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Grüne Kreuze

Überall in Deutschland findet Ihr derzeit grüne Kreuze in den Feldern. Ihr fragt Euch – Was sollen diese bedeuten? Hier ein paar Antworten:

Am 4. September 2019 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) ein sogenanntes „Agrarpaket“ verabschiedet.

Worum geht es im Agrarpaket?

Es ist ein Deal, man könnte auch sagen fauler Kompromiss, zwischen BMEL und BMU: Frau Klöckner bekommt ihr Tierwohllabel, dafür wird im Sinne von Frau Schulze Glyphosat verboten und alle weiteren chemischen (!) Pflanzenschutzmaßnahmen streng reglementiert. Zudem sollen die Agrarsubventionen umgeschichtet werden.

Während Frau Schulze sich ja im Bereich Pflanzenschutz durchsetzen konnte, führt die SPD Fraktion Frau Klöckner direkt nach dem Kabinettsbeschluss am Nasenring durch die Manege. Das Tierwohllabel soll nach Ansicht der Bundeslandwirtschaftsministerin freiwillig sein, jedoch würde die SPD nur einem verpflichtenden Kennzeichnung zustimmen. Ob irgendjemand merkt, dass sie von zwei vollkommen unterschiedlichen Dingen sprechen?! Es ist eine absolute Farce! Und die leidtragenden sind die Landwirte.

Welche Kritik gibt es seitens der Landwirtschaft am geplanten Agrarpaket?

Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich gemacht wird. Die Maßnahmen greifen massiv in die Eigentumswerte von uns Landwirten ein. Einzelne Flächen werden wertlos und können nicht mehr der für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden.

Die Folge: Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert, ohne Rücksicht darauf, wie sie dort erzeugt wurden. Das kann nicht im Sinne des Verbrauchers sein.

Die zahlreichen Verbote führen dazu, dass die Erträge sinken. Die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit regionalen Produkten ist gefährdet. Auch das widerspricht dem Wunsch des Verbrauchers. Zunehmend versuchen traditionelle Landwirte, dieser Entwicklung durch Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu begegnen. Dies führt durch ein zunehmendes Überangebot auch in diesem Markt zu einem gewaltigen Preisdruck.

Warum grüne Kreuze?

Wir sind eine Gruppe von unabhängigen, engagierten Landwirten. Wir möchten mit dem Aufstellen der grünen Kreuze auf das jetzt massiv einsetzende Höfe-Sterben (vor allem kleine und mittlere bäuerliche Familienbetriebe) aufmerksam machen.

Bild: Rene Rempt

Wir stellen keine Forderungen. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden.

Noch ist Zeit zu handeln, weil die Beschlüsse noch den Bundestag passieren müssen. Sprecht Euren regionalen Abgeordneten an. Teilt gerne diesen Beitrag. Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Trotz einiger Kritik aus eigenen Reihen nimmt die Aktion #grüneKreuze langsam Fahrt auf.

Die grünen Kreuze sind im Bundestag angekommen

Gestern haben wir eine Pressemitteilung zu den grünen Kreuzen herausgegeben. Wir hoffen, dass einige Journalisten den Ball aufnehmen, um mit uns zu sprechen, um unsere Sorgen und Nöte zum #Agrarpaket aufzunehmen und zu veröffentlichen.

In Berlin ist die Aktion auf jeden Fall schon angekommen: gestern erwähnten sowohl Gero Hocker als auch Gitta Connemann unsere Aktion in ihren Redebeiträgen im Bundestag.

Deshalb noch einmal die Bitte an alle Landwirte, die hier dabei sind: beteiligt Euch gerne. Es ist schnell gemacht: zwei Dachlatten, ein paar Schrauben und ein bisschen grüne Farbe.

