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Sonntag – zwischen Familie und Stall

Ich habe dieses Wochenende Dienst. Das ist eigentlich ja nichts besonderes, denn ich habe jedes zweite Wochenende Dienst im Abferkelstall. Heini kümmert sich derweil um die Kinder.

Dienst bedeutet für mich morgens früh los, damit ich den Nachmittag noch mit der Familie habe. So war auch mein Plan heute morgen, als ich um 4:30h das Haus verließ und zum Stall gefahren bin. Heute wollte ich nämlich ganz besonders pünktlich Feierabend machen, weil Theis heute ein Handball Turnier hat.

Früh anfangen = früh Feierabend? – Pustekuchen!

Es lief heute morgen auch alles wie am Schnürchen: Geburtsrunde, bei den großen Würfen noch einmal die großen Ferkel wegsperren, damit die Kleinen auch Biestmilch bekommen, Sauen füttern, Kot räumen, Fieber messen, Wasser geben, Tröge waschen, Milch und Prestarter verteilen, zwischendurch Frühstücken, Rundgang und Wurfausgleich, noch schnell die ein oder andere Amme machen, zweites Mal füttern und Wasser geben – und fertig.

Denkste – denn ich hatte gestern eine Sau, bei der ich die Geburt eingeleitet habe. Das machen wir normalerweise nicht. Nur in ganz großen Ausnahmefällen – und diese war für mich so einer. Normalerweise tragen Sauen 115 Tage (unsere im Schnitt eher 116 Tage). Wenn unsere Sauen über die Zeit gehen“ möchten, lassen wir sie eigentlich auch, zumindest so lange alles gut ist. Jedoch hat diese Sau nicht mehr gefressen. Das ist immer kein gutes Zeichen. Und Termin war schon am 05.03.2019, d.h. gestern war bereits der 119. Tag. So entschloss ich mich kurzerhand die Geburt einzuleiten.

Stockende Geburt

Nur heute morgen hatte sie immer noch nicht angefangen zu ferkeln. Ich gab ihr ein Wehenmittel – nur auch das brachte keinen Erfolg. Also zog ich mir einen Geburtshandschuh an und probierte vorsichtig Geburtshilfe zu leisten. Und da war auch gleich ein Ferkel. So, das erste Ferkel war nun da – nun konnte sie doch weitermachen.

Allerdings tat sie das leider nicht – ich musste jedes Ferkel holen. 5 Stunden sitze ich nun hinter der Sau und helfe jedem einzelnen Ferkel auf die Welt.

Die Tiere gehen vor

Mittlerweile ist es 18.30h und ich mache endlich Feierabend. Theis Turnier ist schon lange beendet. Ich habe es leider verpasst, und das macht mich durchaus wehmütig. Ich frage mich, ob er es versteht? Versteht er (wenn nicht heute, dann vielleicht später), dass ich nicht dabei sein konnte, weil ich doch die Sau in der Geburt nicht alleine lassen konnte? Meine Sau hat insgesamt 26 Ferkel bekommen, eins ist leider kurz nach der Geburt verstorben – aber die anderen 25 sind topfit, liegen ganz lieb am Gesäuge und trinken ihre erste Milch.

Werde ich es einmal bereuen?

Keine Ahnung – nur so ist das, wenn man Tiere hat. Natürlich bin ich traurig, dass ich nicht bei Theis sein konnte und sein Spiel verfolgen konnte. Aber ich bin verantwortlich für die Tiere und deren Gesundheit – und ich bin mir dessen absolut bewusst. Deshalb hätte es heute keine andere Möglichkeit für mich gegeben – ich war im Stall und für unsere Tiere da. Und das nächste Turnier kommt bestimmt…

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Allgemein, Bauern, Ferkelkastration, Kommentar, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

 

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Tierwohl – oder wenn die Politik ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommt

Das Geschrei ist riesen groß. Alle wollen mehr Tierwohl. Für mich gibt es mittlerweile neben dem Wort „Glyphosat“, was für die Inkarnation des Bösen steht, kein anderes Wort, was mittlerweile so inhaltsleer ist wie das Wort „Tierwohl“. Kurz gesagt, ich kann es echt nicht mehr hören. Nur nachdem sich der Lebensmitteleinzelhandel und auch die Landwirtschaft über die Initiative Tierwohl sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, muss jetzt die Politik natürlich nachziehen.

Die staatliche Tierwohlkennzeichnung für Schweine

Derweil präsentiert Frau Klöckner die Kriterien für eine staatliche Tierwohlkennzeichnung. Diese Tierwohlgeschichte soll auf freiwilliger Basis erfolgen, laut BMEL. Das sieht die SPD jedoch vollkommen anders:

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass aus der Freiwilligkeit ein verpflichtendes Tierwohllabel wird. Zudem sollten sich die Kriterien deutlicher von dem gesetzlichen Standard abgrenzen.

Liebe Politik, bitte macht Eure Hausaufgaben!

Ich finde es mehr als gewöhnungsbedürftig, was da gerade in Berlin geschieht. Letztlich verfehlen unsere Politiker da vollkommen ihren Job. Das Ministerium ist ein Teil unserer Regierung. Sie bildet die Schnittstelle zwischen Legislative und Exekutive. Und auch die liebe SPD sitzt in unserer Regierung.

