Allgemein, Bauern, Bullerbü, Familie, Kommentar, Landwirtschaft

Wie Bauern-Bashing zu Kindermobbing wird…

… das fragen sich viele. Geht einfach mal in eine Bücherei, dann wisst Ihr, wie schnell das passieren kann.

Wir gehen regelmäßig in die Bücherei. Unsere Kinder lieben das. Stöbern, blättern, lesen, bunte Bilder anschauen. Auch ich mag es und schaue mir gerne Kinderbücher über Landwirtschaft in unserer Bücherei an.

Theis und ich waren nun letzten Samstag wieder einmal in unserem Ort in der Bücherei bzw. eigentlich wurde das Buch, aus dem ich Euch jetzt ein paar Seiten vorstellen möchte, auf dem Jubiläum der Integrationsgruppen unseres Kindergartens ausgestellt. Dieser Zustand wirkt schon fast ein bisschen wie Realsatire.

Alles lecker

Ich bin jedenfalls auf das Buch „Alles lecker“ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl, erschienen im Klett Verlag, gestoßen.

Auf einer der ersten Seiten ist dann zu lesen, dass es billiger sei, Kälber aus Dänemark zu kaufen, in Deutschland zu mästen und in Italien zu schlachten. Es wird ein „Kälbertransport auf der Autobahn“ illustriert und geschrieben, dass Hersteller von Bio-Lebensmitteln mehr Rücksicht auf Natur und Tiere nehmen. Weiter wird behauptet, dass auf Obst und Gemüse Gift ist.

Quelle: Leseprobe „Alles lecker“

Mir stehen die Tränen im Gesicht

Als ich das gelesen habe, musste ich zunächst einmal tief durchatmen. Davon mal ganz abgesehen, dass viele dieser Behauptungen bei Weitem nicht der Realität entsprechen, habe ich mich gefragt, denkt irgendeiner hier mal an unsere Kinder?

Ich habe da nun dieses Buch in der Hand und sehe im Augenwinkel unsere drei kleinen, quirligen und wirklich fröhlichen Kinder. Und mir schießen beim Gedanken daran, dass ihre Freunde, ihre Klassenkameraden, ihre Freunde im Kindergarten sie mit diesen Behauptungen konfrontieren, die Tränen in die Augen. Denkt diese Kinderbuchautorin auch nur mal eine Sekunde an unsere Kinder, wenn sie solche Zeilen schreibt? Wenn sie suggeriert, dass uns als „Massentierhalter“ die Tiere vollkommen egal sind? Wenn sie andeutet, wir würden unseren Tieren kein gesundes Futter geben, sondern „Wachstumsmittel“ verabreichen?

Bild: hml-art

Leider ist das nicht das einzige Buch, in dem ich solche Dinge lesen musste. Es gibt unendlich viele andere Beispiele. Selbst in Schulbüchern und Lehrmaterialien tauchen immer wieder solche diffamierenden Textpassagen auf. Ich wundere mich nicht mehr, warum Bauernhofkinder zu Mobbing-Opfern werden. Ich bin erschüttert über die Verläge aber auch über die Kultusministerien, die solche Dinge immer noch billigen.

Ich bin fassungslos, dass wir einen Beruf ausüben, uns an Recht und Gesetz halten, uns jeden Tag mit Herzblut um unsere Tiere kümmern, wertvolle und qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen und uns dennoch Sorgen machen müssen, dass unsere Kinder aufgrund unserer Arbeit im Kindergarten, in der Schule, im Freundeskreis gehänselt werden, weil wir in Kinderbüchern als empathielose Tierquäler dargestellt werden.

Bild: hml-art

Ich bitte Sie, das muss endlich aufhören. Bitte denken Sie auch an unsere Kinder – an die Kinder von uns Landwirten! Bitte schützen Sie endlich unsere Kinder! 

Liebe Landwirte,

wenn Eure Kinder zu Opfern geworden sind, bitte holt Euch Rat. Es gibt das landwirtschaftliche Sorgentelefon. Bitte zögert nicht. Den Kontakt findet Ihr hier:

https://www.sorgentelefon-landwirtschaft.de/sorgentelefone.html

Des Weiteren hat der Landfrauenverein Württemberg-Hohenzollern einen sehr guten Leitfaden herausgegeben:

Leitfaden Mobbing_LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern

Allgemein

Ein Schlag ins Gesicht

Proteste für die Zukunft der Landwirtschaft – niemand ist gegen Insekten-, Tier- und Umweltschutz, auch nicht die Landwirte

Gestern gehen zehntausende Landwirte auf die Straße und werben für die deutsche Landwirtschaft, für den Erhalt, für die Zukunft. In vielen Medien wurde über den lauten Protest berichtet. Leider auch immer wieder missverständlich: Landwirte sprechen sich gegen das Agrarpaket der Bundesregierung aus – ja, das stimmt. Dieses beinhaltete mehr Insekten-, Tier- und Umweltschutz. Demnach sind die Landwirte gegen mehr Tierschutz, Insektenschutz und Umweltschutz – nein, das stimmt nicht. Landwirte möchten einfach „nur“ mitgestalten. Sie wollen ihren Beitrag leisten und tun dies auch jetzt bereits. Sie wollen mitgenommen werden – denn nicht alles, was sich in der Theorie gut anhört, lässt sich auch in der Praxis 1:1 umsetzen.

Report Mainz – eine Ohrfeige für viele Schweinehalter

Und dann stoße ich heute morgen auf diesen Bericht, der gestern bei Report Mainz ausgestrahlt wurde – und es dreht sich mir der Magen um. Diese Bilder sind für mich unerträglich. Ich kann mich nicht zwischen Schock, Wut, Empörung und Trauer entscheiden. Ich frage mich, was geht in Menschen vor, die so mit (ihren) Tieren umgehen? Ich kann es nicht verstehen, wie man so brutal und abgedroschen sein kann. Es ist nie schön, ein Tier notzutöten. Nur unsere Tiere haben ein Recht darauf, dass eine Nottötung schnell, fachgerecht und möglichst stress- und schmerzfrei erfolgt. All das ist hier nicht erfolgt. Ich bin zutiefst erschüttert, dass es Menschen gibt , die so mit ihren Tieren umgehen. Ich bin froh, dass die Betriebe ihre Konsequenzen gezogen haben, und sich von diesen Mitarbeitern getrennt haben.

Es tut weh, immer wieder solche Bilder im Fernsehen sehen zu müssen. Es ist eine Ohrfeige für alle Tierhalter, die einen guten Job machen, die sich täglich gut um ihre Tiere kümmern, die gestern für die Zukunft der deutschen Landwirtschaft auf die Straße gegangen sind.

Rechtswidrige Nottötung von Schweinen

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“Ihr seid doch alle gekauft” – meine Coming Out Story

Die letzten drei Tage war ich in Köln, Rommerskirchen, Monheim und Leverkusen. Ich habe auf Einladung von Bayer am „Future of farming dialogue 2019“ teilgenommen.

Der „future of farming dialogue“ findet jährlich statt. Auch im letzten Jahr durfte ich schon dabei sein. Es ist ein weltweites Treffen von Journalisten, Influencern und Stakeholder. Das Treffen wird (wie oben bereits geschrieben) von Bayer organisiert.

Landwirt*innen treffen sich mit Bayer?

Diese Frage war eine der ersten Reaktionen einer Journalistin auf meinen ersten Tweet zum Treffen:

Und auch weitere kritische Fragen bzw. Kommentare ließen nicht lange auf sich warten:

Mein persönliches Coming Out

Ja, ich denke, es wird Zeit, endlich die „Hose runterzulassen“.

Ja, ich war eingeladen von Bayer.

Ja, Bayer hat die Kosten für die Übernachtung und das Catering während der Veranstaltung übernommen, und wir waren am Montag Abend in der Brauerei „Früh“ zum Essen eingeladen.

Nur im Weiteren muss ich Euch nun enttäuschen – Bayer bezahlt mich nicht. Bayer hat mich nicht verpflichtet, für den Konzern zu sprechen. Bayer erwartet keinerlei Gegenleistung.

Und um auch das gleich klarzustellen: auch vom Bauernverband oder anderen Verbänden oder Unternehmen erhalte ich keinerlei Aufmerksamkeiten.

Ich bin vollkommen unabhängig. Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, was ich twitter, was ich bei Facebook veröffentliche, ist einzig und allein meine eigene Meinung.

Future of farming dialogue

Zurück zum Future of farming dialogue – mein Fazit:

Dieses Treffen war für mich wieder absolut großartig. Auf der einen Seite ist es mega interessant, einen Einblick in die Arbeit von Bayer zu bekommen: wie arbeitet das Unternehmen weltweit, was tut Bayer in Bereichen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, wie ist ihre Zusammenarbeit mit den Landwirten rund um den Globus, wo liegen ihre Forschungsschwerpunkte?

Auf der anderen Seite ist dieses Treffen eine riesige Chance, sich mit anderen Menschen weltweit zu vernetzen. Es kommen zu dieser Veranstaltung Menschen aus über 40 Ländern zusammen, alle haben andere Herausforderungen, jedoch alle dieselbe Leidenschaft und alle dasselbe Ziel: die Welt mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen.

Natürlich ist diese Veranstaltung auch eine PR Veranstaltung für Bayer – nur damit hält der Konzern auch nicht hintern Berg – und das ist auch vollkommen legitim.

Ich wünsche mir zukünftig einen offeneren Umgang (v.a. seitens der Kritiker) mit dem Unternehmen Bayer. Ich habe in den vergangenen drei Tagen wieder einmal ein Unternehmen gesehen, was sich sehr viele Gedanken zu Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität macht, das jedoch die Lebensmittelproduktion für die stetig wachsende Bevölkerung dabei nicht aus den Augen verliert, und welches versucht, den Spagat dazwischen mit uns Landwirten zu meistern.

Anbei noch einige Eindrücke von der Veranstaltung

Allgemein, Ernährung, Familie, Initiative Tierwohl, Kommentar, Landwirtschaft, Markt, Politik, Preise, regional, Schweinehaltung

Bärchen-Wurst demnächst aus Übersee?

So langsam fühle ich mich nur noch veräppelt – jetzt jammert der Wursthersteller Reinert, dass das deutsche Schweinefleisch zu teuer sei:

Der Fleischwarenhersteller leidet unter hohen Schweinepreisen

schreibt das Haller Kreisblatt.

Die Schweinepreise seien um 40% gestiegen und die Branche hat mit der Rohstoffknappheit zu kämpfen.

Gestiegene Schweinepreise

In der Tat, die Preise für Schweinefleisch bewegen sich auf einem Niveau, so dass die Schweinehalter auch eine schwarze Zahl schreiben, ja sogar etwas Geld verdienen – großartige Sprünge können sie bei den Preisen noch nicht machen.

Wir können ja mal ganz simpel rechnen:

Für das Ferkel hat der Mäster etwa 75,-€ bezahlt. Das Ferkel hat eine Vollverpflegung mit Futter, Wasser, warme Unterkunft inkl. Strom macht wieder etwa 85,-€. Für das geschlachtete Tier erhält er zur Zeit gute 180,-€, d.h. für seine Arbeit bekommt der Landwirt 20,-€ pro Schwein.

Geiz ist geil

Zurück zu Reinert: knappe Rohstoffe, „hohe“ Schweinepreise, zudem hat das Unternehmen Lieferverpflichtungen und das schlimmste: sie können die Preissteigerung nicht an ihre Abnehmer weitergeben.

Hm, da muss ich mich doch sehr wundern, wo doch in Deutschland alle meinen, unsere Fleisch- und Wurstwaren seien viel zu billig. Zudem beteuern doch ständig alle, sie würden gerne freiwillig mehr zahlen?!

Tierwohl ist zu teuer

Reinert sieht nun die Lösung in Fleisch aus Übersee: das Unternehmen möchte Fleisch aus den USA einführen.

In den Leitsätzen des Unternehmens möchte man sich jedoch gerne Bestrebungen hinsichtlich Umwelt- und Tierschutz auf die Fahne schreiben:

Suche nach praktikabler und ökonomisch umsetzbarer Lösung hinsichtlich verbessertem Tierwohl in der Schweinehaltung wird fortgesetzt.

Weiter heißt es in den Leitsätzen, dass kleine und mittlere Unternehmen in der Kette berücksichtigen und die regionale Landwirtschaft fördern möchte.

Antibiotikafreiheit

Dem Unternehmer Reinert war es außerdem wichtig, auch hinsichtlich Einsatz von Antibiotika ein Zeichen zu setzen. So führte Reinert die Marke „Herzenssache“ ein, denn 100% antibiotikafrei sei eine Herzensangelegenheit für die Familie Reinert.

Und das Ende vom Lied – ist ernüchternd

Tja, nur so bald es ums Geld geht, werden all die guten Vorsätze über Bord geworfen. Das werden die regionalen Landwirte gerne gegen amerikanische ausgetauscht, da ist das Tierwohl vollkommen nebensächlich, der Einsatz von Antibiotika ebenfalls und zudem die CO2-Bilanz des Transportes.

Und wir bekommen alle einen wundervollen Blick in die Zukunft:

Wir benötigen für die Umsetzung von mehr Tierwohl steigende Preise. Nur wir haben keinen Binnenmarkt. Und wir sind halt austauschbar. Lippenbekenntnisse bringen uns gar nichts. Nationale Alleingänge in Bereichen Umweltschutz und Tierwohl verteuern hier die Produktion. Nur der Bedarf wird dann aus dem Ausland gedeckt – vollkommen egal, wie dort die Tiere gehalten werden, wie dort die Arbeitsbedingungen in den Betrieben sind und welche Medikamente dort eingesetzt werden.

Wenn wir es nicht schaffen, im Bereich Tierwohl- und Umweltstandards europaweite Lösungen zu finden und 5 x D (in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet) als Qualitätsmerkmal zu etablieren, sehe ich absolut schwarz für unsere Schweinehalter.

Allgemein, Bauern, Bauerntum, Bauernwiki, Frag den landwirt, Glyphosat, grüne Kreuze, Landwirtschaft, Politik

Grüne Kreuze

Überall in Deutschland findet Ihr derzeit grüne Kreuze in den Feldern. Ihr fragt Euch – Was sollen diese bedeuten? Hier ein paar Antworten:

Am 4. September 2019 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) ein sogenanntes „Agrarpaket“ verabschiedet.

Worum geht es im Agrarpaket?

Es ist ein Deal, man könnte auch sagen fauler Kompromiss, zwischen BMEL und BMU: Frau Klöckner bekommt ihr Tierwohllabel, dafür wird im Sinne von Frau Schulze Glyphosat verboten und alle weiteren chemischen (!) Pflanzenschutzmaßnahmen streng reglementiert. Zudem sollen die Agrarsubventionen umgeschichtet werden.

Während Frau Schulze sich ja im Bereich Pflanzenschutz durchsetzen konnte, führt die SPD Fraktion Frau Klöckner direkt nach dem Kabinettsbeschluss am Nasenring durch die Manege. Das Tierwohllabel soll nach Ansicht der Bundeslandwirtschaftsministerin freiwillig sein, jedoch würde die SPD nur einem verpflichtenden Kennzeichnung zustimmen. Ob irgendjemand merkt, dass sie von zwei vollkommen unterschiedlichen Dingen sprechen?! Es ist eine absolute Farce! Und die leidtragenden sind die Landwirte.

Welche Kritik gibt es seitens der Landwirtschaft am geplanten Agrarpaket?

Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich gemacht wird. Die Maßnahmen greifen massiv in die Eigentumswerte von uns Landwirten ein. Einzelne Flächen werden wertlos und können nicht mehr der für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden.

Die Folge: Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert, ohne Rücksicht darauf, wie sie dort erzeugt wurden. Das kann nicht im Sinne des Verbrauchers sein.

Die zahlreichen Verbote führen dazu, dass die Erträge sinken. Die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit regionalen Produkten ist gefährdet. Auch das widerspricht dem Wunsch des Verbrauchers. Zunehmend versuchen traditionelle Landwirte, dieser Entwicklung durch Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu begegnen. Dies führt durch ein zunehmendes Überangebot auch in diesem Markt zu einem gewaltigen Preisdruck.

Warum grüne Kreuze?

Wir sind eine Gruppe von unabhängigen, engagierten Landwirten. Wir möchten mit dem Aufstellen der grünen Kreuze auf das jetzt massiv einsetzende Höfe-Sterben (vor allem kleine und mittlere bäuerliche Familienbetriebe) aufmerksam machen.

Bild: Rene Rempt

Wir stellen keine Forderungen. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden.

Noch ist Zeit zu handeln, weil die Beschlüsse noch den Bundestag passieren müssen. Sprecht Euren regionalen Abgeordneten an. Teilt gerne diesen Beitrag. Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Trotz einiger Kritik aus eigenen Reihen nimmt die Aktion #grüneKreuze langsam Fahrt auf.

Die grünen Kreuze sind im Bundestag angekommen

Gestern haben wir eine Pressemitteilung zu den grünen Kreuzen herausgegeben. Wir hoffen, dass einige Journalisten den Ball aufnehmen, um mit uns zu sprechen, um unsere Sorgen und Nöte zum #Agrarpaket aufzunehmen und zu veröffentlichen.

In Berlin ist die Aktion auf jeden Fall schon angekommen: gestern erwähnten sowohl Gero Hocker als auch Gitta Connemann unsere Aktion in ihren Redebeiträgen im Bundestag.

Deshalb noch einmal die Bitte an alle Landwirte, die hier dabei sind: beteiligt Euch gerne. Es ist schnell gemacht: zwei Dachlatten, ein paar Schrauben und ein bisschen grüne Farbe.

 

Anbei noch die Presseinformation, die wir gestern verschickt haben:

Weiterführende Links:
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„Was stört mich mein Geschwätz von gestern“

Frei nach dem Motto: „was stört mich mein Geschwätz von gestern“ macht Schlachtriese Tönnies diese Woche Hauspreise.

Was war passiert?

„Clemens Tönnies will das Leben der Schweine verbessern“ – was für eine Überschrift, die wir vor Kurzem noch in der Neuen Osnabrücker Zeitung zu lesen bekamen. Laut des Artikels möchte er den Standard der Tierhaltung in Deutschland anheben. Im ersten Schritt geht es ihm um 10% mehr Platz. Raufutter und Beschäftigungsmaterial fordert er ebenfalls. Er spricht im Weiteren von Offenfrontställen und Ställen mit Auslaufhaltung. Tönnies lässt gerade Emissions-Gutachten anfertigen und setzt sich für die Genehmigung dieser Alternativställe ein.

Er ist sich sicher, dass der Verbraucher für ein Mehr an Tierwohl auch mehr zahlen muss. Und, dass dem Landwirt sein Mehraufwand bezahlt wird. Das möchte Clemens Tönnies mit einem festen Aufschlag auf den Notierungspreis erreichen.

 Das hört sich doch sehr vielversprechend an…

Das mag sich ja im ersten Moment sehr vielversprechend anhören, allerdings muss ich ehrlich gestehen, bekommt dieses Interview ein gewisses „Geschmäckle“, wenn wir bedenken, dass Clemens Tönnies der Hauspreiskönig der Branche ist.

Der Schlachtriese betont gerne die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugern. Auf der anderen Seite ist er wie auch in dieser Woche der erste, wenn es um Hauspreise und Maskenänderungen (vor allem bei der Ebermaske) geht. Bis jetzt macht er selbst letztlich keine Verträge mit den Betrieben, um dieses „Mehr an Tierwohl“ auch zu finanzieren. Ganz im Gegenteil – er ist der Mann, der stetig die Preise drückt.

… es ist aber letztendlich nichts anderes als nur heiße Luft!

Clemens Tönnies täte gut daran, sich um den Absatz des Schweinefleisches zu kümmern und damit den Tierhaltern dauerhaft einen angemessenen Preis zu sichern – der gerne höher liegen darf als bisher.

Und wenn wir Landwirte uns keine Sorgen mehr um einen angemessenen Preis machen müssen, dann können wir uns der Aufgabe des „Mehr an Tierwohl“ widmen – denn das können wir durchaus alleine. Gute Ideen sind reichlich vorhanden, nur benötigen wir zur Umsetzung halt einen finanziellen Rahmen jenseits von Hauspreisen.

Was sind „Hauspreise“?

In Deutschland gibt es einen Vereinigungspreis für Schlachttiere – die sogenannte VEZG-Notierung. Diese Notierung kommt folgendermaßen zustande:

Mittwochs melden die Mitgliedererzeugergemeinschaften an eine Geschäftsstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ihre Einschätzung der Marktlage. Daraus errechnet diese Geschäftsstelle den Wochenpreis, gibt zudem die Preisspanne an, die Angebotsmengen und sonstige Informationen. Die Geschäftsstelle berichtet dann in einer Telefonkonferenz, in der acht von ca. 32 Erzeugergemeinschaften teilnehmen, ihre Ergebnisse. Diese Konferenz erörtert die Marktlage inklusive Angebot und Nachfrage. Sie legen dann abschließend den Wochenpreis fest und veröffentlichen diesen. Der genaue Ablauf ist hier zu sehen.

Preise für die Kalenderwoche 33 (15.08.2019-21.08.2019)

Die VEZG hat sowohl den Preis für Mastschweine als auch den Preis für Schlachtsauen diese Woche um 3 Cent nach oben gesetzt:

Bildquelle: ISN

 

Bildquelle: Tönnies Agrarblog

Derweil bleibt Tönnies beim Preis der Vorwoche, geht also den Vereinigungspreis bei den Schlachtschweinen nicht mit. Diese 3 Cent machen etwa 3,-€ am Schwein aus. Tönnies schlachtet wöchentlich etwa 320.000 Schweine – das ergibt ungefähr 960.000,-€. Die Differenz bei den Schlachtsauen liegt mittlerweile bei 10 Cent pro kg Schlachtgewicht – das macht bei uns (unsere Sauen wiegen etwa 200kg geschlachtet) eine Differenz von 20,-€ pro Schlachtsau aus, was uns fehlen würde. Die Firma Tönnies schlachtet um die 7.000 Sauen die Woche – das sind dann noch einmal etwa 140.000,-€.

Insgesamt errechnet sich hier eine Differenz von ca. 1,1 Mio. €,  die sich der Konzern diese Woche in die Tasche packt, anstatt sie den Landwirten auszuzahlen.

Hier zeigt sich dann die wahre hässliche Fratze, der es in erster Linie eben nicht um das Tierwohl geht.

 

Kleiner Nachtrag:

Unweigerlich stelle ich mir zudem die Frage, ob sich Herr Tönnies schon einmal näher mit der Initiative Tierwohl beschäftigt hat. Mit der ITW setzen die Landwirte genau die von ihm geforderten Verbesserungen betriebsindividuell um, und bekommen diesen Mehraufwand auch finanziell ausgeglichen. Schaut Euch dazu gerne mal die Seite der ITW an.

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Liebe Medien – shame on you!

Und es hört nicht auf – der nächste Tierschutzskandal?

Und da ist es wieder passiert – diesmal im Allgäu: ein größerer Familienbetrieb soll sich nicht ausreichend um seine erkrankten Kühe gekümmert und nicht gesetzeskonform notgetötet haben. Ich möchte hier nun nichts zu den Bildern und zum Betrieb schreiben, da ich bislang weder die Bilder noch den Betrieb kenne. Und ich möchte auch gleich vorweg sagen, dass ich eine nicht korrekt durchgeführte Nottötung weder gutheißen kann noch will.

Familie an den Pranger

Nur dieses Mal gehen die Medien wieder einen Schritt weiter und für mich viel zu weit. In der Pressemitteilung des SWR heißt es:

Der Milchviehbetrieb XXX (in der Pressemitteilung wird er namentlich genannt) in Bad Grönenbach im Allgäu quält nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sowie den ARD-Politikmagazinen REPORT MAINZ und Fakt seine Tiere.

Ich bin fassungslos – in der Pressemitteilung wird der Betrieb mit Namen und Wohnort genannt. Die Presse stellt die Familie öffentlich an den Pranger – eine Hexenjagd. Und ich frage mich unweigerlich – wie weit soll das Ganze noch gehen? Bis jemand durchdreht und es Tote gibt – sei es durch Suizid oder Mord? Mich macht das fassungslos! Wo ist unser Rechtsstaat bloß hingekommen? Gilt in Deutschland nicht mehr die „Unschuldsvermutung“? Ist es hier nicht einmal so gewesen, dass jemand, bis seine Schuld bewiesen wurde, unschuldig ist? Und hieß es nicht auch einmal „in dubio pro reo“? Lebten wir nicht einmal in einen Rechtsstaat?

Und ich frage mich – wo bleibt der Aufschrei?

Wo sind die Berufskollegen, wo unsere Verbände? Wer denkt an die Familie, an die Kinder bzw. Enkelkinder? Wer denkt daran, dass diese weiterhin in ihrem Dorf wohnen, leben, am Dorfleben teilnehmen? Wir diskutieren über Mobbing bei Bauernhofkindern und parallel sind Landwirtsfamilien in den Medien vogelfrei? Es macht mich unsagbar traurig und furchtbar wütend! Und ich habe Angst – ich habe Angst, dass in naher Zukunft etwas wirklich Schlimmes passieren könnte. Denn die ersten „Reaktionen“ in den sozialen Medien haben nicht lange auf sich warten lassen:

 

 

Im Zeitalter, wo Politiker ermordet werden, ist das Ganze für mich unbegreiflich. Hier wird eine widerliche Hexenjagd betrieben! Das muss aufhören!

Und nur, damit wir uns nicht missverstehen – tierschutzrelevante Vorfälle müssen schnellstens im Sinne der Tiere beseitigt werden – keine Frage. Landwirte und ihre Familien müssen in solchen Fällen nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden – sie brauchen (unsere) Hilfe.

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Kükentöten bleibt weiterhin erlaubt

Das war die Schlagzeile des gestrigen Tages. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster und erlaubt (übergangsweise) weiterhin das Töten von männlichen Eintagsküken. Und die Empörung darüber ist groß.

Der Hintergrund

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach der Geburt getötet. Es handelt sich hierbei um die „Brüder“ der Legehennen. Die weiblichen Küken werden also Legehennen, die männlichen Tiere können jedoch keine Eier legen. Allerdings können diese auch nicht als Masthühner dienen. Denn die spezielle Züchtung der Legehennen führt dazu, dass diese Tiere nicht so viel Fleisch ansetzen. Zudem benötigen sie sehr viel Futter für ihren geringen Fleischansatz. Aus diesen Gründen werden die Tiere direkt nach dem Schlupf getötet.

Fakes und Fakten

Es ist häufig vom „Küken-Schreddern“ die Rede, weil die Tiere früher tatsächlich mittels scharfen, rotierenden Messern gemust wurden. Nur diese Praxis gehört in Deutschland der Vergangenheit an. Die Tiere werden mit CO² zunächst betäubt und dann getötet. Anschließend werden sie zu Tierfutter verarbeitet und z.B. in Zoos und Tierparks abgegeben.

Gerne wird berichtet, dass bei Masthähnchen die weiblichen Tiere getötet werden – das ist falsch! Sowohl bei den Masthähnchen als auch bei Puten, Enten und Gänsen werden beide Geschlechter gemästet, geschlachtet und verwertet.

Küken töten ist böse, Hähne schlachten nicht?! Ist das logisch?

Wie ich oben schon erwähnt habe, ist die Empörung über dieses Urteil groß. Viele schreiben, es gäbe doch gute Alternativen wie z.B. ein Zweinutzungshuhn oder sogenannte Bruderhahninitiativen.

Ich bin da ehrlich gesagt etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite widerspricht es mir durchaus ein Tier, das gerade mal einen Tag (oder letztlich nicht mal) alt ist, zu töten. Auf der anderen Seite kann ich diese Bruderhahninitiativen definitiv auch nicht gut heißen.  Wir haben hier einen ganz klassischen Zielkonflikt. Es ist schon etwas putzig, dass ich überall über die Wörter „Nachhaltigkeit“ und „Ressourcenverschwendung“ stolpere, nur genau das in diesem Zusammenhang gerne einfach mal ausgeblendet wird. Es werden ständig vollkommen utopische Zahlen im Bereich Rind und Schwein in den Raum geworfen (16kg Getreide für 1kg Fleisch usw.), jedoch bei der Aufzucht dieser Tiere, wo das wirklich ein riesiges Problem ist, da wird das einfach mal verschwiegen. Hier ist auf einmal die Futterverwertung vollkommen egal. Für mich ist das unlogisch und ein mit zweierlei Maß messen.

Und sind wir doch mal ehrlich – tot ist tot. Macht es für das Tier einen Unterschied, ob es mit 24 Stunden oder nach 24 Tagen mittels CO² betäubt wird und dann getötet? Nur die in meinen Augen wichtigste Frage ist, erfüllt das Kükentöten den „vernünftigen Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes?

§ 1 Tierschutzgesetz: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

So lautet der Grundsatz unseres Tierschutzgesetzes. Der Gesetzgeber führt jedoch keine Liste mit „vernünftigen Gründen“ im Sinne des Gesetzes. Und hier hat nun die Richterin des Bundesverwaltungsgerichtes eine in meinen Augen interessante Entscheidung getroffen:

Die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien seien zwar allein kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Fortsetzung der Praxis aber noch rechtmäßig. Das heißt, das Bundesverwaltungsgericht hat zwar entschieden, dass das Töten männlicher Eintagsküken tierschutzrechtlich übergangsweise noch zulässig ist. Das Gericht hat das Vorliegen eines „vernünftigen Grundes“ für das Töten der männlichen Küken und damit die Vereinbarkeit mit dem deutschen Tierschutzgesetz bejaht, allerdings nur bis praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei vorliegen. Nur das heißt eben auch, dass wirtschaftliche Gründe allein nicht den ethisch begründeten Schutz der Tiere überwiegen. Wirtschaftliche Aspekte allein stellen also keinen „vernünftigen Grund“ dar. Ich bin gespannt, wie die Kollegen diese Entscheidung im Bereich Kleintier- und Pferdepraxis in der Zukunft bedenken bzw. umsetzen.

Gibt es Lösungen für die Zukunft?

Seit Langem wird an Alternativen geforscht. Durch unterschiedliche Verfahren soll das Geschlecht der Küken schon im Ei ermittelt werden. Dadurch können die männlichen Eier aussortiert werden, bevor sie ausgebrütet und geschlüpft sind. Nur diese Verfahren benötigen noch Zeit, denn diese Technik muss auch flächendeckend für alle Brütereien zur Verfügung stehen. Zudem wird noch ein der Geschwindigkeit und an der Genauigkeit gearbeitet.

Letztlich gibt dieses Urteil der Wissenschaft Zeit, die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei erfolgreich zum Abschluss zu bringen – und das halte ich für richtig und wichtig! Deswegen verstehe ich auch die Empörung nicht, die dieses Urteil nun ausgelöst hat.

Mich interessiert Eure Meinung – wie steht Ihr zu diesem Thema, zu diesem Urteil? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

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Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

Bildquelle: pigbusiness.nl

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Diese Aktivisten haben ohne mit der Wimper zu zucken den gesamten Betrieb, alle Tiere des Bestandes, in Gefahr gebracht – und das scheint ihnen für ihre mediale Aufmerksamkeit auch vollkommen egal zu sein. Es waren Aktivisten aus Holland, Belgien und Deutschland vor Ort. Aufgrund der Gefahr der Einschleppung einer Tierseuche (in Belgien gibt es zur Zeit etliche Fälle von afrikanischer Schweinepest) steht es im Raum, dass die niederländischen Behörden vorsorglich den gesamten Schweinebestand dieses Betriebes töten lassen.

Sehr geehrte Tierrechtler, das habt Ihr dann zu verantworten!

Ich finde es beschämend, dass diese Menschen sich überhaupt keine Gedanken über uns und unsere Tiere machen. Es geht ihnen nur um ihr eigenes kleines Ego – um die Aktion, um die mediale Aufmerksamkeit. Niemand von diesen Aktivisten denkt an die Tiere, an die Menschen, an die Familien hinter den Betrieben.

Liebe Kollegen – lasst uns zusammenhalten!

Richtig klasse fand/finde ich die Solidarität in den Niederlanden unter den Landwirten. Innerhalb kürzester Zeit sind viele Kollegen zum Betrieb gefahren, um sich solidarisch zu zeigen. Sie haben die Familie super unterstützt. Auch im Netz war der Zusammenhalt enorm – einfach richtig klasse!

Meine Gedanken sind, wie auch die vieler unserer Berufskollegen, bei der Familie des Betriebes. Diese wurden am Verlassen des Stalles gehindert und so quasi in Geiselhaft genommen. Es tut mir unendlich leid, was Ihr am Montag für ein Leid ertragen musstet. Wir stehen hinter Euch und werden Euch unterstützen, wo wir können. Wir hoffen inständig, dass Eure Tiere nicht getötet werden müssen. Falls es doch sein muss, werden wir ein Spendenkonto einrichten, damit Ihr möglichst schnell wieder Euren Betrieb aufbauen könnt.

Lasst uns zusammenstehen, auch grenzübergreifend!

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Der böse, böse Bauernverband

…oder wie ein Bauernverbandspräsident für jegliche Kritik herhalten muss…

Letzte Woche ein Bericht über Agrarfunktionäre, diese Woche ein Zitat herausgerissen aus einem Zeit Interview – Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, hat momentan keinen leichten Stand. Ein paar Gedanken zu den aktuellen Ereignissen:

Die Story – „Gekaufte Agrarpolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“

So lautete der Titel der „Die Story“ am 29. April im Ersten. Es ging darum, dass Verbandsvertreter (Funktionäre) gleichzeitig in der Politik tätig sind und in verschiedensten Gremien sitzen. Hintergrund ist eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen im Auftrag des Nabu. Der Nabu schreibt dazu auf seiner Homepage:

Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert (…)

NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen (…)

Die Macht der Agrarlobby muss endlich stärker beschränkt werden.

Damit sollte eigentlich dem letzten klar sein, worum es wirklich geht – dem ist nur leider nicht so. Im Netz geht’s heiß her – neben vielen anderen Menschen, echauffieren sich auch sehr viele Landwirte. Was offensichtlich vielen nicht klar ist – Joachim Rukwied repräsentiert in den Gremien, in denen er vertreten ist, in der Regel die Interessen des Deutschen Bauernverbandes. Er ist dort Kraft seines Amtes als Präsident des deutschen Bauernverbandes, nicht als Person Joachim Rukwied.

Das mag einigen nicht gefallen – ändert jedoch nichts an der Tatsache. Wenn es den Mitgliedern des Bauernverbandes nicht gefällt, ist das allerdings schlecht. Nur dann sind letztlich auch die Mitglieder gefordert – nur von den Kritikern möchten die meisten doch einfach nur „vertreten“ werden – dann allerdings hinterher meckern, dass es nicht in ihrem Sinne war – das ist zu einfach. Mitgestalten heißt das Zauberwort.

Und dann muss auch die Frage erlaubt sein – wer will diese Aufgaben annehmen und von wem fühlen sich diese Landwirte besser vertreten? Wer fühlt sich in der Lage, diese Ämter auszuüben?

Das Zeit Interview und „Unser Land“

„Die letzten ihrer Art“ titelt diese Woche die ZEIT. Es geht um den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Auf der einen Seite schließen rund 5000 bäuerliche Betriebe pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %). Auf der anderen Seite steigt die Tendenz zu größeren Höfen weiter an. Auch Joachim Rukwied hat der ZEIT ein Interview zu diesem Thema gegeben. Auf die Frage, wie er den Trend, dass immer mehr Höfe schließen, stoppen möchte, antwortet er der ZEIT:

Jeder Hof, der aufgibt, bedeutet einen Verlust an Agrikultur. Aber wir halten das Tempo des Strukturwandels von 1,2-1,5 Prozent Verlusten pro Jahr für akzeptabel. Auch weil dann diejenigen, die sich entscheiden, in einen Betrieb einzusteigen, eine bessere Perspektive haben.

Diese Antwort aus dem Zusammenhang gerissen, konnten wir dann bei „Unser Land“ bestaunen – und die Welle der Empörung schlägt natürlich hoch. Der Post von „Unser Land“ ist reine Provokation, mit diesem Foto und diesem herausgerissenen Zitat Stimmung zu schüren. Und diese Provokation geht ganz genau auf, wie man an den Reaktionen im Netz in den sozialen Medien sehen kann.

Quelle: Facebook Seite Unser Land

„Akzeptabel“ – „verträglich“, egal, welches Wort Joachim Rukwied verwendet hat, ist im Kontext mit einem so emotionalem Thema einfach äußerst unglücklich gewählt. Nur wie sehen die „nackten Fakten“ aus?

Strukturwandel – was ist normal?

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Die Zahl der Handwerksbäckereien sank von 19.813 im Jahr 2010 auf 11.347 Betriebe in 2017 – das ist eine Abnahme von 42% in sieben Jahren (Quelle: handelsdaten.de ). Im Fleischerhandwerk sieht es nicht anders aus. Bundesweit ging die Zahl der Lebensmittel-Handwerksbetriebe bis 2016 bereits auf 70 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück.

Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, empfinde ich Rukwieds Aussage nicht für unredlich – dann ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben noch „akzeptabel“.

Kann Strukturwandel überhaupt „normal“ sein?

In Deutschland gehen täglich 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion – das sind täglich zwei Betriebe. Strukturwandel hat es immer gegeben, und wird es auch immer geben. Und in einem gewissen Rahmen ist dies auch durchaus zu vertreten – nichts anderes sagt Joachim Rukwied. Und wenn Betriebe aufgeben, wachsen andere, das liegt in der Natur der Sache. Und weder der Deutsche Bauernverband noch Joachim Rukwied in Person können entgegen den wirtschaftlichen Tendenzen, den Strukturwandel aufhalten. Ziel kann es nur sein, diese Entwicklung möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Gründe für den Strukturwandel

Auch die Gründe für den Strukturwandel werden immer gerne dem Bauernverband zugeschustert, propagiere dieser ja schon eh und je das „Wachsen oder Weichen“ Prinzip.  „Wachsen oder weichen“, das ist – man mag es beklagen – eine ökonomische Gesetzmäßigkeit. Die hat sich niemand ausgedacht – kein böser Kapitalist, kein Bauernpräsident. Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Nur warum hören Betriebe auf?

Es geben sicher Betriebe auf, weil sie zu klein und/oder unrentabel sind. Wer einen unrentablen Betrieb zu lange weiter bewirtschaftet, zerstört letztlich Kapital und damit seine Lebensgrundlage. Von den Betrieben, die aussteigen, steigen jedoch die wenigsten aus, weil sie insolvent sind.

Die meisten Betriebe werden aufgegeben, weil keine Nachfolge vorhanden ist. Häufig ist keiner in der Familie zu finden, der eigenverantwortlich den Betrieb weiterführt. Die Gründe dafür sind vielfältig: keine Kinder (kein Nachfolger), fehlendes Interesse, fehlende Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven, um nur einige zu nennen.

Früher war alles besser?

Ich kann es niemanden verdenken, einen anderen Weg als den des Hofnachfolgers einzuschlagen. Die Auswahl seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist heute sehr vielfältig. Es sollte jedem selbst überlassen bleiben, diese Entscheidung für sich und sein Leben zu treffen. Im Netz habe ich dazu folgenden Satz gelesen:

Es ist eine der größten Errungenschaften, dass heute niemand mehr Bauer werden muss. Früher haben sich viele ihr Leben lang durch den Beruf gequält, weil man der älteste Sohn war und nichts anderes machen durfte. Heute kann jeder machen, was er will. Es kann auch weiterhin jeder Bäuerin oder Bauer werden. Möglichkeiten gibt es genug. Man muss aber auch nicht.

Auch wir haben drei Kinder und einen Betrieb. Wir haben in den letzten Jahren unseren Betrieb stetig verändert und auch erweitert. Wir tun das nicht für unsere Kinder, sondern für uns, weil uns unsere Arbeit Spaß macht, weil wir lieben, was wir tun. Wir werden es unseren Kindern freistellen – wenn sie (oder einer oder zwei oder alle drei) den Betrieb weiterführen möchten, freuen wir uns sicher darüber, nur wenn nicht, ist das auch okay – wir mögen niemanden zwingen. Wir arbeiten mit Tieren – das muss man wollen und lieben, sonst macht man das nicht gut. Diese Verantwortung haben wir auch gegenüber unseren Tieren.

Zurück zu Joachim Rukwied und dem DBV

Der Bauernverband und Joachim Rukwied bekommen zur Zeit viel Kritik, zum großen Teil auch von Verbandsmitgliedern. Ich für meinen Teil muss ganz ehrlich sagen – ich möchte nicht tauschen. Ich möchte weder diese Verantwortung tragen, noch habe ich ein dickes Fell genug, mir die ständige Kritik aus den eigenen Reihen anzutun.
Nur diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch Kritik üben – ich wünsche mir vom Verband eine bessere Kommunikation nach innen. Ich erwarte, dass es von Verbandsseite eine Stellungnahme zu solchen Reportagen/Artikeln gibt – für uns Mitglieder. Bitte nehmt uns mit, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir verstehen, wie solche Dinge zu Stande kommen, damit wir uns nicht von unserem Verband allein gelassen fühlen.