 

Anbei noch die Presseinformation, die wir gestern verschickt haben:

Weiterführende Links:
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Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Eine Schlagzeile geht durch die Medien:

Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Wir haben diese Jahr einen Sommer, so einen richtigen Sommer – viel Sonne, warm, keinen Regen. Was viele Urlauber, die nicht in den Süden geflogen sind, freut, ist für viele Bauern eine Katastrophe. Sie sprechen nicht mehr vom „Sommer“, sondern nur noch von der großen „Dürre“. Denn auf den Feldern fehlt der Regen. Vielerorts ist die Ernte vertrocknet. Und auch die Feldfrüchte, die noch nicht geerntet sind leiden – der Mais sieht an manchen stellen aus wie eine Agavenplantage, auf den Kartoffeläckern vertrocknet das Kraut und die Zuckerrüben haben sich abgelegt und schlafen wie Dornröschen. Selbst für mich als Außenstehende ist das ein sehr beklemmendes Gefühl.

Bauernverband fordert staatliche Milliardenhilfe

Aufgrund der Dürre rechnet der Bauernverband im Bundesschnitt mit etwa 20% Ernteeinbußen, in extrem betroffenen Gebieten allerdings mit über 50% Ertragseinbußen. Das ist furchtbar, keine Frage. Nur stelle ich mir die Frage, müssen jetzt staatliche Mittel her? Die SPD sagt „Nein“, denn:

Moderne Landwirtschaft begreift sich als Unternehmer.

So sehe ich das grundsätzlich eigentlich auch. In der Tierhaltung sind wir solche extremen Schwankungen „gewohnt“. Nach einem wirklich gutem Jahr 2017, ist dieses Jahr in unserer Branche eine Katastrophe. Ähnliches mussten die Milchviehhalter in den letzten Jahren erfahren, wo staatliche Hilfen und Eingriffe vom Verband auch bis zuletzt abgelehnt wurden. Nur, was wir in der Schweinehaltung erleben, sind die ganz normalen Marktschwankungen – hier dreht es sich jedoch um das Wetter. Es handelt sich hierbei um eine höhere Gewalt. Ich bin hin- und hergerissen. Zudem stelle ich mir auch die Frage, wie hier eine Verteilung aussieht. Es wird vermutlich viele Nutznießer geben – wie viel bekommt letztendlich wirklich der Landwirt? Die Flächen/Ernteerträge müssen geschätzt/dokumentiert werden, es muss zusammengeschrieben werden, bewertet werden usw. Da freuen sich doch Landwirtschaftskammer und Beratungsunternehmen.

Steuerfreie Rücklagen

Etwas anders sehe ich die zweite Forderung des Bauernverbandes. Dadurch, dass unsere Wirtschaftsjahre doch erheblich unterschiedlich ausfallen, halte ich eine steuerfreie Risikorücklage für eine super Sache. Was bedeutet das konkret? In einem guten Jahr muss natürlich auch der Landwirt seinen Betriebsgewinn versteuern. Dieses passiert jedoch erst im darauffolgenden Jahr. Zudem wird für das Jahr dann eine Vorauszahlung festgelegt, die aufgrund des guten Jahres bemessen wird. Das heißt konkret, dass der Betrieb in dem Jahr zunächst „doppelt“ Steuern zahlt (und hier meine ich mit doppelt im Sinne von „doppelt gemoppelt“, sondern die finanzielle Belastung). Wenn jedoch das Jahr schwach ist, kann das zu einer riesigen finanziellen Belastung des Betriebes werden. Denn, auch wenn nach Abschluss des Jahres eine Rückführung durch das Finanzamt stattfindet, fehlt das Geld schon vorher, d.h. die Liquidität des Betriebes leidet. Das kann existenzbedrohend für einen Betrieb sein. Das hört sich vielleicht jetzt ganz theoretisch an, jedoch befinden sich viele Schweinehalter gerade in einem solchen Jahr. 2017 war ein gutes Schweinejahr. Dieses Jahr entwickelt sich immer mehr zu einer Katastrophe. Die Betriebe haben den Gewinn des letzten Jahres komplett versteuert und machen nun muntere Vorauszahlungen, obwohl das Geld knapp ist. Hätten die Betriebe nun die Möglichkeit „Risikoausgleichsrücklage“ gehabt, bliebe ihnen einfach mehr Luft zum Atmen im Bereich ihrer liquiden Mittel.

Wie soll/kann es gehen?

Mich interessiert Eure Meinung: wie seht Ihr die Milliardenhilfe? Was haltet Ihr von steuerfreien Rücklagen? Stimmt gerne mit ab oder schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare.