Allgemein, Ferkelkastration, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Wem nützt die Pressemitteilung zu Isoflurangeräten der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau?

Die Diskussionen um die Ferkelkastration unter Betäubung gehen weiter. Jetzt hat sich ebenfalls unsere Berufsgenossenschaft eingeschaltet. In einer Pressemitteilung heißt es, dass sich der Präventionsausschuss in einem Zwischenbericht kritisch hinsichtlich des Anwenderschutzes bei der Isofluran Inhalationsnarkose geäußert hat. Dazu ist heute bei Top Agrar online zu lesen:

Man sehe daher weiteren Forschungs-, Untersuchungs- und Entwicklungsbedarf.

Ein entsprechender Zwischenbericht der SVLFG liegt nach deren Angaben dem Bundeslandwirtschaftsministerium vor.

Wir hatten die Pressemitteilung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (kurz SVLFG) bereits am Freitag gelesen und daraufhin unsere Berufsgenossenschaft telefonisch kontaktiert. Am Telefon konnte man uns nicht weiterhelfen und bat uns stattdessen um eine E-Mail.

Viele offene Fragen…

Gesagt getan – wir schrieben der SVLFG eine Mail. Wir gaben an, dass wir Ferkelerzeuger sind und großes Interesse an einer Betäubung mittels Isofluran bei der Ferkelkastration haben. Deshalb interessiert es uns, mit welchen Geräten gearbeitet und welche Mängel festgestellt wurden. Und ob aufgrund der Messungen die SVLFG uns ein Gerät empfehlen kann. Zusätzlich wollten wir wissen, was wir beim Arbeiten mit Isofluran bzw. dem Gerät beachten sollten.

…(k)eine Antworten…

In der ersten Antwortmail heißt es:

Es wurden von der SVLFG Isofluran-Messungen an Narkosegeräten von zwei verschiedenen Herstellern durchgeführt. Hieraus ergab sich, dass beide Hersteller der Narkosegeräte nachbessern müssen. Dies haben wir den Herstellern mitgeteilt. Wir gehen davon aus, dass die Hersteller dann in der Lage sind, die Nachbesserungen vorzunehmen.

Wir hakten noch einmal nach:

Vielleicht haben wir uns missverständlich ausgedrückt. Ihre Antwort hilft uns leider in keinster Weise weiter. Nach unseren Informationen gibt es zur Zeit zwei Anbieter aus der Schweiz und die Firma Schippers, die recht neu auf dem Markt ist. Welche Geräte, von welchen Herstellern und mit welchem Baujahr sind getestet worden, und welche Schwachpunkte sehen Sie genau bei den einzelnen Geräten?

Auch darauf (k)eine Antwort:

Aus datenschutzrechtlichen Gründen gegenüber den Herstellern können wir Ihnen leider nicht mitteilen, welche Hersteller wir beraten haben. Aus Datenschutzgründen können wir kein Gerät empfehlen. Wir beobachten den Markt und führen weitere Messungen durch.

…und die Hersteller?

Wir telefonieren mit einem der Hersteller. Offensichtlich wurde deren Gerät getestet. Sie wurden telefonisch von der SVLFG kontaktiert. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass das Gerät im Test war und ihnen wurde Unterstützung bei der Weiterentwicklung angeboten. Allerdings erhielten sie weder einen Zwischenbericht noch eine Mängelliste geschweige denn eine Auflistung von Korrekturmaßnahmen – kurz gesagt, es gab keine Informationen für den Hersteller.

Unser Fazit

Wir fragen uns, wozu macht die SVLFG diese Messungen, wenn sie weder den Herstellern noch uns als Versicherte die Ergebnisse mitteilen? Um auf unsere Eingangs gestellte Frage zurückzukommen – so nützt die Pressemitteilung eigentlich niemandem: den Herstellern nicht und uns als Versicherte nicht. Die Geräte sind im Verkauf, und es gibt letztlich keinerlei Informationen. Wir sind enttäuscht. Für uns sieht eine konstruktive Zusammenarbeit einfach anders aus. Die Eingangsfrage bleibt unbeantwortet: wem nützt das?

