren dort mit zwei Schleppern mit Überladewagen und angehängter Pflanzenschutzspritze. Mit vielen Landwirten haben wir dargestellt, dass in Deutschland ein Landwirt mittlerweile 145 Menschen ernährt. Ich durfte eine Rede dazu halten, was mir eine große Ehre war. Neben vielen Fakten zu unserer hiesigen Landwirtschaft und der Versorgung mit Lebensmitteln, habe ich ein bisschen etwas über uns und unseren Betrieb erzählt:

Sie fragen sich, wer ist denn dieser Landwirt, der uns ernährt? Oder ist es die sogenannte
„Agrarindustrie“?

Nein, es sind Landwirtsfamilien – ungefähr 270.000 deutschlandweit. Es sind
Landwirtsfamilien wie meine Familie.

Ich komme aus Niedersachsen. Ich bin Tierärztin, mein Mann ist Landwirt. Zusammen
bewirtschaften wir in 4. Generation ein landwirtschaftliches Familienunternehmen. Wir
halten Sauen und beschäftigen 8 Mitarbeiter und drei Aushilfen. Und wir sind ein
Ausbildungsbetrieb.

Wir sind mit Herzblut Schweinehalter. Ackerbau liegt uns nicht. Deswegen arbeiten wir mit
anderen Betrieben in einer Kooperation, die sich auf den Anbau von Getreide spezialisiert
haben. Wir finden, dass wir so eine gute Lösung für uns gefunden haben, da wir uns
ausschließlich um unsere Tiere kümmern können.

Viele Menschen würden uns jedoch als „Massentierhalter“ beschimpfen. Wir sprechen da
ganz offen drüber – jedes Ferkel, das bei uns geboren wird, wird später ein Lebensmittel. Und
dennoch ist für uns jedes unserer Schweine ein Tier, was uns wichtig ist und um das wir uns
kümmern. Und auch wenn wir von Produktion sprechen, ist keines unserer Tiere für uns ein
Produkt, sondern ein Lebewesen, was wir achten.

Wir haben drei kleine Kinder. Der Kleine ist jetzt drei Jahre, unsere Mittlere 4 und der Große 6
Jahre alt.

Unsere drei Kinder gehen gerne mit uns in den Stall. Sie füttern die Tiere, kuscheln mit ihnen,
reiben die kleinen Ferkel nach der Geburt trocken und setzen sie zur Sau. Mir als Mutter geht
das Herz auf, wenn ich sehe, wie unsere Kinder mit unseren Tieren umgehen, wie sie ganz
natürlich mit ihnen aufwachsen – sie den Respekt vor ihnen lernen aber überhaupt keine
Angst haben.

Nur ich habe Angst. Ich habe Angst davor, dass unsere Kinder aufgrund unseres Betriebes
ausgegrenzt werden. Ich habe Angst davor, dass sie beschimpft werden, dass ihnen gesagt
wird, ihre Eltern seien „Umweltverschmutzer“, „Tierquäler“, „Massenmörder“ oder
„stinkende und schmutzige Menschen“.

Wir können das verhindern.

Lassen Sie uns reden – und zwar miteinander und nicht übereinander. Lassen Sie uns
aufeinander zugehen und uns kennenlernen.

Denn nur wenn wir miteinander reden, können wir lernen, die Sorgen und Ängste des
anderen zu verstehen. Deswegen – Dialog statt Protest!

Nach der Aktion kritisierte ein anwesender Landwirt meine Ansprache – wir seien ja bei unserer Größe kein „Familienbetrieb“ mehr. Etwas geknickt über eine solche Aussage von einem Landwirt bin ich irgendwie schon, muss ich gestehen. So habe ich mich jetzt in den letzten Tagen damit beschäftigt, was ist denn eigentlich ein sogenannter „Familienbetrieb“? Da muss es doch eine Definition geben.

Was ist ein „Familienbetrieb“

Also, ab mit dieser Frage in die Google-Suchmaschine – und schnell werde ich fündig: unter anderem bei Billomat:

Bei einem Familienbetrieb beherrschen Familienmitglieder eine Firma. Das bezieht sich auf die Eigentumsstruktur und die Leitung.

oder auch bei Onpulson ist Folgendes zu lesen:

Ein Familienbetrieb, auch als Familienunternehmen bezeichnet, ist ein zumeist kleines oder mittelständisches Unternehmen in Familienbesitz. Die Arbeitskraft von Familienmitgliedern spielt hier eine wichtige Rolle, da der Betrieb häufig innerhalb der Familie vererbt wird.

Familienunternehmen sind durch die Einheit von Eigentum und Leitung geprägt, zugleich liegt die Haftung bzw. das Risiko zumeist bei der Familie des Unternehmers.

