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Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

Bildquelle: pigbusiness.nl

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Diese Aktivisten haben ohne mit der Wimper zu zucken den gesamten Betrieb, alle Tiere des Bestandes, in Gefahr gebracht – und das scheint ihnen für ihre mediale Aufmerksamkeit auch vollkommen egal zu sein. Es waren Aktivisten aus Holland, Belgien und Deutschland vor Ort. Aufgrund der Gefahr der Einschleppung einer Tierseuche (in Belgien gibt es zur Zeit etliche Fälle von afrikanischer Schweinepest) steht es im Raum, dass die niederländischen Behörden vorsorglich den gesamten Schweinebestand dieses Betriebes töten lassen.

Sehr geehrte Tierrechtler, das habt Ihr dann zu verantworten!

Ich finde es beschämend, dass diese Menschen sich überhaupt keine Gedanken über uns und unsere Tiere machen. Es geht ihnen nur um ihr eigenes kleines Ego – um die Aktion, um die mediale Aufmerksamkeit. Niemand von diesen Aktivisten denkt an die Tiere, an die Menschen, an die Familien hinter den Betrieben.

Liebe Kollegen – lasst uns zusammenhalten!

Richtig klasse fand/finde ich die Solidarität in den Niederlanden unter den Landwirten. Innerhalb kürzester Zeit sind viele Kollegen zum Betrieb gefahren, um sich solidarisch zu zeigen. Sie haben die Familie super unterstützt. Auch im Netz war der Zusammenhalt enorm – einfach richtig klasse!

Meine Gedanken sind, wie auch die vieler unserer Berufskollegen, bei der Familie des Betriebes. Diese wurden am Verlassen des Stalles gehindert und so quasi in Geiselhaft genommen. Es tut mir unendlich leid, was Ihr am Montag für ein Leid ertragen musstet. Wir stehen hinter Euch und werden Euch unterstützen, wo wir können. Wir hoffen inständig, dass Eure Tiere nicht getötet werden müssen. Falls es doch sein muss, werden wir ein Spendenkonto einrichten, damit Ihr möglichst schnell wieder Euren Betrieb aufbauen könnt.

Lasst uns zusammenstehen, auch grenzübergreifend!

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Allgemein, Bauern, Familie, Initiative Tierwohl, Kommentar, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Wie unsere Forderungen nach mehr Tierwohl Drittländer stärkt…

Ob Initiative Tierwohl, der Haltungskompass des Lebensmitteleinzelhandels oder die staatliche Tierwohlkennzeichnung des Bundesministeriums – keine Veränderung ist genug. Kaum hat Frau Klöckner die Kriterien für das staatliche Label vorgestellt, hagelt es auch schon Kritik von allen Seiten:

Die Anforderungen sind zu lasch!

Eine Teilnahme darf nicht freiwillig sein, die Landwirte müssen verpflichtet werden!

Wir brauchen eine Agrarwende – jetzt!

Brauchen wir die? Und vor allem – müssen wir die übers Knie brechen? Ja, es geht mal wieder ums liebe Geld. Die Forderungen nach schnellen Veränderungen in der Tierhaltung sind immer sehr interessant – gefordert wird viel in wenig Zeit, spätestens wenn die Frage nach der Finanzierung kommt, ist Stillschweigen im Walde. Nur diese Frage ist neben den baurechtlichen Fragen, die elementarste.

Die deutschen Sauenhalter haben in der jüngsten Vergangenheit 11,-€ Verlust am Ferkel gemacht (Quelle: NOZ) – wo soll denn bitte schön das Geld für große Investitionen herkommen? Und nein, das ist nun keine vorgeschobene Ausrede, um nichts verändern zu wollen – so sieht es leider gerade in den Betrieben aus. Und es sieht nicht gut aus.

Denn was allzu gerne vergessen wird, wir müssen von unseren Betrieben leben, unsere Betriebe ernähren unsere Familien. Und wenn wir unsere Familien nicht mehr von unseren Betrieben ernähren können, dann werden wir nicht in mehr Tierwohl investieren, sondern den Betrieb einstellen. Bei der NOZ heißt es weiter:

Insgesamt nimmt die Zahl der Sauenhalter seit Jahren ab. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden 2018 noch 7800 entsprechende Betriebe gezählt – 50 Prozent weniger als zu Beginn des Jahrzehnts. Vor allem kleine Sauenhaltungen werden aufgegeben.

Zur Freude der Drittländer

Die Konsequenz daraus ist, dass die Tierhaltung abwandert und zwar in Länder, in denen wir überhaupt keinen Einfluss mehr auf die Haltung der Tiere haben. Dem Tierschutz leisten wir damit einen Bärendienst.