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Wenn Widerstand zur Pflicht wird, was wird dann aus dem Recht?

Jedes größere Projekt, was in Deutschland in die Planungsphase geht, findet binnen kürzester Zeit Gegner. Es werden Probleme konstruiert und somit Ängste geschürt, um auf diesem Wege Mitstreiter und Geld zu akquirieren. Prominente Beispiele sind Stuttgart 21 oder auch ganz aktuell Hambi.

Wie im Großen so im Kleinen

Auch bei vielen geplanten landwirtschaftlichen Projekten finden wir diesen Mechanismus wieder – egal ob Stallneubau oder Biogasanlage, sogar bei traditioneller Weidehaltung wird protestiert:

Sein Ziel: ein komplettes Verbot der Weidehaltung auf dem Grundstück...

Der Lärm durch die Kuhglocken sei unzumutbar, schildert die Richterin die Argumente des Nachbarn. Seine Frau leide deswegen unter Schlaflosigkeit und „depressiven Verstimmungen“. Dazu komme der Gestank des Kuhmists, der Insekten anlocke, die wiederum Krankheiten übertragen, so der Kläger. Überdies habe sein Haus durch die Weide 100000 Euro an Wert verloren. Und nicht zuletzt seien die Glocken ohnehin Tierquälerei, argumentiert der Anwalt.

Aus diesem Grund überlegt sich ein Landwirt eher dreimal, ob er überhaupt in eine Projektplanung einsteigt. Es besteht halt immer die Gefahr, dass eine solche Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt wird. Denn selbst wenn eine Planung genehmigungsfähig ist, werden durch öffentlichen Druck Planungen zurückgezogen.

Innovationen im Bereich Tier- und Umweltschutz werden verhindert

Die Konsequenzen aus diesem öffentlichen Druck sind, dass alte Stallanlagen länger betrieben und nicht erneuert werden und innovative Stallbausysteme, die eine Verbesserung im Bereich Umwelt- und Tierschutz bieten würden, nicht gebaut werden.

Die Folgen in den Dörfern

In den Dörfern kommt es zu einer Spaltung der Gesellschaft. Auf einmal bilden sich zwei Lager – die einen, die hinter der Familie stehen und ein anderes Lager, die sich gegen das Projekt aussprechen. Die Diskussion über solche Bauprojekte verlässt sehr schnell die Sachebene. Es gibt Fälle, da wird das Ganze auf dem Rücken der Familien und häufig auch der Kinder ausgetragen: die Kinder werden nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, die Familie wird beim Dorffest gemieden.

Ist jedes Mittel recht?

Ein aktueller Fall aus Hessen zeigt wie weit einige bereit sind zu gehen. Ein Landwirt stellt einen Bauantrag für einen Hähnchenmaststall. Mit diesem weiteren Betriebszweig möchte er den landwirtschaftlichen Betrieb in die nächste Generation zu führen. Es bildet sich eine Bürgerinitiative „Pro Waldeck“. Es wird eine online-Petition ins Leben gerufen. Die Gegner mobilisieren rund 400 Teilnehmer für eine Menschenkette über die Eder-Sperrmauer als Protest gegen die Hähnchen-Mastanlage. Auch das Hessenfernsehen in Form von hr-„Klartext“-talk war zu Gast in Waldeck – es wurde live über den Stallbau debattiert, Und zu guter Letzt wurde versucht, dem Landwirt die Existenzgrundlage „Acker“ zu entziehen. Der Landwirt hat kreiseigene Flächen gepachtet. Die Grünen stellten einen Antrag, dass geprüft werden soll, ob eine vorzeitige Auflösung des Pachtverhältnisses möglich ist. Die Gefahr, durch politische Entscheidungen im Kreistag die gesamte wirtschaftliche Existenzgrundlage des bisherigen Ackerbaubetriebes zu verlieren, ist so groß, dass die Familie sich entschlossen hat, den Bauantrag zurückzuziehen.

