Allgemein, Bayer, Glyphosat, Kommentar, Landwirtschaft, soziale Medien

“Ihr seid doch alle gekauft” – meine Coming Out Story

Die letzten drei Tage war ich in Köln, Rommerskirchen, Monheim und Leverkusen. Ich habe auf Einladung von Bayer am „Future of farming dialogue 2019“ teilgenommen.

Der „future of farming dialogue“ findet jährlich statt. Auch im letzten Jahr durfte ich schon dabei sein. Es ist ein weltweites Treffen von Journalisten, Influencern und Stakeholder. Das Treffen wird (wie oben bereits geschrieben) von Bayer organisiert.

Landwirt*innen treffen sich mit Bayer?

Diese Frage war eine der ersten Reaktionen einer Journalistin auf meinen ersten Tweet zum Treffen:

Und auch weitere kritische Fragen bzw. Kommentare ließen nicht lange auf sich warten:

Mein persönliches Coming Out

Ja, ich denke, es wird Zeit, endlich die „Hose runterzulassen“.

Ja, ich war eingeladen von Bayer.

Ja, Bayer hat die Kosten für die Übernachtung und das Catering während der Veranstaltung übernommen, und wir waren am Montag Abend in der Brauerei „Früh“ zum Essen eingeladen.

Nur im Weiteren muss ich Euch nun enttäuschen – Bayer bezahlt mich nicht. Bayer hat mich nicht verpflichtet, für den Konzern zu sprechen. Bayer erwartet keinerlei Gegenleistung.

Und um auch das gleich klarzustellen: auch vom Bauernverband oder anderen Verbänden oder Unternehmen erhalte ich keinerlei Aufmerksamkeiten.

Ich bin vollkommen unabhängig. Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, was ich twitter, was ich bei Facebook veröffentliche, ist einzig und allein meine eigene Meinung.

Future of farming dialogue

Zurück zum Future of farming dialogue – mein Fazit:

Dieses Treffen war für mich wieder absolut großartig. Auf der einen Seite ist es mega interessant, einen Einblick in die Arbeit von Bayer zu bekommen: wie arbeitet das Unternehmen weltweit, was tut Bayer in Bereichen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, wie ist ihre Zusammenarbeit mit den Landwirten rund um den Globus, wo liegen ihre Forschungsschwerpunkte?

Auf der anderen Seite ist dieses Treffen eine riesige Chance, sich mit anderen Menschen weltweit zu vernetzen. Es kommen zu dieser Veranstaltung Menschen aus über 40 Ländern zusammen, alle haben andere Herausforderungen, jedoch alle dieselbe Leidenschaft und alle dasselbe Ziel: die Welt mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen.

Natürlich ist diese Veranstaltung auch eine PR Veranstaltung für Bayer – nur damit hält der Konzern auch nicht hintern Berg – und das ist auch vollkommen legitim.

Ich wünsche mir zukünftig einen offeneren Umgang (v.a. seitens der Kritiker) mit dem Unternehmen Bayer. Ich habe in den vergangenen drei Tagen wieder einmal ein Unternehmen gesehen, was sich sehr viele Gedanken zu Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität macht, das jedoch die Lebensmittelproduktion für die stetig wachsende Bevölkerung dabei nicht aus den Augen verliert, und welches versucht, den Spagat dazwischen mit uns Landwirten zu meistern.

Anbei noch einige Eindrücke von der Veranstaltung

Allgemein, Bauern, Kommentar, Landwirtschaft, soziale Medien, Tierrechtler

Liebe Medien – shame on you!

Und es hört nicht auf – der nächste Tierschutzskandal?

Und da ist es wieder passiert – diesmal im Allgäu: ein größerer Familienbetrieb soll sich nicht ausreichend um seine erkrankten Kühe gekümmert und nicht gesetzeskonform notgetötet haben. Ich möchte hier nun nichts zu den Bildern und zum Betrieb schreiben, da ich bislang weder die Bilder noch den Betrieb kenne. Und ich möchte auch gleich vorweg sagen, dass ich eine nicht korrekt durchgeführte Nottötung weder gutheißen kann noch will.

Familie an den Pranger

Nur dieses Mal gehen die Medien wieder einen Schritt weiter und für mich viel zu weit. In der Pressemitteilung des SWR heißt es:

Der Milchviehbetrieb XXX (in der Pressemitteilung wird er namentlich genannt) in Bad Grönenbach im Allgäu quält nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sowie den ARD-Politikmagazinen REPORT MAINZ und Fakt seine Tiere.

