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Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

Bildquelle: pigbusiness.nl

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Diese Aktivisten haben ohne mit der Wimper zu zucken den gesamten Betrieb, alle Tiere des Bestandes, in Gefahr gebracht – und das scheint ihnen für ihre mediale Aufmerksamkeit auch vollkommen egal zu sein. Es waren Aktivisten aus Holland, Belgien und Deutschland vor Ort. Aufgrund der Gefahr der Einschleppung einer Tierseuche (in Belgien gibt es zur Zeit etliche Fälle von afrikanischer Schweinepest) steht es im Raum, dass die niederländischen Behörden vorsorglich den gesamten Schweinebestand dieses Betriebes töten lassen.

Sehr geehrte Tierrechtler, das habt Ihr dann zu verantworten!

Ich finde es beschämend, dass diese Menschen sich überhaupt keine Gedanken über uns und unsere Tiere machen. Es geht ihnen nur um ihr eigenes kleines Ego – um die Aktion, um die mediale Aufmerksamkeit. Niemand von diesen Aktivisten denkt an die Tiere, an die Menschen, an die Familien hinter den Betrieben.

Liebe Kollegen – lasst uns zusammenhalten!

Richtig klasse fand/finde ich die Solidarität in den Niederlanden unter den Landwirten. Innerhalb kürzester Zeit sind viele Kollegen zum Betrieb gefahren, um sich solidarisch zu zeigen. Sie haben die Familie super unterstützt. Auch im Netz war der Zusammenhalt enorm – einfach richtig klasse!

Meine Gedanken sind, wie auch die vieler unserer Berufskollegen, bei der Familie des Betriebes. Diese wurden am Verlassen des Stalles gehindert und so quasi in Geiselhaft genommen. Es tut mir unendlich leid, was Ihr am Montag für ein Leid ertragen musstet. Wir stehen hinter Euch und werden Euch unterstützen, wo wir können. Wir hoffen inständig, dass Eure Tiere nicht getötet werden müssen. Falls es doch sein muss, werden wir ein Spendenkonto einrichten, damit Ihr möglichst schnell wieder Euren Betrieb aufbauen könnt.

Lasst uns zusammenstehen, auch grenzübergreifend!

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Der böse, böse Bauernverband

…oder wie ein Bauernverbandspräsident für jegliche Kritik herhalten muss…

Letzte Woche ein Bericht über Agrarfunktionäre, diese Woche ein Zitat herausgerissen aus einem Zeit Interview – Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, hat momentan keinen leichten Stand. Ein paar Gedanken zu den aktuellen Ereignissen:

Die Story – „Gekaufte Agrarpolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“

So lautete der Titel der „Die Story“ am 29. April im Ersten. Es ging darum, dass Verbandsvertreter (Funktionäre) gleichzeitig in der Politik tätig sind und in verschiedensten Gremien sitzen. Hintergrund ist eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen im Auftrag des Nabu. Der Nabu schreibt dazu auf seiner Homepage:

Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert (…)

NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen (…)

Die Macht der Agrarlobby muss endlich stärker beschränkt werden.

Damit sollte eigentlich dem letzten klar sein, worum es wirklich geht – dem ist nur leider nicht so. Im Netz geht’s heiß her – neben vielen anderen Menschen, echauffieren sich auch sehr viele Landwirte. Was offensichtlich vielen nicht klar ist – Joachim Rukwied repräsentiert in den Gremien, in denen er vertreten ist, in der Regel die Interessen des Deutschen Bauernverbandes. Er ist dort Kraft seines Amtes als Präsident des deutschen Bauernverbandes, nicht als Person Joachim Rukwied.

Das mag einigen nicht gefallen – ändert jedoch nichts an der Tatsache. Wenn es den Mitgliedern des Bauernverbandes nicht gefällt, ist das allerdings schlecht. Nur dann sind letztlich auch die Mitglieder gefordert – nur von den Kritikern möchten die meisten doch einfach nur „vertreten“ werden – dann allerdings hinterher meckern, dass es nicht in ihrem Sinne war – das ist zu einfach. Mitgestalten heißt das Zauberwort.