Wir fassen noch einmal kurz zusammen:

Der Landwirt hat keine Straftat begangen, sondern hat sich an dieser Stelle immer an geltendes Recht und Gesetz gehalten: er hat einen Bauantrag gestellt und ein BImSch-Verfahren bis zum heutigen Zeitpunkt durchlaufen, wie es im Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland vorgeschrieben ist. Die Fraktion der Grünen im Kreistag hat dieses rechtsstaatliche Verfahren durch den gestellten Antrag unterlaufen und damit den Landwirt und seine Familie in äußerste Bedrängnis gebracht.

Unser Kommentar

Wir stellen uns die Frage – wo kommen wir eigentlich hin, wenn Bauvorhaben nicht mehr den normalen, vorgesehenen Amtsweg gehen können, sondern „politisch“ entschieden werden? Diese aufgebaute Drohkulisse ist ein Paradebeispiel für den Untergang der politischen Kultur, aber auch des fairen Umgangs miteinander.

Allgemein, Frag den landwirt, Glyphosat, Kommentar, Landwirtschaft, Politik

Glyphosat-Verbot durch die Hintertür: wenn es die EU nicht regelt, muss es doch noch anders gehen…

Umweltbundesministerin Schulze legte gestern einen Plan für einen Glyphosat-Ausstieg vor. Dazu soll die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung geändert werden. In der Pressemitteilung dazu heißt es:

Der einfachste Weg, ein Verbot des Wirkstoffs auf EU-Ebene, ist bis Ende 2022 verbaut, weil der frühere Bundeslandwirtschaftsminister in Brüssel für eine erneute Genehmigung des Wirkstoffes gestimmt hat – entgegen der Abmachung der damaligen Bundesregierung. Jetzt müssen wir alle rechtlichen Hebel nutzen, die uns auf nationaler Ebene für einen Glyphosat-Ausstieg zur Verfügung stehen. 

Umweltbundesamt Präsidentin Maria Krautzberger dazu weiter:

Solange Glyphosat in der EU zugelassen ist, ist es rechtlich nicht möglich, seinen Einsatz im Rahmen des Zulassungsverfahrens ganz zu verhindern. Gleichwohl müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um die schlimmsten Auswirkungen auf die biologische Vielfalt abzuwenden, indem wir neue und wirksame Auflagen vorschreiben.

Quelle: BMU

Wir fassen noch einmal zusammen: Weil Glyphosat aufgrund der Zulassung nicht verboten werden kann, will das Umweltbundesministerium nun ein indirektes Verbot einleiten, indem sie Verbote in die Anwendungsverordnung aufnehmen, was wiederum einem Verbot gleichkommt. Dadurch wird der Einsatz quasi unmöglich. Das Bundesumweltministerium erzeugt also ein Verbot durch die Hintertür.

Entwicklung neuer Alternativen

Und es wird noch besser. Das Bundesministerium fordert tatsächlich die Pflanzenschutzmittelhersteller auf, innerhalb von 3 Jahren Alternativen zu entwickeln und anzubieten. Die Zulassungsverfahren dauern jedoch gerne auch mal bis zu 10 Jahren. Zudem fordern sie für jedes Pflanzenschutzmittel, was die Biodiversität schädigt, neue Naturschutzauflagen. Ich stelle mir die Frage, wie das in der Praxis bei einem Herbizid aussehen kann bzw. soll?

Was sagen Landwirte dazu?

Gestern habe ich bei dazu in den sozialen Medien viele Meinungen gelesen. Eine hat mich durchaus nachdenklich gestimmt, deswegen möchte ich sie Euch hier nicht vorenthalten. Sie ist von Henrik Brunkhorst.

Henrik Brunkhorst

Henrik hat eine landwirtschaftlichen Ausbildung gemacht und danach an der Hochschule Osnabrück Agrarwissenschaften studiert. Er ist Bachelor of Science. Gemeinsam mit seinen Eltern bewirtschaftet er einen Ackerbaubetrieb mit einer Biogas-Anlage in Schöttlingen im Landkreis Stadthagen.