Ich frage mich, warum muss sich hier die Regierung in den Markt einmischen – das ist nicht deren Aufgabe. Währenddessen lassen sie wichtige Arbeiten, die uns maßgeblich betreffen, einfach mal ruhen.  Seit Jahren warten wir auf eine Anpassung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung, die uns dann verlässliche Rahmenbedingungen bringen soll. Wie wäre es, wenn sich darum mal gekümmert wird?

Ein staatliches Tierwohllabel, was über unsere gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards hinausgeht, ist für mich eine absolute Verfehlung. Was möchte uns die Politik damit sagen? Dass sie ihre eigenen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht gut finden? Ich bin fassungslos. Und Herr Spiering, Ihre Aussage ist noch das I-Tüpfelchen – wir brauchen also ein verpflichtendes Tierwohllabel, was sich deutlich vom gesetzlichen Standard abgrenzt? Merken Sie eigentlich nicht, dass diese Aussage ein absolutes Armutszeugnis Ihrer eigenen Politik ist? Sie sollten sich schämen! Willkommen in Absurdistan!

Liebe Politik, wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit der Wahrnehmung Ihrer politischen Aufgaben?

Ich weiß, es ist schöner, sich lächelnd vor die Kameras zu stellen, und irgendwelche Kampagnen, Tierwohlkennzeichnungen usw. zu (re)präsentieren als sich in die vier Wände zu verziehen und stattdessen politisch zu arbeiten. Wir warten nun schon seit Jahren auf die neue TierschutznutztierhaltungsVO. Wir brauchen keine staatliche Tierwohlkennzeichnung sondern verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, so dass wir endlich mal ein stückweit Planungssicherheit bekommen. Diese gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, das ist Ihre Aufgabe. Bitte kümmern Sie sich endlich darum!

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Hauspreise – ein schönes Wort für Wegelagerei

Liebe Markt“partner“,es reicht! Optimiert endlich Euren Verkauf anstatt ständig mit spitzen Bleistift den Einkauf runterzurechnen! Wenn Ihr qualitativ hochwertige Ware haben wollt, dann müsst Ihr diese auch adäquat bezahlen. Ansonsten braucht Ihr bald nicht mehr in Deutschland nach Schweinen zu suchen, denn es sind keine mehr da!


Wir sind ja nur einfache Sauenhalter, nur vielleicht kann uns mal jemand erklären, wie das gehen kann? Seit Mitte Januar ist bei der zweimal wöchentlich stattfindenden ISN-Auktion ein wesentlich höherer Preis zu erzielen, als es der VEZG-Preis hergibt. Das ist das Zeichen, dass Schweine durchaus gesucht sind. Die einzige logische Konsequenz wäre, das der Schweinepreis steigt. Das tut er jedoch nicht bzw. heute nun das erste Mal seit dem 10.10.2018 (!) um +4Cent.

Diese vier Cent sind ein netter Anfang, allerdings eigentlich auch eher ein schlechter Scherz. Und als wenn das alles nicht schon bitter genug wäre, kommen nun gerade die genossenschaftlichen Schlachtunternehmen und machen Hauspreise.

Wir fragen uns, was wir davon halten sollen. Offensichtlich sind Vion und Westfleisch nicht in der Lage, unsere Schweine adäquat zu vermarkten. Dann müssen wir uns als Schweinehalter nur die Frage stellen, ob sie dann noch die richtigen Partner für uns sind, denn wie sagte schon Heini’s BWL Lehrer immer:

Die Produktion wandert stets zum besten Wirt!

Und das sind Schlachtunternehmen wie die VION oder Westfleisch zur Zeit dann offenbar nicht.


Der Hintergrund

In den letzten Jahren haben sich in Deutschland die Schweineschlachtungen auf wenige Schlachthöfe konzentriert – kurz gesagt schlachten die vier größten Schlachtunternehmen etwa 63% aller Schweine.

Die Preisfindung

Es gibt einen Vereinigungspreis. Dieser wird von der VEZG (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften Vieh und Fleisch) wöchentlich ermittelt und veröffentlicht.

Grundlage für den Vereinigungspreis ist das Marktstrukturgesetz. Auf der Homepage des VEZG ist es folgendermaßen erklärt:

Hauspreise

Der Vereinigungspreis ist der Leitpreis in Deutschland, allerdings dennoch „nur“ eine Empfehlung. Wenn ein Schlachtunternehmen der Meinung ist, dass die Schweine zu teuer sind, ist es ihm freigestellt, sich nicht an diesem Preis zu halten. In dem Fall macht es seinen eigenen Preis, ein sogenannter „Hauspreis“.

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Berlin zur Internationalen Grünen Woche – das Spiel guter Bauer vs. böser Bauer

…und jeder möchte natürlich zu den „Guten“ gehören…

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit – die Internationale Grüne Woche 2019 öffnete in Berlin ihre Pforten, und das Gerangel um eine „gute“ Landwirtschaft ging in die nächste Runde.