Ich bin fassungslos – in der Pressemitteilung wird der Betrieb mit Namen und Wohnort genannt. Die Presse stellt die Familie öffentlich an den Pranger – eine Hexenjagd. Und ich frage mich unweigerlich – wie weit soll das Ganze noch gehen? Bis jemand durchdreht und es Tote gibt – sei es durch Suizid oder Mord? Mich macht das fassungslos! Wo ist unser Rechtsstaat bloß hingekommen? Gilt in Deutschland nicht mehr die „Unschuldsvermutung“? Ist es hier nicht einmal so gewesen, dass jemand, bis seine Schuld bewiesen wurde, unschuldig ist? Und hieß es nicht auch einmal „in dubio pro reo“? Lebten wir nicht einmal in einen Rechtsstaat?

Und ich frage mich – wo bleibt der Aufschrei?

Wo sind die Berufskollegen, wo unsere Verbände? Wer denkt an die Familie, an die Kinder bzw. Enkelkinder? Wer denkt daran, dass diese weiterhin in ihrem Dorf wohnen, leben, am Dorfleben teilnehmen? Wir diskutieren über Mobbing bei Bauernhofkindern und parallel sind Landwirtsfamilien in den Medien vogelfrei? Es macht mich unsagbar traurig und furchtbar wütend! Und ich habe Angst – ich habe Angst, dass in naher Zukunft etwas wirklich Schlimmes passieren könnte. Denn die ersten „Reaktionen“ in den sozialen Medien haben nicht lange auf sich warten lassen:

 

 

Im Zeitalter, wo Politiker ermordet werden, ist das Ganze für mich unbegreiflich. Hier wird eine widerliche Hexenjagd betrieben! Das muss aufhören!

Und nur, damit wir uns nicht missverstehen – tierschutzrelevante Vorfälle müssen schnellstens im Sinne der Tiere beseitigt werden – keine Frage. Landwirte und ihre Familien müssen in solchen Fällen nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden – sie brauchen (unsere) Hilfe.

Allgemein, Landwirtschaft

Der Fall Schulze Föcking – eine Hexenjagd

…und es hört nicht auf…

Der WDR hat diese Woche mal wieder den Ball aufgenommen, um gegen die NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking und letztlich auch gegen ihre Familie zu schießen.

Der Konjunktiv und irgendwelche Mutmaßungen beherrschen die Schlagzeilen: „soll“, „möglicherweise“, „vermeintliche Tierschutzverstöße“, „es soll zu Tierschutzverstößen gekommen sein“,…

Zudem heißt es laut WDR: „Tierschutzverband will Eheleuten Schulze Föcking das Halten von Tieren untersagen lassen“. Das ist fast niedlich – bei dem vermeintlichen „Tierschutzverband“ handelt es sich um ARIWA, einer Tierrechtsorganisation. Diese ist fernab vom Tierschutzgedanken. Es geht ihnen auch im Fall Schulze Föcking nicht um das Wohl der Tiere, sondern einzig und allein darum, die Ministerin zu Fall zu bringen. Denn in Nordrhein-Westfalen gibt es (noch) ein Verbandsklagerecht, das auch ARIWA inne hat. Dieses läuft bald aus – ich würde mal sagen, ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Zurück zum WDR – der Beitrag bei Westpol über Ministerin Christina Schulze Föcking ist in sich sehr fragwürdig und wirft für mich einige Fragen auf:
Ministerin im Kreuzfeuer

Herr Bülte behauptet im Beitrag, dass ein nicht aktiver Geschäftsführer verpflichtet sei, Rechtsverstöße zu verhindern und deshalb die Staatsanwaltschaft auch gegen Ministerin Christina Schulze Föcking hätte ermitteln müssen. Da fragen ich mich, welche Rechtsverstöße er konkret meint? Es gab Ermittlungen, und diese ergaben offensichtlich keine Rechtsverstöße – denn das Verfahren (auch gegen ihren Mann) wurde eingestellt.

