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Hauspreise – ein schönes Wort für Wegelagerei

Liebe Markt“partner“,es reicht! Optimiert endlich Euren Verkauf anstatt ständig mit spitzen Bleistift den Einkauf runterzurechnen! Wenn Ihr qualitativ hochwertige Ware haben wollt, dann müsst Ihr diese auch adäquat bezahlen. Ansonsten braucht Ihr bald nicht mehr in Deutschland nach Schweinen zu suchen, denn es sind keine mehr da!


Wir sind ja nur einfache Sauenhalter, nur vielleicht kann uns mal jemand erklären, wie das gehen kann? Seit Mitte Januar ist bei der zweimal wöchentlich stattfindenden ISN-Auktion ein wesentlich höherer Preis zu erzielen, als es der VEZG-Preis hergibt. Das ist das Zeichen, dass Schweine durchaus gesucht sind. Die einzige logische Konsequenz wäre, das der Schweinepreis steigt. Das tut er jedoch nicht bzw. heute nun das erste Mal seit dem 10.10.2018 (!) um +4Cent.

Diese vier Cent sind ein netter Anfang, allerdings eigentlich auch eher ein schlechter Scherz. Und als wenn das alles nicht schon bitter genug wäre, kommen nun gerade die genossenschaftlichen Schlachtunternehmen und machen Hauspreise.

Wir fragen uns, was wir davon halten sollen. Offensichtlich sind Vion und Westfleisch nicht in der Lage, unsere Schweine adäquat zu vermarkten. Dann müssen wir uns als Schweinehalter nur die Frage stellen, ob sie dann noch die richtigen Partner für uns sind, denn wie sagte schon Heini’s BWL Lehrer immer:

Die Produktion wandert stets zum besten Wirt!

Und das sind Schlachtunternehmen wie die VION oder Westfleisch zur Zeit dann offenbar nicht.


Der Hintergrund

In den letzten Jahren haben sich in Deutschland die Schweineschlachtungen auf wenige Schlachthöfe konzentriert – kurz gesagt schlachten die vier größten Schlachtunternehmen etwa 63% aller Schweine.

Die Preisfindung

Es gibt einen Vereinigungspreis. Dieser wird von der VEZG (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften Vieh und Fleisch) wöchentlich ermittelt und veröffentlicht.

Grundlage für den Vereinigungspreis ist das Marktstrukturgesetz. Auf der Homepage des VEZG ist es folgendermaßen erklärt:

Hauspreise

Der Vereinigungspreis ist der Leitpreis in Deutschland, allerdings dennoch „nur“ eine Empfehlung. Wenn ein Schlachtunternehmen der Meinung ist, dass die Schweine zu teuer sind, ist es ihm freigestellt, sich nicht an diesem Preis zu halten. In dem Fall macht es seinen eigenen Preis, ein sogenannter „Hauspreis“.

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Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.

 

Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Lidl’n lohnt sich

Thomas Wengenroth hat einen sehr schönen Artikel bei Stallbesuch geschrieben, den ich hier freundlicherweise ebenfalls veröffentlichen darf – vielen Dank dafür!

Lidl’n lohnt sich – über Tierwohl, das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration, die Zukunft der Schweine-/Sauenhaltung und Deutschland und überall anders in Europa/auf der Welt:

Das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration kommt. Ob früher oder doch noch etwas später, ist eigentlich  egal. Beschlossen ist das Ende auf jeden Fall und dass innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre eine Methode entwickelt wird, die a) Tierhalter anwenden können und b) der Forderung nach „Schmerzausschaltung“ genügt, ist eher fraglich. Bedenkt man den Anästhesie-Aufwand bei Kleintieroperationen, wird dies deutlich.

Ein Unternehmer aber fragt sich ja immer: wie lässt sich die Geschichte ins Positive drehen?

Verändern sich die Anforderungen des Marktes, kann der Einzelne reagieren, mit Direktvermarktung z. B., wenn Regionalität gefordert wird. ei der Ferkelkastration allerdings ist die gesamte Branche gefordert, wenn massenhafter Ausstieg nicht Realität werden soll. Benjamin Steeb, Geschäftsführer der Lidl Stiftung, hat auf dem Veredelungstag kürzlich den Lösungsweg beschrieben: „deutsche Produkte mit Mehrwerten ausstatten“.

Für den Verbraucher müssen Vorteile erkennbar sein, wenn er Schweinefleisch aus deutscher Produktion kaufen soll. Die schmerzlose Kastration männlicher Ferkel kann, als Tierschutz-Maßnahme, ein solches Plus gegenüber Importware sein. Genau wie die Initiative Tierwohl (ITW).

Lidl sieht für sein Fleischangebot zukünftig vier Stufen: 1 – gesetzlicher Standard, 2 – ITW, 3 – das hauseigene Label-Programm und 4 – Bio. Mittelfristig soll jedoch die zweite Stufe Standard werden und die ITW zur zentralen Platt- form. Bemerkenswert ist hierbei, dass ja bereits die erste Stufe „gesetzlicher Standard“ automatisch auch bedeuten muss „schmerzfrei kastriert“. Denn nur vom deutschen Gesetz kann hier ja wohl die Rede sein.

Daraus ergibt sich zweierlei: jeder Erzeuger muss ins Programm der Initiative Tierwohl aufgenommen werden, wenn er die entsprechenden Bedingungen erfüllt und die Zahlungen des Lebensmitteleinzelhandels müssen entsprechend erhöht werden. Wenn nun auch noch QS die schonende Ferkelkastration in den Kriterienkatalog aufnähme, wäre jedem  Verbraucher vermittelbar, dass er beim Kauf von deutschem Schweinefleisch aktiv etwas für den Tierschutz tut.

Auf diesem Weg wären dann auch die nächsten Herausforderungen „Kastenstand“ und “Kupierverzicht“ zu stemmen. Kostenführerschaft werden wir in Deutschland kaum je erreichen. Aber Tierschutz kann sich die Branche auf die Fahne schreiben und sie zum Qualitätsmerkmal für deutsches Fleisch machen.

Quelle: Stallbesuch: Lidl’n lohnt sich