Am Freitag trafen wir uns vor dem Brandenburger Tor. Wir waren dort mit zwei Schleppern mit Überladewagen und angehängter Pflanzenschutzspritze. Mit vielen Landwirten haben wir dargestellt, dass in Deutschland ein Landwirt mittlerweile 145 Menschen ernährt. Ich durfte eine Rede dazu halten, was mir eine große Ehre war. Neben vielen Fakten zu unserer hiesigen Landwirtschaft und der Versorgung mit Lebensmitteln, habe ich ein bisschen etwas über uns und unseren Betrieb erzählt:

Sie fragen sich, wer ist denn dieser Landwirt, der uns ernährt? Oder ist es die sogenannte
„Agrarindustrie“?

Nein, es sind Landwirtsfamilien – ungefähr 270.000 deutschlandweit. Es sind
Landwirtsfamilien wie meine Familie.

Ich komme aus Niedersachsen. Ich bin Tierärztin, mein Mann ist Landwirt. Zusammen
bewirtschaften wir in 4. Generation ein landwirtschaftliches Familienunternehmen. Wir
halten Sauen und beschäftigen 8 Mitarbeiter und drei Aushilfen. Und wir sind ein
Ausbildungsbetrieb.

Wir sind mit Herzblut Schweinehalter. Ackerbau liegt uns nicht. Deswegen arbeiten wir mit
anderen Betrieben in einer Kooperation, die sich auf den Anbau von Getreide spezialisiert
haben. Wir finden, dass wir so eine gute Lösung für uns gefunden haben, da wir uns
ausschließlich um unsere Tiere kümmern können.

Viele Menschen würden uns jedoch als „Massentierhalter“ beschimpfen. Wir sprechen da
ganz offen drüber – jedes Ferkel, das bei uns geboren wird, wird später ein Lebensmittel. Und
dennoch ist für uns jedes unserer Schweine ein Tier, was uns wichtig ist und um das wir uns
kümmern. Und auch wenn wir von Produktion sprechen, ist keines unserer Tiere für uns ein
Produkt, sondern ein Lebewesen, was wir achten.

Wir haben drei kleine Kinder. Der Kleine ist jetzt drei Jahre, unsere Mittlere 4 und der Große 6
Jahre alt.

Unsere drei Kinder gehen gerne mit uns in den Stall. Sie füttern die Tiere, kuscheln mit ihnen,
reiben die kleinen Ferkel nach der Geburt trocken und setzen sie zur Sau. Mir als Mutter geht
das Herz auf, wenn ich sehe, wie unsere Kinder mit unseren Tieren umgehen, wie sie ganz
natürlich mit ihnen aufwachsen – sie den Respekt vor ihnen lernen aber überhaupt keine
Angst haben.

Nur ich habe Angst. Ich habe Angst davor, dass unsere Kinder aufgrund unseres Betriebes
ausgegrenzt werden. Ich habe Angst davor, dass sie beschimpft werden, dass ihnen gesagt
wird, ihre Eltern seien „Umweltverschmutzer“, „Tierquäler“, „Massenmörder“ oder
„stinkende und schmutzige Menschen“.

Wir können das verhindern.

Lassen Sie uns reden – und zwar miteinander und nicht übereinander. Lassen Sie uns
aufeinander zugehen und uns kennenlernen.

Denn nur wenn wir miteinander reden, können wir lernen, die Sorgen und Ängste des
anderen zu verstehen. Deswegen – Dialog statt Protest!

Nach der Aktion kritisierte ein anwesender Landwirt meine Ansprache – wir seien ja bei unserer Größe kein „Familienbetrieb“ mehr. Etwas geknickt über eine solche Aussage von einem Landwirt bin ich irgendwie schon, muss ich gestehen. So habe ich mich jetzt in den letzten Tagen damit beschäftigt, was ist denn eigentlich ein sogenannter „Familienbetrieb“? Da muss es doch eine Definition geben.

Was ist ein „Familienbetrieb“

Also, ab mit dieser Frage in die Google-Suchmaschine – und schnell werde ich fündig: unter anderem bei Billomat:

Bei einem Familienbetrieb beherrschen Familienmitglieder eine Firma. Das bezieht sich auf die Eigentumsstruktur und die Leitung.

oder auch bei Onpulson ist Folgendes zu lesen:

Ein Familienbetrieb, auch als Familienunternehmen bezeichnet, ist ein zumeist kleines oder mittelständisches Unternehmen in Familienbesitz. Die Arbeitskraft von Familienmitgliedern spielt hier eine wichtige Rolle, da der Betrieb häufig innerhalb der Familie vererbt wird.

Familienunternehmen sind durch die Einheit von Eigentum und Leitung geprägt, zugleich liegt die Haftung bzw. das Risiko zumeist bei der Familie des Unternehmers.

Wir haben zwar Mitarbeiter, nur ich frage mich, ob das eine Begründung ist zu sagen, dass wir kein Familienbetrieb seien? Denn dann wäre jeder Handwerksbetrieb kein Familienbetrieb mehr. Ich finde diese Diskussion innerhalb der Landwirtschaft mehr als überflüssig und hoffe, dass dieses mit den oben genannten Definitionen nun endgültig geklärt ist.

Die Satthaber

Am Samstag war dann wieder Karneval in Berlin. In bunten Kostümen, auf Töpfen schlagend lief das besorgte Bildungsbürgertum durch die Stadt. Man hat es anscheinend satt, dass in Deutschland niemand mehr hungern muss. Dazu zum Beispiel die Welthungerhilfe via Twitter:

Es hat schon ein bisschen etwas Satirisches, wenn die Welthungerhilfe twittert, dass sie es satt haben. Letztlich stehen sie dort in einem der reichsten Länder weltweit auf der Straße, das zudem das sicherste Lebensmittelangebot überhaupt hat und demonstrieren für das Recht auf gute Lebensmittel? Ohne Worte.