Im Beitrag wird ein Ausschnitt aus einem „Protokoll“ gezeigt. Dort ist die Rede von Besuchsprotokollen und Abgabe- und Anwendungsbelegen der betreuenden Tierärztin des Betriebes. Diese stammen aus den Jahren 2009-2015. Wir reden hier also über Besuchsprotokolle aus den Jahren 2009-2015 – d.h. selbst das „Aktuellste“ ist bereits 3 Jahre alt? Wie soll ich sagen, das „Problem“ ist im wahrsten Sinne des Wortes bereits lange gegessen.

Weiterhin heißt es in diesem Schriftstück, dass Streptokokken ein „Indikatorkeim für schlechte Haltungsbedingungen“ seien. Diese Darstellung entbehrt jeder fachlichen Grundlage. Streptokokken sind Bestandteile der natürlichen Keimflora des Schweines.
Man findet sie z. B. auch auf den Rachenmandeln gesunder Tiere. Probleme treten auf, wenn es zu einer Absiedelung der Streptokokken über die Blutbahn kommt. Sie gelangen auf diesem Weg in Lunge, Gelenke, Gehirn, Herzbeutel. Dort siedeln sich an, vermehren sich und führen zu Entzündungsprozessen. Diese sind für die typischen Krankheitsbilder der Streptokokken Infektion verantwortlich. Ein solcher Prozess braucht keine lange Zeit (wie Frau Preuß-Überschär behauptet), das kann innerhalb von Stunden passieren. In der Medizin nennt man solche Krankheitsverläufe perakut bzw. akut. Dass es bei einer Streptokokken Infektion sowohl zu perakuten als auch akuten Krankheitsverläufen kommen kann, sollte Frau Preuß-Überschär eigentlich wissen.

Seit dem Auftreten von Circoviren in der deutschen Schweinepopulation bekommen bakterielle Erreger wie Hämophilus parasuis und auch Streptokokken gerade auch in gut geführten Betrieben zunehmend Bedeutung, sprich es handelt sich hierbei nicht um einen Indikatorkeim für schlechte Haltungsbedingungen.

Im Fall Schulze Föcking geht es, wenn man sich die Besuchsprotokolle einmal genauer ansieht, offensichtlich v.a. um Einzeltiere, die betroffen sind. Die bestandsbetreuende Tierärztin hat bei den im Beitrag gezeigten Protokollen dokumentiert, dass der gesamte Bestand ohne besonderen Befund ist. Die „dicken Gelenke“ traten nach den gezeigten Besuchsprotokollen v.a. bei neu eingestallten Tieren auf, so dass eine schlechte Haltung im Betrieb Schulze Föcking als Ursache nicht in Frage kommt.

Frau Preuß-Überschär bewertet hier einen Betrieb anhand einiger Besuchsprotokolle. Sie kennt weder den Betrieb noch hat sie sich bislang vor Ort einen Eindruck von den Tieren gemacht. Das ist fernab einer guten, sonst üblichen, fachlichen Praxis. Es ist eine Unverschämtheit, dem Betrieb hygienische Mängel und ein schlechtes Management zu attestieren, ohne ihn jemals gesehen zu haben.

Im Großen und Ganzen ist es mittlerweile nur noch beschämend, was der WDR hier für eine widerliche Hexenjagd betreibt. Ich frage mich, ob auch in diesem Zusammenhang sich irgendjemand mal Gedanken um den Menschen Christina Schulze Föcking, der hinter der Ministerin steht, macht? Macht sich irgendjemand Gedanken, was diese andauernden Beschuldigungen mit der Familie machen? Christina hat zwei Kinder, die jeden Tag zur Schule gehen (müssen). Nichts, aber auch rein gar nichts von den Vorwürfen konnte bislang verifiziert werden – die Staatsanwaltschaft hat deshalb die Ermittlungen eingestellt. Es ist erbärmlich, dass sich ein Sender des öffentlich rechtlichen Rundfunks so instrumentalisieren lässt. Ich frage mich, was sind das für Menschen, denen das Wohl von Menschen und Familien so egal ist.

Unfassbar ist außerdem, was dieser Sender in den sozialen Medien seinen Kommentatoren durchgehen lässt. Ein Kommentar, in dem es heißt „man sollte sie erschießen“, wurde nach mehrmaliger Nachfrage dann doch entfernt. Ich frage mich, wo ist hier unsere Justiz?

Facebook Screenshot

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Ich finde es unerträglich! Dieses Gehetze muss aufhören!