Wir haben zwar Mitarbeiter, nur ich frage mich, ob das eine Begründung ist zu sagen, dass wir kein Familienbetrieb seien? Denn dann wäre jeder Handwerksbetrieb kein Familienbetrieb mehr. Ich finde diese Diskussion innerhalb der Landwirtschaft mehr als überflüssig und hoffe, dass dieses mit den oben genannten Definitionen nun endgültig geklärt ist.

Die Satthaber

Am Samstag war dann wieder Karneval in Berlin. In bunten Kostümen, auf Töpfen schlagend lief das besorgte Bildungsbürgertum durch die Stadt. Man hat es anscheinend satt, dass in Deutschland niemand mehr hungern muss. Dazu zum Beispiel die Welthungerhilfe via Twitter:

Es hat schon ein bisschen etwas Satirisches, wenn die Welthungerhilfe twittert, dass sie es satt haben. Letztlich stehen sie dort in einem der reichsten Länder weltweit auf der Straße, das zudem das sicherste Lebensmittelangebot überhaupt hat und demonstrieren für das Recht auf gute Lebensmittel? Ohne Worte.

Und vorab durften wir uns von Tierschutzbundchef Schröder darüber informieren lassen, dass diese Veranstaltung nicht bauernfeindlich sei – er sagt dazu in der TAZ:

Das ist keine Anti-Bauern-Demo, sondern eine bauernfreundliche Veranstaltung. Der Teilnehmerkreis geht quer durch die Gesellschaft. Da sind Tierschützer, Umweltschützer und Bauern und Verbraucher dabei. Der Deutsche Bauernverband sollte endlich verstehen, dass es diesen Gruppen bei „Wir haben es satt“ auch darum geht, die Zukunft des landwirtschaftlichen Raumes und damit des Berufsbildes zu sichern.

Lieber Herr Schröder, WIR fühlen uns diffamiert – wir Landwirtsfamilien.

Wir, die einen landwirtschaftlichen Familienbetriebe führen, empfinden diese Veranstaltung als Anti-Bauern-Demo. Und es mag ja sein, dass die dort Mitlaufenden der Meinung sind, dass wir zu blöd seien, um zu verstehen, dass das offensichtlich alles gar nicht so gemeint ist – nur vielleicht sollten die Menschen, die bei dieser Demo mitlaufen erst einmal verstehen, dass UNS, uns Landwirtsfamilien, diese Art der Demo bis ins Mark trifft und zu tiefst verletzt! Vielleicht sollte auch ein Herr Schröder mal mit uns reden anstatt über uns, um zu verstehen, warum wir uns von dieser Demo angegriffen fühlen.

Wir haben die Agrarindustrie satt – es lebe die Doppelmoral…

Mit großen Schleppern rollt der Protest durch Berlins Straßen – sie haben die „Agrarindustrie“ satt. Das finde ich schon immer etwas surreal – auf der einen Seite regen sie sich über die „Agrarindustrie“ auf, und dann fahren sie mit solchen Maschinen durch Berlin – konsequenterweise wäre Pferd/Ochse und Wagen da doch angebrachter. Nur dann würde sicherlich der angereiste Tierrechtler-Block auf die Barrikaden gehen. Hm, und was spricht gegen einen alten Lanz Bulldog? Ach ja, der bekäme vermutlich keine Feinstaubplakette – tja, dann muss halt die Doppelmoral herhalten. Auf Twitter habe ich dann übrigens erfahren, dass es hier kein Widerspruch vorhanden ist:

Naja. WIR haben Agrarindustrie aber auch nie über den Besitz v Schleppern definiert …

Aber wie gesagt: in meinen Augen hat der Besitz eines Schleppers nix m Agrarindustrie zu tun.

Da habe ich wieder etwas gelernt – man lernt ja nie aus.

…und die Widersprüche.

Und dann sind da noch weitere so offensichtliche Widersprüche in den Forderungen. Auf der Homepage von Wir-haben-es-satt ist zu lesen:

Wir sind die breite Bewegung für die Agrarwende, für den Umbau der Landwirtschaft, für Klimagerechtigkeit, für artgerechte Tierhaltung, für gerechten Handel, für viele Bauernhöfe, für gute Landwirtschaft und gutes Essen für alle.

Dazu war folgendes Transparent auf der Straße zu sehen:

 

Diese Forderung ist ja soweit okay, allerdings müsste mir das Bündnis einmal erklären, wie das mit der Forderung nach mehr „Klimagerechtigkeit“ zusammen geht? Und was ist eine „artgerechte“ Tierhaltung – gibt es außerhalb der Natur Artgerechtigkeit?

Fazit: the same procedure as last/every year 

Allgemein, Bauern, Ernährung, Kuhmilch, Landwirtschaft, Markt, regional, Schweinehaltung

Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.

