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Wie Bauern-Bashing zu Kindermobbing wird…

… das fragen sich viele. Geht einfach mal in eine Bücherei, dann wisst Ihr, wie schnell das passieren kann.

Wir gehen regelmäßig in die Bücherei. Unsere Kinder lieben das. Stöbern, blättern, lesen, bunte Bilder anschauen. Auch ich mag es und schaue mir gerne Kinderbücher über Landwirtschaft in unserer Bücherei an.

Theis und ich waren nun letzten Samstag wieder einmal in unserem Ort in der Bücherei bzw. eigentlich wurde das Buch, aus dem ich Euch jetzt ein paar Seiten vorstellen möchte, auf dem Jubiläum der Integrationsgruppen unseres Kindergartens ausgestellt. Dieser Zustand wirkt schon fast ein bisschen wie Realsatire.

Alles lecker

Ich bin jedenfalls auf das Buch „Alles lecker“ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl, erschienen im Klett Verlag, gestoßen.

Auf einer der ersten Seiten ist dann zu lesen, dass es billiger sei, Kälber aus Dänemark zu kaufen, in Deutschland zu mästen und in Italien zu schlachten. Es wird ein „Kälbertransport auf der Autobahn“ illustriert und geschrieben, dass Hersteller von Bio-Lebensmitteln mehr Rücksicht auf Natur und Tiere nehmen. Weiter wird behauptet, dass auf Obst und Gemüse Gift ist.

Quelle: Leseprobe „Alles lecker“

Mir stehen die Tränen im Gesicht

Als ich das gelesen habe, musste ich zunächst einmal tief durchatmen. Davon mal ganz abgesehen, dass viele dieser Behauptungen bei Weitem nicht der Realität entsprechen, habe ich mich gefragt, denkt irgendeiner hier mal an unsere Kinder?

Ich habe da nun dieses Buch in der Hand und sehe im Augenwinkel unsere drei kleinen, quirligen und wirklich fröhlichen Kinder. Und mir schießen beim Gedanken daran, dass ihre Freunde, ihre Klassenkameraden, ihre Freunde im Kindergarten sie mit diesen Behauptungen konfrontieren, die Tränen in die Augen. Denkt diese Kinderbuchautorin auch nur mal eine Sekunde an unsere Kinder, wenn sie solche Zeilen schreibt? Wenn sie suggeriert, dass uns als „Massentierhalter“ die Tiere vollkommen egal sind? Wenn sie andeutet, wir würden unseren Tieren kein gesundes Futter geben, sondern „Wachstumsmittel“ verabreichen?

Bild: hml-art

Leider ist das nicht das einzige Buch, in dem ich solche Dinge lesen musste. Es gibt unendlich viele andere Beispiele. Selbst in Schulbüchern und Lehrmaterialien tauchen immer wieder solche diffamierenden Textpassagen auf. Ich wundere mich nicht mehr, warum Bauernhofkinder zu Mobbing-Opfern werden. Ich bin erschüttert über die Verläge aber auch über die Kultusministerien, die solche Dinge immer noch billigen.

Ich bin fassungslos, dass wir einen Beruf ausüben, uns an Recht und Gesetz halten, uns jeden Tag mit Herzblut um unsere Tiere kümmern, wertvolle und qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen und uns dennoch Sorgen machen müssen, dass unsere Kinder aufgrund unserer Arbeit im Kindergarten, in der Schule, im Freundeskreis gehänselt werden, weil wir in Kinderbüchern als empathielose Tierquäler dargestellt werden.

Bild: hml-art

Ich bitte Sie, das muss endlich aufhören. Bitte denken Sie auch an unsere Kinder – an die Kinder von uns Landwirten! Bitte schützen Sie endlich unsere Kinder! 

Liebe Landwirte,

wenn Eure Kinder zu Opfern geworden sind, bitte holt Euch Rat. Es gibt das landwirtschaftliche Sorgentelefon. Bitte zögert nicht. Den Kontakt findet Ihr hier:

https://www.sorgentelefon-landwirtschaft.de/sorgentelefone.html

Des Weiteren hat der Landfrauenverein Württemberg-Hohenzollern einen sehr guten Leitfaden herausgegeben:

Leitfaden Mobbing_LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern

Allgemein, Bauern, Kommentar, Landwirtschaft, soziale Medien, Tierrechtler

Liebe Medien – shame on you!

Und es hört nicht auf – der nächste Tierschutzskandal?

Und da ist es wieder passiert – diesmal im Allgäu: ein größerer Familienbetrieb soll sich nicht ausreichend um seine erkrankten Kühe gekümmert und nicht gesetzeskonform notgetötet haben. Ich möchte hier nun nichts zu den Bildern und zum Betrieb schreiben, da ich bislang weder die Bilder noch den Betrieb kenne. Und ich möchte auch gleich vorweg sagen, dass ich eine nicht korrekt durchgeführte Nottötung weder gutheißen kann noch will.

Familie an den Pranger

Nur dieses Mal gehen die Medien wieder einen Schritt weiter und für mich viel zu weit. In der Pressemitteilung des SWR heißt es:

Der Milchviehbetrieb XXX (in der Pressemitteilung wird er namentlich genannt) in Bad Grönenbach im Allgäu quält nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sowie den ARD-Politikmagazinen REPORT MAINZ und Fakt seine Tiere.

Ich bin fassungslos – in der Pressemitteilung wird der Betrieb mit Namen und Wohnort genannt. Die Presse stellt die Familie öffentlich an den Pranger – eine Hexenjagd. Und ich frage mich unweigerlich – wie weit soll das Ganze noch gehen? Bis jemand durchdreht und es Tote gibt – sei es durch Suizid oder Mord? Mich macht das fassungslos! Wo ist unser Rechtsstaat bloß hingekommen? Gilt in Deutschland nicht mehr die „Unschuldsvermutung“? Ist es hier nicht einmal so gewesen, dass jemand, bis seine Schuld bewiesen wurde, unschuldig ist? Und hieß es nicht auch einmal „in dubio pro reo“? Lebten wir nicht einmal in einen Rechtsstaat?

Und ich frage mich – wo bleibt der Aufschrei?

Wo sind die Berufskollegen, wo unsere Verbände? Wer denkt an die Familie, an die Kinder bzw. Enkelkinder? Wer denkt daran, dass diese weiterhin in ihrem Dorf wohnen, leben, am Dorfleben teilnehmen? Wir diskutieren über Mobbing bei Bauernhofkindern und parallel sind Landwirtsfamilien in den Medien vogelfrei? Es macht mich unsagbar traurig und furchtbar wütend! Und ich habe Angst – ich habe Angst, dass in naher Zukunft etwas wirklich Schlimmes passieren könnte. Denn die ersten „Reaktionen“ in den sozialen Medien haben nicht lange auf sich warten lassen:

 

 

Im Zeitalter, wo Politiker ermordet werden, ist das Ganze für mich unbegreiflich. Hier wird eine widerliche Hexenjagd betrieben! Das muss aufhören!

Und nur, damit wir uns nicht missverstehen – tierschutzrelevante Vorfälle müssen schnellstens im Sinne der Tiere beseitigt werden – keine Frage. Landwirte und ihre Familien müssen in solchen Fällen nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden – sie brauchen (unsere) Hilfe.