Wie das dann aussieht, konnten wir die Tage am Beispiel von Hähnchenbrüsten verfolgen:

Ein ukrainischer Geflügelkonzern darf keine Hühnerbrüste in die EU liefern. Die EU fordert seit Jahren die Einhaltung der EU-Tierschutzrichtlinien, was die Ukraine jedoch gepflegt aussitzt. Und was macht der Konzern? Er greift zu einem Trick: anstatt die schieren Brüste zu liefern, verbleibt ein Knochen an der Brust. Damit ist aus dem besten Stück des Huhns ein minderwertiges Teil geworden, was unbegrenzt in die EU geliefert werden darf. Nun wird innerhalb der EU der Knochen entfernt, die Hühnerbrüste bekommen noch einen Aufkleber „EU-Produkt“ und dürfen fleißig verkauft werden, und zwar sogar als EU-Produkt in Drittländer. „Kannste Dir nicht ausdenken,“ mögen viele von Euch nun denken.

Nur die EU kann das sogar noch toppen: sie sind nämlich hinter den Knochen Trick gekommen. Und anstatt da nun durchzugreifen, Pfeifen sie auf die EU-weiten Tierschutzstandards und erhöhen mal eben die Menge der Hühnerbrustimporte.

(Die ganze Geschichte gibt’s hier: Kurier.at)

Es geht nur mit den Landwirten und Zeit

Wenn wir weiterhin die Landwirtschaft mit dem Wunsch nach mehr Tierwohl überfordern, wandert die Tierhaltung zwangsläufig in andere Länder ab. Auf die Tierschutzstandards in diesen Ländern haben wir keinerlei Einfluss. Uns muss allen klar sein, wenn wir die Tierhaltung exportieren, exportieren wir auch den Tierschutz. Wir brauchen Zeit, um…

  • ein finanzielles Polster für Investitionen aufzubauen
  • die z.T. widersprüchlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen (Baurecht/Umweltauflagen/Tierschutz)
  • bessere Konzepte zu entwickeln, die auch in der Praxis ein Mehr an Tierwohl bringen (ich denke da an die Forderungen nach freien Abferkelungen: Ich sehe gerade bei den Bewegungsbuchten einen ganz großen Zielkonflikt mit dem Tierschutz – wir werten hier die Bewegungsfreiheit der Sauen höher als das Leben der Ferkel. Mit welchem Recht tun wir das?)

Lasst es uns gemeinsam anpacken!

Allgemein, Ferkelkastration, Landwirtschaft, Schweinehaltung

Kastrieren unter lokaler Betäubung – (wie) geht das?

„Männliche Ferkel kastrieren mit Betäubung“, so titelte „Unser Land“ am 12.10.2018 um 19.00 Uhr im BR.

In der Mediathek heißt es dazu weiter:

Ferkel kastrieren ohne Schmerzausschaltung ist ab 1. Januar 2019 verboten. Was dann? Die Mehrheit der Bauern plädiert für den sogenannten 4. Weg: eine lokale Betäubung mit dem Anästhetikum Procain. Das Problem: Procain ist für den Einsatz bei Tieren, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, noch nicht zugelassen. Außerdem ist fraglich, ob damit wirklich eine Schmerzausschaltung garantiert ist.

Tatsächlich hat der Wirkstoff „Procain“ schon lange eine Zulassung und ist zur Zeit das einzige zugelassene Lokalanästhetikum für lebensmittelliefernde Tiere. Das Präparat „Isocain“ ist bereits seit dem 08.10.2008 für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde zugelassen.

Nun aber zum Film an sich:

Herr Dr. Randt vom Tiergesundheitsdienst Bayern (TGD) propagiert die Lokalanästhesie als seit Jahrzehnten bewährte Methode, sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Recht hat er, die Lokalanästhesie ist eine gute und bewährte Methode für viele kleinere und größere Eingriffe. Nur ob die Kastration von männlichen Ferkeln auch dazuzählt, mag ich hier bislang nicht eindeutig mit „ja“ beantworten.