Und vorab durften wir uns von Tierschutzbundchef Schröder darüber informieren lassen, dass diese Veranstaltung nicht bauernfeindlich sei – er sagt dazu in der TAZ:

Das ist keine Anti-Bauern-Demo, sondern eine bauernfreundliche Veranstaltung. Der Teilnehmerkreis geht quer durch die Gesellschaft. Da sind Tierschützer, Umweltschützer und Bauern und Verbraucher dabei. Der Deutsche Bauernverband sollte endlich verstehen, dass es diesen Gruppen bei „Wir haben es satt“ auch darum geht, die Zukunft des landwirtschaftlichen Raumes und damit des Berufsbildes zu sichern.

Lieber Herr Schröder, WIR fühlen uns diffamiert – wir Landwirtsfamilien.

Wir, die einen landwirtschaftlichen Familienbetriebe führen, empfinden diese Veranstaltung als Anti-Bauern-Demo. Und es mag ja sein, dass die dort Mitlaufenden der Meinung sind, dass wir zu blöd seien, um zu verstehen, dass das offensichtlich alles gar nicht so gemeint ist – nur vielleicht sollten die Menschen, die bei dieser Demo mitlaufen erst einmal verstehen, dass UNS, uns Landwirtsfamilien, diese Art der Demo bis ins Mark trifft und zu tiefst verletzt! Vielleicht sollte auch ein Herr Schröder mal mit uns reden anstatt über uns, um zu verstehen, warum wir uns von dieser Demo angegriffen fühlen.

Wir haben die Agrarindustrie satt – es lebe die Doppelmoral…

Mit großen Schleppern rollt der Protest durch Berlins Straßen – sie haben die „Agrarindustrie“ satt. Das finde ich schon immer etwas surreal – auf der einen Seite regen sie sich über die „Agrarindustrie“ auf, und dann fahren sie mit solchen Maschinen durch Berlin – konsequenterweise wäre Pferd/Ochse und Wagen da doch angebrachter. Nur dann würde sicherlich der angereiste Tierrechtler-Block auf die Barrikaden gehen. Hm, und was spricht gegen einen alten Lanz Bulldog? Ach ja, der bekäme vermutlich keine Feinstaubplakette – tja, dann muss halt die Doppelmoral herhalten. Auf Twitter habe ich dann übrigens erfahren, dass es hier kein Widerspruch vorhanden ist:

Naja. WIR haben Agrarindustrie aber auch nie über den Besitz v Schleppern definiert …

Aber wie gesagt: in meinen Augen hat der Besitz eines Schleppers nix m Agrarindustrie zu tun.

Da habe ich wieder etwas gelernt – man lernt ja nie aus.

…und die Widersprüche.

Und dann sind da noch weitere so offensichtliche Widersprüche in den Forderungen. Auf der Homepage von Wir-haben-es-satt ist zu lesen:

Wir sind die breite Bewegung für die Agrarwende, für den Umbau der Landwirtschaft, für Klimagerechtigkeit, für artgerechte Tierhaltung, für gerechten Handel, für viele Bauernhöfe, für gute Landwirtschaft und gutes Essen für alle.

Dazu war folgendes Transparent auf der Straße zu sehen:

 

Diese Forderung ist ja soweit okay, allerdings müsste mir das Bündnis einmal erklären, wie das mit der Forderung nach mehr „Klimagerechtigkeit“ zusammen geht? Und was ist eine „artgerechte“ Tierhaltung – gibt es außerhalb der Natur Artgerechtigkeit?

Fazit: the same procedure as last/every year 

Allgemein, Bauern, Ernährung, Kuhmilch, Landwirtschaft, Markt, regional, Schweinehaltung

Bruchhausen-Vilsen – regional dicht an Schleswig-Holstein

Da steht man in Bruchhausen-Vilsen im REWE und zack, da hat man das Bundesland verlassen…

Wir waren einkaufen – neugierig stöbern wir durch unseren örtlichen REWE. Wir gehen hier gerne einkaufen, weil wir hier durchaus fündig werden, wenn es um regionale Produkte geht.

Käse, Milch, und vieles mehr von hier

Unser REWE legt wert auf Regionalität. Das finden wir toll. So verkaufen sie beispielsweise den köstlichen Käse von Hof Bünkemühle. Direkt im Laden befindet sich eine „Milchtankstelle“ vom Milchhof Troue, wo man sich die frische Weidemilch selber abfüllen kann. Außerdem wird dem Kunden in der Kühltheke eine Vielzahl leckerer Produkte der Asendorfer Molkerei angeboten.

Und auch bei den Eiern, Obst und Gemüse hat der Kunde die Möglichkeit Produkte von regionalen Bauern zu kaufen. Selbst die Chips für einen gemütlichen Abend sind aus der Region – denn wir haben hier bei uns die Produktion der Krossen Kerle mehr oder weniger „umme Ecke“.Das ist richtig klasse.

Und das Fleisch?