 

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Hilfe – Kontamination im Gemüseregal

Wenn im Gemüseregal die Bio-Gurke mit der konventionellen Gurke kuschelt, sollte sie sich (ver-)hüten – Verpackungen schützen!

Bei Twitter kam gestern die Frage auf, warum gerade Bioprodukte in einer Schutzfolie verpackt sind. Die Antwort von REWE Supermarkt toppt dabei alles:

Dazu vielleicht einfach nur mal zwei kleine Definitionen:

Was heißt Kontamination?

Eine „Kontamination“ ist eine Verunreinigung. Kontaminierte Lebensmittel sind Produkte, die unerwünschte (die menschliche Gesundheit gefährdende) Keime tragen.

Was ist dann eine Kreuzkontamiation?

Unter einer „Kreuzkontamination“ versteht man eine direkte oder indirekte Übertragung von Keimen von einem verunreinigten auf ein sauberes Lebensmittel.

In Bezug auf Lebensmittelhygiene und Lebensmittelsicherheit wird darunter eine versehentliche Übertragung unerwünschter Mikroorganismen verstanden.

Wir halten also fest, dass REWE Supermarkt der Meinung ist, dass konventionelle Produkte verunreinigte Keime sind, die die menschliche Gesundheit gefährden, und deswegen die sauberen Biolebensmittel mittels einer Verpackung vor diesem Dreck zu schützen sind.

Ich meine, jetzt mal ehrlich, es könnte eine Genkontamination stattfinden. Das wäre ja furchtbar. Und niemand kann dabei abschätzen, wie schwer die gesundheitlichen Folgen später sind. Deswegen Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste 👆🏻

Okay, Spaß beiseite: die Anbauart ist natürlich weder eine Keimart noch gibt es hier irgendwelche Kreuzkontaminationen. Unsere Lebensmittel sind sicher. Das ist einfach nur ein schlechter Versuch, Verpackungsmüll von Biolebensmitteln auf Kosten der konventionellen Produktion schön zureden. Mich ärgert so ein Quatsch maßlos, denn die Biobranche und auch der Lebensmitteleinzelhandel sind offensichtlich nicht in der Lage, die Bioprodukte durch positives Marketing an die Verbraucher zu bekommen. Es scheint nur durch Bashing der Produkte der konventionell wirtschaftenden Kollegen zu gehen – und das ist nicht nur traurig, sondern echt armselig.

Hey REWE,

vielen Dank, ich denke, der Postillon hätte es nicht besser formulieren können.

Und Euch allen sei geraten – bitte vergesst beim nächsten Einkauf Euren Aluhut nicht, vor allem wenn Ihr zum REWE Markt Eures Vertrauens geht. 🤦🏼‍♀️

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Der landwirtschaftliche Betrieb als NGO – die Zukunft?

Heute morgen habe ich beim Frühstück unseren Sonntags-Tipp gelesen. Dazu gibt es immer einen ganzen Stapel Werbe-Prospekte, die Heini und ich zu gerne „studieren“. Da fiel uns beim Netto Werbeblatt doch etwas ins Auge: Netto wirbt auf der ersten Seite damit, dass sie Verantwortung übernehmen. Neben „Bio Bio“ und „Utz Certified“ hat Netto noch „ein Herz für Erzeuger“.

Spendensumme für Landwirte

Und auf Seite 10 und 11 konnten wir uns davon überzeugen. 10 Cent garantieren sie mehr bei Produkten wie 1 Liter Milch, 10 Eiern, Kochschinken, 4kg Speisekartoffeln und Emmentaler. Und es gibt etwas zu feiern – seit 10 Jahren zahlt Netto schon einen „fairen Preis“ für Erzeuger. Und dann steht auf der Seite etwas, was uns nachdenklich macht:

Spendensumme von über 26.000.000 €

in 10 Jahren, mit denen Landwirte unterstützt werden. 🤔

Fragen über Fragen

Sind wir Landwirte jetzt ein soziales Projekt? Nach welchen Kriterien werden diese Spenden wohl verteilt? Wie werden die Betriebe ausgewählt, die Spenden erhalten? Müssen diese Betriebe gemeinnützig sein? Kann Netto diese Spenden wohl steuerlich geltend machen? Und die viel entscheidendere Frage:

Wieso zahlt Netto nicht einfach gleich einen angemessenen Preis?

Vielleicht stimmt das Klischee vom „dummen Landwirt“ ja doch, weil wir immer noch glauben, wir können mit der Erzeugung von Lebensmitteln Geld verdienen. So langsam stellen wir uns die Frage, ob wir nicht umdenken müssen. Offensichtlich ist es lukrativer, um Spenden zu betteln. Diverse NGOs wie Greenpeace, PETA und WWF machen es uns doch vor.