Und dann muss auch die Frage erlaubt sein – wer will diese Aufgaben annehmen und von wem fühlen sich diese Landwirte besser vertreten? Wer fühlt sich in der Lage, diese Ämter auszuüben?

Das Zeit Interview und „Unser Land“

„Die letzten ihrer Art“ titelt diese Woche die ZEIT. Es geht um den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Auf der einen Seite schließen rund 5000 bäuerliche Betriebe pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %). Auf der anderen Seite steigt die Tendenz zu größeren Höfen weiter an. Auch Joachim Rukwied hat der ZEIT ein Interview zu diesem Thema gegeben. Auf die Frage, wie er den Trend, dass immer mehr Höfe schließen, stoppen möchte, antwortet er der ZEIT:

Jeder Hof, der aufgibt, bedeutet einen Verlust an Agrikultur. Aber wir halten das Tempo des Strukturwandels von 1,2-1,5 Prozent Verlusten pro Jahr für akzeptabel. Auch weil dann diejenigen, die sich entscheiden, in einen Betrieb einzusteigen, eine bessere Perspektive haben.

Diese Antwort aus dem Zusammenhang gerissen, konnten wir dann bei „Unser Land“ bestaunen – und die Welle der Empörung schlägt natürlich hoch. Der Post von „Unser Land“ ist reine Provokation, mit diesem Foto und diesem herausgerissenen Zitat Stimmung zu schüren. Und diese Provokation geht ganz genau auf, wie man an den Reaktionen im Netz in den sozialen Medien sehen kann.

Quelle: Facebook Seite Unser Land

„Akzeptabel“ – „verträglich“, egal, welches Wort Joachim Rukwied verwendet hat, ist im Kontext mit einem so emotionalem Thema einfach äußerst unglücklich gewählt. Nur wie sehen die „nackten Fakten“ aus?

Strukturwandel – was ist normal?

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Die Zahl der Handwerksbäckereien sank von 19.813 im Jahr 2010 auf 11.347 Betriebe in 2017 – das ist eine Abnahme von 42% in sieben Jahren (Quelle: handelsdaten.de ). Im Fleischerhandwerk sieht es nicht anders aus. Bundesweit ging die Zahl der Lebensmittel-Handwerksbetriebe bis 2016 bereits auf 70 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück.

Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, empfinde ich Rukwieds Aussage nicht für unredlich – dann ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben noch „akzeptabel“.

Kann Strukturwandel überhaupt „normal“ sein?

In Deutschland gehen täglich 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion – das sind täglich zwei Betriebe. Strukturwandel hat es immer gegeben, und wird es auch immer geben. Und in einem gewissen Rahmen ist dies auch durchaus zu vertreten – nichts anderes sagt Joachim Rukwied. Und wenn Betriebe aufgeben, wachsen andere, das liegt in der Natur der Sache. Und weder der Deutsche Bauernverband noch Joachim Rukwied in Person können entgegen den wirtschaftlichen Tendenzen, den Strukturwandel aufhalten. Ziel kann es nur sein, diese Entwicklung möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Gründe für den Strukturwandel

Auch die Gründe für den Strukturwandel werden immer gerne dem Bauernverband zugeschustert, propagiere dieser ja schon eh und je das „Wachsen oder Weichen“ Prinzip.  „Wachsen oder weichen“, das ist – man mag es beklagen – eine ökonomische Gesetzmäßigkeit. Die hat sich niemand ausgedacht – kein böser Kapitalist, kein Bauernpräsident. Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Nur warum hören Betriebe auf?

Es geben sicher Betriebe auf, weil sie zu klein und/oder unrentabel sind. Wer einen unrentablen Betrieb zu lange weiter bewirtschaftet, zerstört letztlich Kapital und damit seine Lebensgrundlage. Von den Betrieben, die aussteigen, steigen jedoch die wenigsten aus, weil sie insolvent sind.