Auch beim Fleisch wirbt unser REWE mit Regionalität – soweit so gut. Ich meine, wir haben hier in der Gegend ja auch eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweinehaltung. Und mit der Schlachterei Pleus auch durchaus einen Schlachthof, der kurze Transportwege garantieren kann.

Jedoch bietet unser REWE uns regionales Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein an:

Wir fragen uns, lieber REWE, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kollegen in Schleswig-Holstein einen guten Job machen und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugen. Und sicher ist Schleswig-Holstein für uns hier näher als beispielsweise Bayern.

Besser – weil’s von hier ist

Aber mal ehrlich – von „HIER“? Wir haben alleine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen so viele Schweine wirklich direkt von hier (geboren, aufgezogen und gemästet innerhalb der Samtgemeinde, geschlachtet in Niedersachsen), die wir bei bestem Willen nicht alle aufessen können.

Lieber REWE, frag doch mal uns Landwirte vor Ort! Wir garantieren Regionalität!

Fazit

Nicht überall, wo „regional“ draufsteht, ist auch „regional“ drin.

 

Allgemein, Initiative Tierwohl, Landwirtschaft, Schweinehaltung

Unangekündigtes Audit für die Initiative Tierwohl

Gestern war Mittwoch, dass heißt Absetztag. Wir fangen pünktlich um sechs Uhr an: füttern, Kot schieben, Wasser geben, Ferkel versorgen, usw. – halt alles, was wir jeden morgen machen. Und dann ist heute noch Absetzen: nach der ersten Versorgung der Tiere heißt es zunächst alle 60 Sauen der Absetzgruppe aus dem Abferkelstall holen und ins Deckzentrum bringen.

Danach werden die Ferkel aus den Buchten geholt und zunächst auf dem Zentralgang „geparkt“. Sie werden nun nach Geschlecht sortiert. Beim Einsetzen der Ohrmarken ziehen wir den kleinen Sauen die Ohrmarke in das rechte Ohr ein, und die kleinen Eber bekommen ihre Ohrmarke links. Jetzt beim Absetzen können wir so schnell die Ferkel sortieren: die Eber mit der Kennzeichnung im linken Ohr werden rausgefangen, die kleinen Sauen in die nächste Bucht getrieben. Damit das Ganze einigermaßen zügig geht, sind bei uns alle beim Absetzen mit eingebunden.

Es klingelt am Tor

Und dann klingelt es plötzlich am Tor: „Ich komme von der Firma SGS und möchte einmal die Anforderungen der Initiative Tierwohl bei Ihnen prüfen.“ Na prima, das hat uns ja heute noch gerade gefehlt…

Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn er in zwei Stunden wiedergekommen wäre, weil dann schon die Ferkel vom Zentralgang verschwunden und im Ferkelstall gewesen wären, und wir auch schon das Frühstück fertig gehabt hätten. Nur unangekündigt heißt halt auch unangekündigt.

In unsere Teilnahmeerklärung haben wir unterschrieben, dass wir jederzeit angemeldete und unangemeldete Audits durch die von der Trägergesellschaft zugelassenen
Zertifizierungsstellen, Mitarbeiter der Trägergesellschaft oder von der Trägergesellschaft beauftragte Personen auf meinem Betrieb zulassen und die erforderlichen Prüfungen sowie Einsicht in die erforderlichen Dokumente gewähren.

Das Audit

Nach dem Reinduschen (ja, auch der Auditor muss bei uns „schweinefrei“ sein und duschen) geht’s in den Stall. Wir gehen mit ihm alle Teile des Stalles durch – er schaut sich unsere Tiere und unseren Stall an: der Auditor achtet auf die Tiergesundheit, die Tränken, die Belegdichte, die Aufstallung und natürlich auf die Einhaltung der angegebenen Tierwohlkriterien.

Wir haben für unseren Betrieb in der aktuellen Tierwohlrunde folgende Kriterien ausgewählt:

  • 10% mehr Platzangebot in der Gruppenhaltung als Pflichtanforderung
  • ständiger Zugang zu Raufutter in der Gruppenhaltung
  • Bereitstellung von organischem Nestbaumaterial
  • Scheuermöglichkeiten in der Gruppenhaltung
  • Saufen aus der offenen Tränke in der Gruppenhaltung und im Abferkelbereich

Für diese Zusatzleistungen bekommen wir 2,80€ pro abgesetztem Ferkel. Das ist durchaus viel Geld, jedoch wurde diese Leistung in diesem Jahr gekürzt, beziehungsweise wurden die Kriterien angepasst. Letztlich gibt es nun eine geringere Auswahl an Wahlkriterien und der maximale Beitrag pro Ferkel wurde somit auch begrenzt.

In der ersten Tierwohlrunde konnten wir noch mehr Wahlkriterien angeben und haben diese auch vergütet bekommen:

  • zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial
  • vierwöchige Säugezeit
  • Wühlerde für die Ferkel in der Abferkelbucht

Nun war für uns die Frage, was machen wir nach der Beendigung der ersten Runde? Streichen wir unseren Tieren die Tierwohlkriterien, die wir nun nicht mehr bezahlt bekommen?

Tierwohl für unsere Tiere, nicht ausschließlich für die ITW

Wir haben uns natürlich dafür entschieden, unseren Tieren weiterhin diese Dinge zur Verfügung zu stellen. Denn auch in der jetzigen Phase bekommen wir nicht alles bezahlt – die 2,80€ sind mit den ersten beiden der oben genannten Kriterien schon erreicht. Für die zusätzlichen Kriterien würden wir „eigentlich“ noch 0,30€ mehr bekommen – und in der ersten Runde bekamen wir noch über 5,-€ pro Ferkel. Dennoch halten wir an unseren „Wahlkriterien“ fest. Denn wir haben diese Dinge schon vor der Initiative Tierwohl für unsere Tiere gemacht und gesehen, dass es einen wirklichen Mehrwert für die Tiere bringt. Uns ist es wichtig, dass es unseren Tieren gut geht.

Wir finden es gut, dass es die Initiative Tierwohl gibt, und dass es über diesen Weg eine finanzielle Entschädigung für ein Mehr an Tierwohl gibt. Ich muss jedoch ganz ehrlich gestehen, dass ich es traurig finde, dass nun in der zweiten Runde diese Gelder pro Betrieb schon wieder gekürzt wurden – denn so standen auch andere Tierhalter vor der Entscheidung, die nicht finanziell ausgeglichenen Tierwohlkriterien weiter umzusetzen oder wieder einzustellen – und bei der derzeitigen finanziellen Lage der Ferkelerzeuger kann ich jeden verstehen, der sich dafür entschieden hat, das wieder zurückzufahren.

Und letzten Endes ist es auch hier wieder so, dass die Landwirte, die wie wir da weiter dran festhalten, auf den Mehrkosten für ein Mehr an Tierwohl sitzen bleiben, da eben offensichtlich niemand bereit ist, dieses auf Dauer zu bezahlen.

Unangekündigtes Audit – noch schnell alles in Ordnung bringen?

Lasst mich noch schnell ein paar Dinge zum Audit an sich sagen. Es wird häufig den Tierhaltern/Behörden/Kontrollinstanzen vorgeworfen, dass solche Audits/Überprüfungen immer angekündigt stattfinden. Ihr seht, das ist mit Nichten der Fall. Und trotz dessen, dass unser Prüfer zunächst durch die Dusche musste, ist es für uns nicht möglich, all diese Anforderungen noch schnell in 5 Minuten zu erfüllen – soll heißen: wir arbeiten so, dass wir diese Kriterien zu jeder Zeit erfüllen können. Wir schaffen es nun mal bei bestem Willen nicht, innerhalb von ein paar Minuten, den kompletten Betrieb einmal auf „links zu ziehen“. Deswegen ist es für mich so wichtig, dass wir Kriterien für uns ausgewählt haben, die wir auch „leben“, d.h. wo wir wissen, dass sie ein Mehr an Tierwohl für unsere Tiere darstellen, und wir sie deswegen auch gerne erfüllen.

Dennoch ist es auch so, dass solche „Spotaudits“ manchmal wirklich nerven – denn auch wir sitzen nicht den ganzen Tag im Stall rum und warten darauf, dass ein Prüfer für ein Audit zu uns kommt. Und es gibt halt Tage wie heute, wenn Absetztag ist, wo das echt doof ist. Nur hier ist auch noch ein großer Unterschied, was für ein Audit/eine Überprüfung stattfindet. Das heutige Tierwohlaudit war zeitlich recht schnell erledigt – wenn jedoch eine Überprüfung mal schnell ein paar Stunden in Anspruch nimmt, ist es einfach schöner, wenn dieser Termin abgesprochen bzw. angekündigt ist. Und dabei geht es nicht darum, dass wir diese Zeit brauchen, um unseren Stall in Ordnung zu bringen, sondern dass dann die Zeit einfach da ist, die eine solche Kontrolle in Anspruch nimmt, ohne dass die Versorgung unserer Tiere darunter leidet.

Fazit

Lange Rede, kurzer Sinn: wir haben das Audit bestanden.

Allgemein, Ferkelkastration, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Wem nützt die Pressemitteilung zu Isoflurangeräten der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau?

Die Diskussionen um die Ferkelkastration unter Betäubung gehen weiter. Jetzt hat sich ebenfalls unsere Berufsgenossenschaft eingeschaltet. In einer Pressemitteilung heißt es, dass sich der Präventionsausschuss in einem Zwischenbericht kritisch hinsichtlich des Anwenderschutzes bei der Isofluran Inhalationsnarkose geäußert hat. Dazu ist heute bei Top Agrar online zu lesen:

Man sehe daher weiteren Forschungs-, Untersuchungs- und Entwicklungsbedarf.

Ein entsprechender Zwischenbericht der SVLFG liegt nach deren Angaben dem Bundeslandwirtschaftsministerium vor.

Wir hatten die Pressemitteilung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (kurz SVLFG) bereits am Freitag gelesen und daraufhin unsere Berufsgenossenschaft telefonisch kontaktiert. Am Telefon konnte man uns nicht weiterhelfen und bat uns stattdessen um eine E-Mail.

Viele offene Fragen…

Gesagt getan – wir schrieben der SVLFG eine Mail. Wir gaben an, dass wir Ferkelerzeuger sind und großes Interesse an einer Betäubung mittels Isofluran bei der Ferkelkastration haben. Deshalb interessiert es uns, mit welchen Geräten gearbeitet und welche Mängel festgestellt wurden. Und ob aufgrund der Messungen die SVLFG uns ein Gerät empfehlen kann. Zusätzlich wollten wir wissen, was wir beim Arbeiten mit Isofluran bzw. dem Gerät beachten sollten.

…(k)eine Antworten…

In der ersten Antwortmail heißt es:

Es wurden von der SVLFG Isofluran-Messungen an Narkosegeräten von zwei verschiedenen Herstellern durchgeführt. Hieraus ergab sich, dass beide Hersteller der Narkosegeräte nachbessern müssen. Dies haben wir den Herstellern mitgeteilt. Wir gehen davon aus, dass die Hersteller dann in der Lage sind, die Nachbesserungen vorzunehmen.

Wir hakten noch einmal nach:

Vielleicht haben wir uns missverständlich ausgedrückt. Ihre Antwort hilft uns leider in keinster Weise weiter. Nach unseren Informationen gibt es zur Zeit zwei Anbieter aus der Schweiz und die Firma Schippers, die recht neu auf dem Markt ist. Welche Geräte, von welchen Herstellern und mit welchem Baujahr sind getestet worden, und welche Schwachpunkte sehen Sie genau bei den einzelnen Geräten?

Auch darauf (k)eine Antwort:

Aus datenschutzrechtlichen Gründen gegenüber den Herstellern können wir Ihnen leider nicht mitteilen, welche Hersteller wir beraten haben. Aus Datenschutzgründen können wir kein Gerät empfehlen. Wir beobachten den Markt und führen weitere Messungen durch.

…und die Hersteller?

Wir telefonieren mit einem der Hersteller. Offensichtlich wurde deren Gerät getestet. Sie wurden telefonisch von der SVLFG kontaktiert. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass das Gerät im Test war und ihnen wurde Unterstützung bei der Weiterentwicklung angeboten. Allerdings erhielten sie weder einen Zwischenbericht noch eine Mängelliste geschweige denn eine Auflistung von Korrekturmaßnahmen – kurz gesagt, es gab keine Informationen für den Hersteller.

Unser Fazit

Wir fragen uns, wozu macht die SVLFG diese Messungen, wenn sie weder den Herstellern noch uns als Versicherte die Ergebnisse mitteilen? Um auf unsere Eingangs gestellte Frage zurückzukommen – so nützt die Pressemitteilung eigentlich niemandem: den Herstellern nicht und uns als Versicherte nicht. Die Geräte sind im Verkauf, und es gibt letztlich keinerlei Informationen. Wir sind enttäuscht. Für uns sieht eine konstruktive Zusammenarbeit einfach anders aus. Die Eingangsfrage bleibt unbeantwortet: wem nützt das?

Allgemein, Kommentar, Landwirtschaft, Tierrechtler

Was Trump kann, kann das Deutsche Tierschutzbüro schon lange

Das Deutsche Tierschutzbüro hat in einem Rinderschlachthof in Oldenburg Tierschutzverstöße aufgedeckt. Aktivisten haben dieses im September und Oktober 2018 mit versteckten Kameras in mehrere hundert Stunden Videomaterial dokumentiert und an das Deutsche Tierschutzbüro übergeben. Die Recherche-Ergebnisse wurden Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Oldenburg zusammen mit der Veterinärmedizinerin Dr. Claudia Preuß-Ueberschär und der Juristin Dr. Davina Bruhn vorgestellt.

Fachpresse unerwünscht

Zur Pressekonferenz wurde eingeladen – neben einer Meldung bei Presseportal wurden auch Einladungen verschickt, auch an den DLV beziehungsweise die Land & Forst. Eine Anmeldung war erforderlich, so dass sich auch die Vertreter von der Land & Forst höflich angemeldet haben. Nur die Pressekonferenz war, auch wenn man zunächst eingeladen wurde, offensichtlich nicht für jeden zugänglich – so erfolgte dann die telefonische Ausladung – dazu Ralf Stephan, Chefredakteur der Land & Forst:

 Nachdem wir uns höflich angemeldet hatten, klingelte das Telefon: Ihr kommt hier nicht rein. Natürlich kann jeder private Verein bestimmen, wen er wo dabei haben will. Aber wenn ich erst einlade und dann sortiere, kriegt es ein Geschmäckle. Erst recht, wenn ein Verein gemeinnützig sein möchte.

In Deutschland herrscht Pressefreiheit. Die Pressefreiheit ist ein Grundrecht. Es ist die Freiheit, Tatsachen, Meinungen (Gedanken), Stellungnahmen und Wertungen durch jede Art von Druckerzeugnissen (z. B. Bücher, Zeitungen, Flugblätter) zu verbreiten. Sie wird durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG zusammen mit dem Recht der freien Berichterstattung durch Rundfunk und Film verfassungsrechtlich gewährleistet.

Pressefreiheit adé

Für uns ist es vollkommen unverständlich, dass das Deutsche Tierschutzbüro hier so agiert. Wenn sie einen Skandal aufdecken, der mit der Landwirtschaft zu tun hat, wäre es wichtig, auch die Landwirte in der Region zu informieren. Deswegen ist es absolut befremdlich, dass gerade die landwirtschaftliche Fachpresse von dieser Pressekonferenz ausgeschlossen wird. Ralf Stephan ist der Auffassung:

Mit der LAND & Forst hätte man fast 90 % der Landwirte in NDS erreicht. Die wären natürliche Verbündete, wenn es um tierschutzgerechten Umgang mit Schlachtvieh geht. Darum geht es Peifer aber gar nicht.