Umsetzbarkeit im Betrieb

Ich halte die Umsetzbarkeit im Betrieb für sehr schwierig bis nicht erfüllbar, und das möchte ich Euch anhand des Filmes verdeutlichen – deshalb schaut Euch doch bitte zuerst den Film an:

„Männlicher Ferkel – kastrieren mit Betäubung“

Dr. Lisa Louis (wir haben übrigens in Hannover zusammen studiert) möchte in einem „Praxistest“ die vermeintliche Wirksamkeit der Lokalanästhesie unter Praxisbedingungen zeigen. Bereits die Injektionstechnik verwundert allerdings. Das Präparat darf nicht in die Blutbahn, da es sonst zu Herzrhythmusstörungen bis hin zu Kammerflimmern kommen kann. Deswegen wird in der Packungsbeilage darauf hingewiesen, dass eine korrekte Platzierung der Kanüle durch Aspirieren (kurzes Aufziehen der Spritze nach dem Einstechen und gucken, ob Blut kommt) sicher zu stellen ist. Wie in dem Video zu sehen ist, verabreicht die Tierärztin das Präparat mit einer Multidosierspritze mit aufgesetzter Arzneiflasche. Mit dieser Injektionstechnik ist es allerdings unmöglich, die korrekte Platzierung der Kanüle zu überprüfen.

Bei der Dosierung wird beim rechten Hoden 1,5 Mal abgedrückt, beim linken Hoden zweimal. Wie die Dosierung insgesamt ist – 1,5-2 ml, weiß man nicht. In der Packungsbeilage vom Isocain ist zu lesen, dass eine Überdosierung zu vermeiden ist:

Da Überdosierungen und intravasale Injektionen mit einem hohen Risiko für zentrale und kardiale Effekte (konzentrationsabhängig zentrale Erregung bzw. Depression, Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern) verbunden sind, ist auf genaue Dosierung und sorgfältige Injektionstechnik zu achten.

Obendrein läuft ein großer Teil der Injektion sofort wieder heraus – von einer präzisen Dosierung kann hier keine Rede sein. Der Produktinformation des Herstellers zu Isocain ist jedoch zu entnehmen:

Die Gesamtdosis soll 5 mg Procainhydrochlorid pro kg Körpergewicht (6 µg Epinephrin pro kg) entsprechend 2,5 ml Isocain ad us. vet. pro 10 kg Körpergewicht nicht überschreiten.

Demnach dürfte ein 1 kg schweres Ferkel nur insgesamt 0,25 ml Isocain erhalten – das wären dann 0,125 ml je Injektionsstelle. Wieviel Procain insgesamt verabreicht wurde, lässt sich in dem Film ja nur erahnen – ich würde jedoch mal ganz frech behaupten, dass die Dosierung nicht so genau genommen wurde.

Ferkel zeigen ein Schmerzgesicht

Zur Injektion erklärt dann die Tierärztin, dass grundsätzlich jede Injektion schmerzhaft ist. Dem ist auch definitiv so – jedoch gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass genau diese Injektion mit Procain schmerzhafter ist, als die Kastration ohne Betäubung. Weiterhin heißt es, dass die Ferkel immer schreien – „Schreien ist Normalverhalten vom Schwein“ – hm, das sehe ich etwas anders. Unsere Ferkel schreien in der Regel nicht. Sie schreien jedoch, wenn sie Stress haben. Wenn sie Schmerzen haben, schreien Ferkel allerdings eher nicht bzw. weniger. Sie schreien nicht, weil sie dadurch Fressfeinde anlocken würden. Die Vokalisation der Tiere zur Beurteilung von Schmerzen heranzuziehen, ist schon etwas fragwürdig. Deshalb ist die Konsequenz – das Ferkel schreit bei der Injektion/der Kastration nicht mehr als vorher, es spürt also keine Schmerzen – nicht haltbar. Schweine – besonders Ferkel zeigen stattdessen ein sogenanntes „Schmerzgesicht“.

Bildquelle: Development of a Piglet Grimace Scale to Evaluate Piglet Pain Using Facial Expressions Following Castration and Tail Docking: A Pilot Study.

 

Betäubung sitzt? Trial and error!

Nach einer Wartezeit von 45 min werden die Ferkel erneut eingefangen, bekommen ein Schmerzmittel und werden dann mit einer Zange kastriert. Dazu werden sie zwischen den Beinen des Landwirts fixiert – er kann das Gesicht (s.o. Schmerzgesicht) nicht sehen. Es erfolgt vorher keinerlei Kontrolle hinsichtlich des Erfolgs der Betäubung – es ist ein „trial and error“. Die Ferkel werden kastriert – anhand der „nicht Abwehrbewegungen“ des vollkommen fixierten (!) Ferkels geht man davon aus, dass die Betäubung sitzt. Dass der Landwirt beim kneifen/schneiden ebenfalls die Hinterbeine fixiert, scheint hier ebenfalls keine Rolle zu spielen. Wie soll das Ferkel in der Position überhaupt strampeln bzw. Abwehrbewegungen zeigen? Bei einem anderen Tier, wo er nur ein Bein fixiert, sind durchaus Abwehrbewegungen zu erkennen.