Die meisten Betriebe werden aufgegeben, weil keine Nachfolge vorhanden ist. Häufig ist keiner in der Familie zu finden, der eigenverantwortlich den Betrieb weiterführt. Die Gründe dafür sind vielfältig: keine Kinder (kein Nachfolger), fehlendes Interesse, fehlende Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven, um nur einige zu nennen.

Früher war alles besser?

Ich kann es niemanden verdenken, einen anderen Weg als den des Hofnachfolgers einzuschlagen. Die Auswahl seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist heute sehr vielfältig. Es sollte jedem selbst überlassen bleiben, diese Entscheidung für sich und sein Leben zu treffen. Im Netz habe ich dazu folgenden Satz gelesen:

Es ist eine der größten Errungenschaften, dass heute niemand mehr Bauer werden muss. Früher haben sich viele ihr Leben lang durch den Beruf gequält, weil man der älteste Sohn war und nichts anderes machen durfte. Heute kann jeder machen, was er will. Es kann auch weiterhin jeder Bäuerin oder Bauer werden. Möglichkeiten gibt es genug. Man muss aber auch nicht.

Auch wir haben drei Kinder und einen Betrieb. Wir haben in den letzten Jahren unseren Betrieb stetig verändert und auch erweitert. Wir tun das nicht für unsere Kinder, sondern für uns, weil uns unsere Arbeit Spaß macht, weil wir lieben, was wir tun. Wir werden es unseren Kindern freistellen – wenn sie (oder einer oder zwei oder alle drei) den Betrieb weiterführen möchten, freuen wir uns sicher darüber, nur wenn nicht, ist das auch okay – wir mögen niemanden zwingen. Wir arbeiten mit Tieren – das muss man wollen und lieben, sonst macht man das nicht gut. Diese Verantwortung haben wir auch gegenüber unseren Tieren.

Zurück zu Joachim Rukwied und dem DBV

Der Bauernverband und Joachim Rukwied bekommen zur Zeit viel Kritik, zum großen Teil auch von Verbandsmitgliedern. Ich für meinen Teil muss ganz ehrlich sagen – ich möchte nicht tauschen. Ich möchte weder diese Verantwortung tragen, noch habe ich ein dickes Fell genug, mir die ständige Kritik aus den eigenen Reihen anzutun.
Nur diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch Kritik üben – ich wünsche mir vom Verband eine bessere Kommunikation nach innen. Ich erwarte, dass es von Verbandsseite eine Stellungnahme zu solchen Reportagen/Artikeln gibt – für uns Mitglieder. Bitte nehmt uns mit, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir verstehen, wie solche Dinge zu Stande kommen, damit wir uns nicht von unserem Verband allein gelassen fühlen.
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Wie unsere Forderungen nach mehr Tierwohl Drittländer stärkt…

Ob Initiative Tierwohl, der Haltungskompass des Lebensmitteleinzelhandels oder die staatliche Tierwohlkennzeichnung des Bundesministeriums – keine Veränderung ist genug. Kaum hat Frau Klöckner die Kriterien für das staatliche Label vorgestellt, hagelt es auch schon Kritik von allen Seiten:

Die Anforderungen sind zu lasch!

Eine Teilnahme darf nicht freiwillig sein, die Landwirte müssen verpflichtet werden!

Wir brauchen eine Agrarwende – jetzt!

Brauchen wir die? Und vor allem – müssen wir die übers Knie brechen? Ja, es geht mal wieder ums liebe Geld. Die Forderungen nach schnellen Veränderungen in der Tierhaltung sind immer sehr interessant – gefordert wird viel in wenig Zeit, spätestens wenn die Frage nach der Finanzierung kommt, ist Stillschweigen im Walde. Nur diese Frage ist neben den baurechtlichen Fragen, die elementarste.