 

Allgemein, Bullerbü, Kommentar, Landwirtschaft, Politik

Wenn Widerstand zur Pflicht wird, was wird dann aus dem Recht?

Jedes größere Projekt, was in Deutschland in die Planungsphase geht, findet binnen kürzester Zeit Gegner. Es werden Probleme konstruiert und somit Ängste geschürt, um auf diesem Wege Mitstreiter und Geld zu akquirieren. Prominente Beispiele sind Stuttgart 21 oder auch ganz aktuell Hambi.

Wie im Großen so im Kleinen

Auch bei vielen geplanten landwirtschaftlichen Projekten finden wir diesen Mechanismus wieder – egal ob Stallneubau oder Biogasanlage, sogar bei traditioneller Weidehaltung wird protestiert:

Sein Ziel: ein komplettes Verbot der Weidehaltung auf dem Grundstück...

Der Lärm durch die Kuhglocken sei unzumutbar, schildert die Richterin die Argumente des Nachbarn. Seine Frau leide deswegen unter Schlaflosigkeit und „depressiven Verstimmungen“. Dazu komme der Gestank des Kuhmists, der Insekten anlocke, die wiederum Krankheiten übertragen, so der Kläger. Überdies habe sein Haus durch die Weide 100000 Euro an Wert verloren. Und nicht zuletzt seien die Glocken ohnehin Tierquälerei, argumentiert der Anwalt.

Aus diesem Grund überlegt sich ein Landwirt eher dreimal, ob er überhaupt in eine Projektplanung einsteigt. Es besteht halt immer die Gefahr, dass eine solche Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt wird. Denn selbst wenn eine Planung genehmigungsfähig ist, werden durch öffentlichen Druck Planungen zurückgezogen.

Innovationen im Bereich Tier- und Umweltschutz werden verhindert

Die Konsequenzen aus diesem öffentlichen Druck sind, dass alte Stallanlagen länger betrieben und nicht erneuert werden und innovative Stallbausysteme, die eine Verbesserung im Bereich Umwelt- und Tierschutz bieten würden, nicht gebaut werden.

Die Folgen in den Dörfern

In den Dörfern kommt es zu einer Spaltung der Gesellschaft. Auf einmal bilden sich zwei Lager – die einen, die hinter der Familie stehen und ein anderes Lager, die sich gegen das Projekt aussprechen. Die Diskussion über solche Bauprojekte verlässt sehr schnell die Sachebene. Es gibt Fälle, da wird das Ganze auf dem Rücken der Familien und häufig auch der Kinder ausgetragen: die Kinder werden nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, die Familie wird beim Dorffest gemieden.

Ist jedes Mittel recht?

Ein aktueller Fall aus Hessen zeigt wie weit einige bereit sind zu gehen. Ein Landwirt stellt einen Bauantrag für einen Hähnchenmaststall. Mit diesem weiteren Betriebszweig möchte er den landwirtschaftlichen Betrieb in die nächste Generation zu führen. Es bildet sich eine Bürgerinitiative „Pro Waldeck“. Es wird eine online-Petition ins Leben gerufen. Die Gegner mobilisieren rund 400 Teilnehmer für eine Menschenkette über die Eder-Sperrmauer als Protest gegen die Hähnchen-Mastanlage. Auch das Hessenfernsehen in Form von hr-„Klartext“-talk war zu Gast in Waldeck – es wurde live über den Stallbau debattiert, Und zu guter Letzt wurde versucht, dem Landwirt die Existenzgrundlage „Acker“ zu entziehen. Der Landwirt hat kreiseigene Flächen gepachtet. Die Grünen stellten einen Antrag, dass geprüft werden soll, ob eine vorzeitige Auflösung des Pachtverhältnisses möglich ist. Die Gefahr, durch politische Entscheidungen im Kreistag die gesamte wirtschaftliche Existenzgrundlage des bisherigen Ackerbaubetriebes zu verlieren, ist so groß, dass die Familie sich entschlossen hat, den Bauantrag zurückzuziehen.

Wir fassen noch einmal kurz zusammen:

Der Landwirt hat keine Straftat begangen, sondern hat sich an dieser Stelle immer an geltendes Recht und Gesetz gehalten: er hat einen Bauantrag gestellt und ein BImSch-Verfahren bis zum heutigen Zeitpunkt durchlaufen, wie es im Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland vorgeschrieben ist. Die Fraktion der Grünen im Kreistag hat dieses rechtsstaatliche Verfahren durch den gestellten Antrag unterlaufen und damit den Landwirt und seine Familie in äußerste Bedrängnis gebracht.

Unser Kommentar

Wir stellen uns die Frage – wo kommen wir eigentlich hin, wenn Bauvorhaben nicht mehr den normalen, vorgesehenen Amtsweg gehen können, sondern „politisch“ entschieden werden? Diese aufgebaute Drohkulisse ist ein Paradebeispiel für den Untergang der politischen Kultur, aber auch des fairen Umgangs miteinander.