Vor einem halben Jahrhundert war die Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln einer der größten technischen Fortschritte. Endlich war es möglich, Missernten durch Pilze, Insekten, Viruserkrankung oder Unkräuter zu verhindern. Wissenschaftler bekamen Nobelpreise. Es war möglich, die insbesondere in den Städten wachsende Bevölkerung zu ernähren und Hungersnöte in Deutschland in die Geschichtsbücher zu verbannen.

 

Im Laufe der Zeit haben sich die Pflanzenschutzmittel immer weiter entwickelt – sie wurden nach ökologischen Gesichtspunkten erforscht, Aufwandmengen wurden reduziert und die Ausbringtechnik ist dank GPS zentimetergenau. Gefährliche Stoffe wurden verboten.

Landwirte bekommen in Deutschland heute die beste Ausbildung weltweit, um Pflanzenschutzmittel anwenden zu dürfen. Wir haben den Lebenszyklus der Krankheiten und Unkräuter studiert und setzen, auch aus ökonomischen Gründen, Pflanzenschutzmittel und insbesondere Glyphosat nur dann ein, wenn es keine vernünftige Alternative gibt.

Doch unsere Gesellschaft ist satt, es geht uns gut. Lebensmittel gibt es im Überfluss. Trotz Dieselkrise verdienen wir bei VW und Co. ein halbes Vermögen. Die Regale stehen voll. Die Meinung der Umweltverbände zählt mehr als wissenschaftliche Erkenntnisse. Warum sollten wir also nicht Glyphosat verbieten? Oder alle Pflanzenschutzmittel? Machen wir alle Bio, ernten die Hälfte und kaufen den Rest vom Weltmarkt. Wir können es uns doch leisten und in Südamerika achtet man ja auf die Umwelt. Und das Kind in Afrika wird schon noch eine Kokosnuss finden. Oder flieht nach Deutschland, bei Edeka gibt es genug Kokosnüsse…

Wie seht Ihr diesen Vorstoß des Bundesumweltministeriums? Schreibt uns gerne.

Ferkelkastration, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Offener Brief an QS zum Thema Ferkelkastration

Sehr geehrter Herr Dr. Nienhoff,

seit der Düsseldorfer Erklärung verfolgen wir die Debatte um das Thema der betäubungslosen Ferkelkastration. Nun ist es Herbst 2018, der Ausstieg steht zum 01.01.2019 bevor, und es sind immer noch keine flächendeckenden Lösungen gefunden. Die Bundesländer lehnten im Bundesrat eine Fristverlängerung ab, das hat die Branche geschockt. Nun arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetzesentwurf, der eventuell noch eine Verlängerung der Frist bringen könnte.

Am 13.03.2017 hat der Fachbeirat Rind und Schwein richtig erkannt, dass es zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen wird, wenn im Ausland nach niedrigeren Tierschutzstandards kastriert werden kann und dann die Tiere bzw. das Fleisch nach Deutschland importiert und mit QS-Siegel verkauft werden dürfen. In Ihrer Pressemitteilung heißt es dazu korrekterweise:

Um einer zu erwartenden Wettbewerbsverzerrung entgegen zu wirken, hat der QS-Fachbeirat Rind und Schwein die QS-Anforderungen schon jetzt klargestellt. Demnach gelten ab dem 1. Januar 2019 für alle QS-Teilnehmer – im In- und Ausland – die Vorgaben des deutschen Tierschutzgesetzes zur betäubungslosen Ferkelkastration.

Besonders wichtig ist, dass diese Vorgaben auch für Tiere und Fleisch gelten, die aus dem Ausland über die Anerkennung anderer Standards in das QS-System geliefert und vermarktet werden. Darüber hinaus geht es nicht allein um die Tiere, sondern auch um Mastschweine und Schweinefleisch, das von Ferkeln stammt, die chirurgisch kastriert sind. Der Beschluss hat also sowohl Gültigkeit für die Landwirtschaft als auch für alle nachgelagerten Produktions- und Vermarktungsstufen.