Hinterher kann ebenfalls sehen, dass die Ferkel Schmerzen spüren – bei 5:08 min ist ein Ferkel zu sehen, das mit dem Schwanz wackelnd und mit dem Hinterbein schlagend durch das Bild läuft. Wenn es keine Schmerzen verspüren würde, würde es nicht diese Abwehrbewegungen machen.

Für mich bleibt die Eingangsfrage – ist der sogenannte vierte Weg eine richtige und gute Methode für die Ferkelkastration? Hierzu meint Professor Dr. Thomas Richter von der TVT (Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz):

Nein, der vierte Weg ist nicht die Lösung, weil das in der Realität unter Praxisbedingungen nicht tierschutzkonform machbar ist. Man muss, wenn man das richtig machen will, die Haut des Hodensacks betäuben – mit einer Injektion. Man muss dann zweitens den Samenstrang, also die Blutgefäße und die Nerven, die aus der Bauchhöhle in den Hodensack ziehen, nochmal betäuben. Das sind vier Injektionen pro Ferkel. So ein kleines Ferkel, das zappelt, das ist ganz schwierig, das wirklich richtig zu treffen. Und wenn man einen durchschnittlichen Betrieb sich anschaut, dann muss der alle drei Wochen an einem Nachmittag 300 Ferkel kastrieren, dass heißt das ist eine Arbeit im Akkord. Das geht sehr, sehr schnell. Und in dieser Zeit – unter den Praxisbedingungen – ist es nicht möglich, ist es nicht vorstellbar, dass die Ferkel alle ordnungsgemäß betäubt sind.

Quelle: Interview mit Prof. Dr. Richter in Unser Land vom 12.10.2018 (ab 13:14 min)

weiterführende Links:

Pain behaviour after castration of piglets; effect of pain relief with lidocaine and/or meloxicam

Untersuchungen zur Wirksamkeit und Gewebeverträglichkeit von Lokalanästhetika bei der Kastration männlicher Saugferkel

Möglichkeiten der Schmerzreduzierung bei der Kastration männlicher Saugferkel

 

 

Allgemein, Landwirtschaft, Schweinehaltung

Tierschutz auf dänisch

Wenn QS, die Politik oder irgendjemand sonst noch einen Beweis dafür braucht, wie ernst den Dänen der Tierschutz ist – hier ist er:

Hintergrund

Ab dem 01.01.2019 ist die betäubungslose Kastration von Saugferkeln verboten. Das deutsche Tierschutzgesetz fordert eine „Schmerzausschaltung“ bei der Kastration. Untersuchungen zeigen, dass eine Lokalanästhesie dieses nicht erreicht. Deshalb ist in Deutschland im Moment diese Art der Betäubung nicht zulässig. In Dänemark sieht das jedoch anders aus.

In Dänemark ist zur Zeit eine Schmerzmittelgabe vorgeschrieben. In Dänemark darf der Landwirt bereits jetzt unter lokaler Betäubung kastrieren. Ab dem 1.1.2019 ist es verpflichtend vorgeschrieben.

Warum interessieren uns die Dänen?

Deutschland importiert etwa 12 Millionen Ferkel pro Jahr – über die Hälfte kommt aus Dänemark.

Auch wenn sie nicht nach deutschem Recht kastriert sind, erhalten diese Tiere bzw. das Fleisch dieser Tiere in Deutschland ein Siegel für Qualität und Sicherheit.

QS = Qualität und Sicherheit?

Alle Partner haben sich vertraglich verpflichtet, nach klar definierten Kriterien sichere Lebensmittel zu erzeugen…

Da stellt sich für mich die Frage, wie diese Kriterien denn nun konkret aussehen. Deshalb habe ich noch weiter bei QS nach einer Antwort gesucht…

Hier heißt es „Leitfaden Landwirtschaft Schweinehaltung“:

Auch in einer Pressemitteilung vom 26.09.2018 heißt es seitens QS:

Die Anforderung im QS-Leitfaden, dass die Ferkelkastration grundsätzlich nur mit Schmerzausschaltung oder Betäubung (also entsprechend den Vorgaben des Tierschutzgesetzes) erfolgen darf, bleibt jedoch bestehen. Damit ist auch klar, dass für Ferkel, Mastschweine und Fleischwaren, die aus dem Ausland ins QS-System geliefert werden, vergleichbare Verfahren verlangt werden.