Ist das Business Modell „NGO“ der Lebensmittelproduktion wirtschaftlich überlegen? 🤔

Allgemein, Ernährung, Landwirtschaft

Die Dosis macht das Gift – drei Fakten zu Nitrat

1. Nahezu alle natürlichen Lebensmittel einschließlich Trinkwasser enthalten Nitrat.

2. Nitrat gehört zu den wichtigsten chemischen Verbindungen – ohne Nitrat gäbe es kein Pflanzenwachstum.

3. Nitrat selber ist relativ ungiftig.

Wie oben schon geschrieben, auch im Bereich Nitrat macht die Dosis das Gift – aber was passiert eigentlich mit dem aufgenommenen Nitrat in unserem Körper?

Nitrate aus Gemüsesaft oder Wasser werden eigentlich nicht aufgenommen, sondern nahezu zu 100% wieder ausgeschieden. Nitrate aus fester Nahrung werden ebenfalls zu 80% wieder ausgeschieden. Die anderen 20% werden im Dickdarm aufgeschlüsselt. Sie gelangen über den Blutkreislauf in den Körper. Die Ausscheidung erfolgt über den Urin. Nach etwa 12 Stunden ist bereits die Hälfte des aufgenommenen Nitrats (aus dem Blutspiegel) wieder ausgeschieden.

Hm, bleibt die Frage – warum kann Nitrat dennoch Probleme verursachen?

Hier spielen unsere Nahrung und unser Speichel eine große Rolle:Nitrat wird in der Mundspeicheldrüse konzentriert und dann über den Speichel ausgeschieden. Und da liegt nun der Hase im Pfeffer. Denn hier gibt es eine Korrelation zum Nitratgehalt im Blut, d.h. hohe Nitratmengen in der Nahrung (gehen ins Blus s.o.) steigern die Nitratsekretion im Speichel überproportional. Unser Stoffwechsel ist schon manchmal komisch. Und dieses steigert letztlich auch die Nitritbildung – je mehr Nitrat vorhanden ist, desto mehr wird in Nitrit umgewandelt.

Und Nitrit ist das eigentliche Übel. Denn dieses wiederum ist toxisch. Also schauen wir uns doch weiter an, wie das Nitrit im Körper wirkt:

Es wird mit dem Speichel zunächst abgeschluckt und gelangt so in den Magen. Hier hat es nun drei Möglichkeiten:1. Es wird direkt im Magen resorbiert.2. Es gelangt in den Dünndarm und wird resorbiert (so wie das Nitrat)3. es verbindet sich mit sekundären Aminen zu Nitrosaminen. Diese sind krebserregend. Aber was passiert mit dem Nitrit weiter?Das vom Magen und Dünndarm aufgenommene Nitrit gelangt ins Blut und reagiert dort mit dem roten Blutfarbstoff. Das Blut wird dunkel und kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Es entsteht eine sogenannte „Zyanose“ – diese ist v.a. für Säuglinge eine große Gefahr. Ein Erwachsener kann diesen Zustand (es entsteht hier Methämoglobin) wieder rückreduzieren, d.h. das Nitrit wird wieder zu Nitrat umgewandelt. Und so schließt sich der Kreis.Also, es bleibt festzuhalten, dass Nitrat per se keine Gefahr darstellt. Nur die Aufnahme von großen Mengen an Nitrat über die Nahrung, kann zu einem gesundheitlichen Problem führen.

Nun wäre es natürlich noch interessant zu wissen, in welchen Lebensmitteln besonders viel Nitrat enthalten ist.

Frischgemüse, Trinkwasser, Getreide und Obst sind die Quellen von Nitrat. Verschiedene Gemüsesorten wie z.B. Kopfsalat, Spinat, Rote Bete, Radieschen und Rettich reichern je nach Jahreszeit und Anbaugebiet auffallend hohe Gehalte an Nitrat an. Besonders Rucola und z.T. auch Feldsalat speichern im Wachstum mehr Nitrat als andere Salatarten und weisen deshalb zum Erntezeitpunkt in der Regel höhere Nitratwerte auf.Aber auch bestimmten Fleisch-, Käse- und Fischprodukten darf Natriumnitrat- und Kaliumnitrat-Nitritpökelsalz als Konservierungsstoff zugesetzt werden.Ihr seht, auch beim Thema Nitrat behält Paracelsus recht:

Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift – allein die Dosis macht, dass ein Ding‘ kein Gift ist.

Kurz gesagt – „Nur die Dosis macht das Gift“ („Sola dosis facit venenum“).

Auch Blog Agrar hat sich mit dem Thema ausführlich beschäftigt – schaut doch einfach mal rein: Werden wir alle vergiftet

Quellen:

Hüppe, Reiner: Der Stoffwechsel des Nitrat-Ions beim Menschen : Eine Übersicht

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Nitrat in Lebensmitteln