Die deutschen Sauenhalter haben in der jüngsten Vergangenheit 11,-€ Verlust am Ferkel gemacht (Quelle: NOZ) – wo soll denn bitte schön das Geld für große Investitionen herkommen? Und nein, das ist nun keine vorgeschobene Ausrede, um nichts verändern zu wollen – so sieht es leider gerade in den Betrieben aus. Und es sieht nicht gut aus.

Denn was allzu gerne vergessen wird, wir müssen von unseren Betrieben leben, unsere Betriebe ernähren unsere Familien. Und wenn wir unsere Familien nicht mehr von unseren Betrieben ernähren können, dann werden wir nicht in mehr Tierwohl investieren, sondern den Betrieb einstellen. Bei der NOZ heißt es weiter:

Insgesamt nimmt die Zahl der Sauenhalter seit Jahren ab. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden 2018 noch 7800 entsprechende Betriebe gezählt – 50 Prozent weniger als zu Beginn des Jahrzehnts. Vor allem kleine Sauenhaltungen werden aufgegeben.

Zur Freude der Drittländer

Die Konsequenz daraus ist, dass die Tierhaltung abwandert und zwar in Länder, in denen wir überhaupt keinen Einfluss mehr auf die Haltung der Tiere haben. Dem Tierschutz leisten wir damit einen Bärendienst.

Wie das dann aussieht, konnten wir die Tage am Beispiel von Hähnchenbrüsten verfolgen:

Ein ukrainischer Geflügelkonzern darf keine Hühnerbrüste in die EU liefern. Die EU fordert seit Jahren die Einhaltung der EU-Tierschutzrichtlinien, was die Ukraine jedoch gepflegt aussitzt. Und was macht der Konzern? Er greift zu einem Trick: anstatt die schieren Brüste zu liefern, verbleibt ein Knochen an der Brust. Damit ist aus dem besten Stück des Huhns ein minderwertiges Teil geworden, was unbegrenzt in die EU geliefert werden darf. Nun wird innerhalb der EU der Knochen entfernt, die Hühnerbrüste bekommen noch einen Aufkleber „EU-Produkt“ und dürfen fleißig verkauft werden, und zwar sogar als EU-Produkt in Drittländer. „Kannste Dir nicht ausdenken,“ mögen viele von Euch nun denken.

Nur die EU kann das sogar noch toppen: sie sind nämlich hinter den Knochen Trick gekommen. Und anstatt da nun durchzugreifen, Pfeifen sie auf die EU-weiten Tierschutzstandards und erhöhen mal eben die Menge der Hühnerbrustimporte.

(Die ganze Geschichte gibt’s hier: Kurier.at)

Es geht nur mit den Landwirten und Zeit

Wenn wir weiterhin die Landwirtschaft mit dem Wunsch nach mehr Tierwohl überfordern, wandert die Tierhaltung zwangsläufig in andere Länder ab. Auf die Tierschutzstandards in diesen Ländern haben wir keinerlei Einfluss. Uns muss allen klar sein, wenn wir die Tierhaltung exportieren, exportieren wir auch den Tierschutz. Wir brauchen Zeit, um…

  • ein finanzielles Polster für Investitionen aufzubauen
  • die z.T. widersprüchlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen (Baurecht/Umweltauflagen/Tierschutz)
  • bessere Konzepte zu entwickeln, die auch in der Praxis ein Mehr an Tierwohl bringen (ich denke da an die Forderungen nach freien Abferkelungen: Ich sehe gerade bei den Bewegungsbuchten einen ganz großen Zielkonflikt mit dem Tierschutz – wir werten hier die Bewegungsfreiheit der Sauen höher als das Leben der Ferkel. Mit welchem Recht tun wir das?)

Lasst es uns gemeinsam anpacken!

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Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

 

Allgemein, Bauern, Ernährung, Kuhmilch, Landwirtschaft, Markt, regional, Schweinehaltung

Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.