Dann ist doch eigentlich alles gut – nur was stört mich mein Geschwätz von gestern?

Das wäre es, wenn QS konsequent wäre – nur genau das ist QS leider nicht. QS sieht nämlich keinen Grund, dänische Ferkel aus dem System auszuschließen. Bei agrarheute heißt es dazu:

QS könne nicht die nationalen Unterschiede in den Verfahren ausgleichen und deshalb auch nicht ein Verfahren, das im Ausland zugelassen sei, aber in Deutschland nicht, ausschließen. Die Verfahren, die im Ausland rechtlich zugelassen sind, dürfen bei Tieren, die in das QS-System eingeführt werden, auch angewandt werden.

Fazit

Es ist natürlich einfach, auf die Politik zu schimpfen. Nur sind wir doch mal ehrlich, der Ausstieg ist seit Jahren beschlossen. Natürlich können und wollen wir die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen, nur hier versagen unsere Verbände auf ganzer Linie. Denn letztlich sind es der deutsche Bauernverband und der deutsche Raiffeisenverband, die neben der Fleischwirtschaft und dem Handel Gesellschafter von QS sind und es somit zulassen, dass die Dänen uns am Nasenring durch die Arena ziehen.

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Hormone im Fleisch? Vollkommen normal.

Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird bis das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?

So wird der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz von der Rheinischen Post zitiert. Ja, der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration rückt näher, und der Ton verschärft sich.

Facts not fear – hier die Fakten:

  • Improvac® besitzt keinerlei hormonelle Wirkung.

  • Improvac® hinterlässt im Fleisch keinerlei Rückstände.

  • Fleisch enthält natürlicherweise immer Hormone.

Bedauerlich, dass hier Werner Schwarz stellvertretend für den Deutschen Bauernverband nicht mit Fakten argumentieren kann, sondern versucht mit der Verbreitung von Angst zu punkten.

„Hormone spritzen“ – es geht um Improvac, sprich um eine immunologische Kastration.

Was bedeutet „Immunokastration“?

Bei der Immunokastration wird den Tieren zweimal eine Art Impfstoff (Improvac®) gespritzt. Improvac® ist pharmakologisch gesehen kein richtiger Impfstoff, sondern ein „immunologisches Präparat“. Dieses Präparat wirkt jedoch wie ein Impfstoff.

Improvac® ist kein Hormon

Improvac® enthält ein synthetisches Analogon eines natürlichen Hormons (GnRF). Dieses Analogon ist an ein Trägerprotein gebunden und bildet mit diesem zusammen das Antigen. Dieses Antigen stimuliert die Bildung von GnRF-neutralisierenden Antikörpern. So werden letztlich die Hormone, die für den unangenehmen Geruch/Geschmack bei Eberfleisch verantwortlich sind, nicht gebildet.

Quelle: DLG e.V. – Eberfleisch Teil 1 – Basiswissen

Tierschützer und NGO’s sehen diesen Weg neben der Ebermast als den Königsweg an. Und auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (kurz TVT) fordert die Immunokastration, weil die Schweine dabei unversehrt bleiben. Nur der Deutsche Bauernverband lehnt die vermutlich tierschonenste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration ab.

Weltweit sind immunokastrierte Tiere seit Jahren im Handel. In Belgien, Australien oder Südamerika wird bereits in relevanten Größenordnungen geimpft. Brasilien und Australien exportieren erfolgreich immunokastrierte Tiere, auch beispielsweise nach China.

In Deutschland liegt ebenso seit Jahren Fleisch von immunokastrierten Tieren in den Kühltheken – denn Belgien ist der Vorreiter der Immunokastration und exportiert einen großen Teil seines Fleisches an uns.

Fleisch enthält immer Hormone – auch beim Menschen

Hormone sind natürliche Botenstoffe und sowohl in unserem Körper als auch in nahezu allen Nahrungsmitteln vorhanden. Eine Quelle für hormonell wirksame Substanzen stellen zum Beispiel Schimmelpilze (Zearalenon) dar, die von bestimmten Pilzen gebildet werden und Getreidearten wie Mais, Weizen und Gerste befallen können. Der Einsatz von Hormonen als Wachstumsförderer in der Tiermast ist seit 1988 EU-weit verboten.

Mein Fazit

Veränderungen scheinen vom Bauernverband nicht gewollt. Seit Jahren wird der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration nun ausgesessen. Kurz gesagt – es werden alle möglichen Lösungen negiert:

  1. Ebermast ist nicht flächendeckend umsetzbar
  2. Kastration unter Betäubung ist finanziell nicht darstellbar
  3. Immunokastration lehnt der Verbraucher ab aus Angst vor „Hormonfleisch“

Auch QS beweist angeblich in einer Studie, dass die Immunokastration das größte Skandalpotential hat. Und jetzt, fünf Monate vor Ablauf der Frist, bleibt dieser vorhergesagte mediale Skandal einfach aus – und noch schlimmer – Tierschutzvereine, einige Bioverbände und NGO’s sprechen sich für die Immunokastration aus. Und auch eher kritische Medien wie der Spiegel berichten positiv über die Immunokastration.

So, was bleibt – man inszeniert den Skandal einfach selber und zerstört damit vorsätzlich eine der besten (weil tierschonenste) Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration – um auf eine Alternative zu setzen, die es bislang schlichtweg nicht gibt.

Ich bin maßlos enttäuscht. Ich wünsche mir einen Verband, der nach vorne blickt, der die Zukunft gestalten möchte, der offen ist und auch bereit für Veränderungen. Letztlich disqualifiziert sich der Bauernverband hier als Gesprächspartner in Sachen betäubungsloser Ferkelkastration – und das finde ich wirklich traurig.

Weitere Informationen:

Zulassung Improvac

BfR – Fragen und Antworten zum Thema Hormone in Fleisch und Milch

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

titelt heute Thomas Wengenroth bei Stallbesuch
Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

Wer alternativlos die Einführung des 4. Weges in der Ferkelkastration und, seit Neuestem, eine Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration um fünf Jahre fordert, bewegt sich mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Wand.

Unabhängig forschende Tierärzte sprechen sich gegen den 4. Weg aus, die TVT z. B. schreibt „Injektionen mit der nötigen Genauigkeit tierschonend und wirksam in praxisrelevanter Zeit durchzuführen ist unmöglich.“ Auch die korrekte Dosierung von Betäubungs- und Schmerzmitteln bei fünf Tage alten Ferkeln, stellt – selbst für Tierärzte – eine Herausforderung dar.

Der Deutsche Tierschutzbund bezieht klar Stellung gegen die Methode und ein gemeinsames Positionspapier von Albert Schweitzer Stufung, Vier Pfoten, ProVieh, bmt und Bundesverband Tierschutz listet für diese Variante ausschließlich Nachteile auf (für alle anderen werden dagegen auch Vorteile benannt).

Was also ab dem 1. Januar 2019 passiert, muss jedem heute schon klar sein: Wird der 4. Weg politisch durchgedrückt, bricht ein Shitstorm los. Wird die Frist um fünf Jahre verlängert, passiert genau das Gleiche. Die entsprechenden Presse-Verlautbarungen sind ja fertig und das Datum ist schnell geändert.

Fünf Jahre „Vorwarnzeit“ blieben ungenutzt. Kreative Konzepte wurden nicht mal angedacht, von Anfang an gab es nur stures Beharren, auf einer einzigen Forderung. Das macht nicht gerade Hoffnung für die Zukunft.

Bis vor kurzem war weiten Teilen der Bevölkerung nicht bewusst, dass Eber routinemäßig kastriert werden. Das hat sich geändert. Deswegen sollte sich auch niemand wundern, wenn die nächsten Themen ruck-zuck zu einem einzigen Paket verschnürt werden. Dann gibt es fünf Jahre Frist für Ringelschwanz und Kastenstand. Und im Ergebnis gar keine Schweinehaltung mehr in Deutschland.

PS: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und vielleicht werden ja die nächsten fünf Jahre besser genutzt. Etwa dafür QS die Hölle heiß zu machen, wenn sie ohne weiteres Ferkel akzeptieren, die im Ausland auf eine Weise kastriert wurden, die in Deutschland verboten ist. Oder dafür “4 x D” bekannt zu machen, damit Verbraucher für Tierschutz-Standards hierzulande sensibilisiert werden.

Vielen Dank, lieber Thomas, für diese nüchterne Betrachtung.

 

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Tierrechtler

Der Überbringer der schlechten Nachricht…

… wurde fälschlicherweise schon im alten Griechenland bestraft. Die Frage, die sich stellt ist, wann lernen wir endlich dazu, lassen das und machen uns auf den Weg, um nach Lösungen zu suchen?

Tierschutzkontrollen in den Betrieben

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen hinsichtlich der Häufigkeit von Tierschutzkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben in einem Artikel aufgegriffen. Demnach finden in Niedersachsen rechnerisch in einem Betrieb nur alle 20 Jahre Kontrollen bezüglich Tierschutzgesetz durch das zuständige Veterinäramt statt, auf Bundesebene alle 17 Jahre.

Die Landwirte sind empört

Das Landvolk hat Zweifel an den Zahlen der Komtrolldichte. Auch in den sozialen Medien empören sich Landwirte – vor allem wird der Autor des Artikels auf seine Facebook Seite zum Teil wirklich auf unverschämte Art und Weise angegriffen. Nur warum sind die Landwirte empört? Und wie kommt es nun zu diesen Zahlen?

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

In Deutschland ist es Aufgabe des zuständigen Veterinäramtes, die Anforderungen im Bereich des Tierschutzes zu kontrollieren. Weitere Aufgaben des Veterinäramtes ist zum Beispiel die Lebendbeschau bei Schlachtgeflügel – diese findet bei jedem Durchgang kurz vor dem Verladen statt. Diese Überprüfung ist jedoch keine reine Tierschutzkontrolle und fällt nicht in die Anfrage. In schweinehaltenden Betrieben ist das Veterinäramt weiterhin für die Kontrollen nach Schweinehaltungshygiene-Verordnung zuständig. Aber auch diese Kontrollen sind keine expliziten Tierschutzkontrollen.

Neben den Kontrollen durch das zuständige Veterinäramt haben die Betriebe in Niedersachsen zum Beispiel noch Kontrollen durch das Laves, das Bauamt, durch die Landwirtschaftskammer oder Kontrollen von privaten Initiativen wie durch Q+S oder ITW o.ä.

Kontrollen sind immer unangenehm, aber…

Ich kann durchaus verstehen, dass Landwirte genervt sind, wenn die Forderung nach noch mehr Kontrollen aufploppt. Denn solche Kontrollen kosten jedes Mal Zeit und auch Nerven. Jede Kontrolle, egal durch welche Institution, ist unangenehm. Dennoch sollte sich die Landwirtschaft diesen Schuh nicht anziehen. Es ist kein Verschulden der Landwirtschaft, dass nicht ausreichend Kontrollen im Bereich Tierschutz durch das Veterinäramt statt finden.

Und wenn wir nicht wollen, dass Tierrechtsorganisationen als selbsternannte Stallpolizei auch weiterhin durch deutsche Gerichte freigesprochen werden, weil sie für die Gesellschaft eine wichtige Arbeit leisten, denn täten wir gut daran diesen Missstand nicht zu negieren. Wir sollten nicht den Überbringer der schlechten/unbequemen Nachricht ächten, sondern zu unserem eigenen Schütze mehr Kontrollen durch das Veterinäramt fordern.

Anfrage Bündnis 90/Die Grünen

NOZ Bericht

Stellungnahme des Landvolks

Meinung Dirk Fisser und Diskussion mit z.T. empörten Landwirten

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Ich habe keine Lust mehr…

Gestern war der Tag des Emojis? Wo ist der Kotz Emoji?

Denn gestern machten mal wieder Bilder einer Sauenanlage, dieses Mal aus Brandenburg, den Weg durch die Medien. ARIWA hat mit versteckten Kameras dokumentiert, wie Ferkel illegal getötet werden.

Vielen Dank, liebe „Kollegen“ für diese Bilder. Vielen Dank, dass wir wieder einmal das Quälen von Ferkeln im Fernsehen sehen dürfen. Vielen Dank, dass Ihr damit wieder einmal uns Ferkelerzeuger alle schlecht dastehen lasst. Vielen Dank dafür, dass Ihr damit der Justiz einen Grund mehr gebt, Tierrechtler frei zu sprechen, die illegal in Ställen filmen. Vielen Dank dafür, dass Ihr unsere ganze transparente Arbeit mit Eurer schlecht practice innerhalb von ein paar Minuten zu Nichte macht. Vielen Dank dafür, dass wir nun wieder mit der Sorge leben müssen, dass unsere Kinder gefragt werden, ob ihre Eltern das ebenfalls so machen. VIELEN DANK!!!

Ich bin stinke sauer, denn es ist nicht so schwer zu verstehen, dass ein „Totschlagen“ von Ferkeln verboten ist. Ich bin es so leid, immer wieder diese Bilder im Fernsehen zu sehen. Ich bin es so leid, immer wieder diese Diskussionen führen zu müssen.

Liebe Kollegen – bitte macht Schulungen, die Euch zeigen, wann und wie die Nottötung von Ferkeln/Tieren zu erfolgen haben. Es reicht – das muss endlich aufhören!

Und P.S.: nein, wir machen das nicht so – wir haben mit unseren Mitarbeitern an Schulungen des BSI teilgenommen. Wir haben eine CO²-Box und falls diese mal außer Betrieb sein sollte, haben wir genügend Mitarbeiter im Stall, die sauber einen Kopfschlag und den anschließenden Kehlschnitt durchführen können. Es macht keiner von uns gerne – nur wenn wir ein Tier nottöten müssen, soll das auch schnell und möglichst schmerz- und stressfrei für das Tier erfolgen.

Hier ein paar Links dazu:

https://www.bild.de/video/clip/tierquaelerei/ferkel-erschlagen-animal-rights-watch-56350652.bild.html

https://www.mdr.de/brisant/schockierende-aufnahmen-schweinezuchtbetrieb-brandenburg-100.html

https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1669504/

 

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Inkompetenz in drei Akten…

…oder es kann nicht sein, was nicht sein darf…

Letzte Woche hatte Klaus Alfs ein schon etwas älteres Video von uns und unserem Eber neu aufgepeppt und online gestellt:

Tierleid ohne Ende

1. Akt: die Kommentare

Im Video zu sehen, unser Eber. Nachdem dann sowohl viele Landwirte als auch der Bauernverband Schleswig-Holstein das Video geteilt hatten, kamen auch die ersten selbsternannten Tierrechtler mit ganz viel Meinung auf die Kommentar-Bühne. Sätze wie „die Tiere werden ja nie gekrault“ sind schon fast niedlich, wenn man sie unter ein Video schreibt, wo es um das Streicheln eines Tieres geht.

Besonders schön waren allerdings Kommentare, die ein „tumoröses Geschehen“ bzw. „tumoartige Wucherungen“ unter dem Bauch unseres Ebers erkannt haben wollten. Besonders hervor tat sich hier ein gewisser Peter Hübner. Er kämpft für die Rechte der Tiere. Auf seiner Facebook Seite titelte er:

2. Akt: die Aufklärung

Nun ja, was soll ich als Tierärztin dazu sagen. Ich habe ihn dann auf seiner Seite mehrfach daraufhin gewiesen, dass ich ihn beruhigen könne, der Eber hat keinen Tumor. Es ist letztlich nur der Penis des Tieres in der Vorhaut (bei Ebern ist diese durch eine Art Tasche sehr ausgeprägt, aber vollkommen normal). Zusätzlich dachte ich mir, ich beruhige die Menschen mit einem Video, wo ich unseren Eber und seinen Bauch noch einmal zeige:

Unser Eber und sein Bauch

Jetzt sehe ich heute, dass Gerati das Thema ebenfalls aufgenommen hat:

Gerati: Peter Hübner offenbart seine Inkompetenz

3. Akt: Löschung und Verschlimmbesserung

Und Herr Hübner hat seinen Eingangspost verändert. Die „tumorösen Wucherungen“ sind zu „Ausbuchtungen am ganzen Körper“ geworden – auch irgendwie süß. Meine Kommentare wurden gelöscht – warum, kann ich Euch nicht sagen.  Zudem hat er mich nun auf seiner Seite gesperrt, war ja absehbar.

Tierärzte – Tierschützer – Tierrechtler

Für mich zeigt es wieder einmal mehr, dass es einen riesigen Unterschied zwischen Tierärzten, Tierschützern und Tierrechtlern gibt. Denn Tierärzte sind kompetent, sie haben sich jahrelang während des Studiums intensiv mit dem Thema Tiere, Tierkrankheiten und auch Tierschutz beschäftigt. Tierschützer haben nicht zwangsläufig eine Ausbildung im Fachbereich Tierschutz, jedoch geht es ihnen um die Tiere, um eine Verbesserung im Bereich Tierschutz. Sie eigenen sich das Fachwissen an, was sie zur Umsetzung benötigen. Tierschützer wollen erreichen, dass Tiere in der Landwirtschaft, in Labors und anderswo nicht gequält werden, dass ihre Haltungsbedingungen verbessert und sie, wo nötig, schmerzfrei getötet werden. Die Tierrechtsbewegung grenzt sich von diesen Formen des Tierschutzes ab. Sie fordert vielmehr die Gleichberechtigung aller Tiere, wozu sie auch den Menschen zählt. Hier interessiert Fachwissen überhaupt nicht, es stört sogar eher. Tierrecht basiert auf einer selbst entwickelten Ideologie an der alles andere gemessen wird – hier sind Recht und Gesetz auch außen vor. Es geht einzig und allein um die Ideologie. Ich finde, wir haben hier ein schönes Beispiel, was diese Tatsache wunderbar untermauert.

Nun ja, ich frage mich derweil, ob es noch peinlicher werden kann…