 

Auch in der Pressemitteilung zum Positionspapier vom 19.04.2018 heißt es noch:

Die gesetzlichen Voraussetzungen für die eingesetzten Methoden werden sich in den Herkunftsländern auch zukünftig unterscheiden. QS wird allerdings Alternativverfahren nur akzeptieren, die der Vorgabe Betäubung oder Schmerzausschaltung gerecht werden. Für Lieferanten ins QS-System wird der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten, erläutert Nienhoff. Das heißt: Auch Sauenhalter im Ausland, die ihre Tiere an Schweinemäster im QS-System liefern, müssen ab 2019 die Anforderungen des deutschen Tierschutzgesetzes erfüllen. Außerdem dürfen im QS-System Schweinefleisch und Schlachtschweine auch aus dem Ausland nur dann vermarktet werden, wenn auch die Ferkel, die ab 2019 geboren werden und chirurgisch kastriert werden, nach den Anforderungen des deutschen Tierschutzgesetzes behandelt wurden.

Entsetzt hat uns diesbezüglich die Kehrtwende von QS hinsichtlich des Imports von Ferkeln, die mittels CO²-Narkose bzw. Lokalanästhesie kastriert wurden. Bei agrarheute heißt es dazu am 17.07.2018:

QS könne nicht die nationalen Unterschiede in den Verfahren ausgleichen und deshalb auch nicht ein Verfahren, das im Ausland zugelassen sei, aber in Deutschland nicht, ausschließen. Die Verfahren, die im Ausland rechtlich zugelassen sind, dürfen bei Tieren, die in das QS-System eingeführt werden, auch angewandt werden.

QS könne nicht geradebiegen, was die Politik vermasselt habe. Abgesehen davon würden wohl viele deutsche Mäster protestieren, wenn plötzlich keine Ferkel mehr aus Dänemark oder Niederlande nach Deutschland importiert werden dürften.

 

Wir stellen uns nun die Frage, wann und vor allem aus welchem Grund QS hier die klare Haltung in den vorherigen Pressemitteilungen aufgegeben hat?

 

Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Nadine & Heinrich Henke
Brokser Sauen

Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Lidl’n lohnt sich

Thomas Wengenroth hat einen sehr schönen Artikel bei Stallbesuch geschrieben, den ich hier freundlicherweise ebenfalls veröffentlichen darf – vielen Dank dafür!

Lidl’n lohnt sich – über Tierwohl, das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration, die Zukunft der Schweine-/Sauenhaltung und Deutschland und überall anders in Europa/auf der Welt:

Das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration kommt. Ob früher oder doch noch etwas später, ist eigentlich  egal. Beschlossen ist das Ende auf jeden Fall und dass innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre eine Methode entwickelt wird, die a) Tierhalter anwenden können und b) der Forderung nach „Schmerzausschaltung“ genügt, ist eher fraglich. Bedenkt man den Anästhesie-Aufwand bei Kleintieroperationen, wird dies deutlich.

Ein Unternehmer aber fragt sich ja immer: wie lässt sich die Geschichte ins Positive drehen?

Verändern sich die Anforderungen des Marktes, kann der Einzelne reagieren, mit Direktvermarktung z. B., wenn Regionalität gefordert wird. ei der Ferkelkastration allerdings ist die gesamte Branche gefordert, wenn massenhafter Ausstieg nicht Realität werden soll. Benjamin Steeb, Geschäftsführer der Lidl Stiftung, hat auf dem Veredelungstag kürzlich den Lösungsweg beschrieben: „deutsche Produkte mit Mehrwerten ausstatten“.

Für den Verbraucher müssen Vorteile erkennbar sein, wenn er Schweinefleisch aus deutscher Produktion kaufen soll. Die schmerzlose Kastration männlicher Ferkel kann, als Tierschutz-Maßnahme, ein solches Plus gegenüber Importware sein. Genau wie die Initiative Tierwohl (ITW).

Lidl sieht für sein Fleischangebot zukünftig vier Stufen: 1 – gesetzlicher Standard, 2 – ITW, 3 – das hauseigene Label-Programm und 4 – Bio. Mittelfristig soll jedoch die zweite Stufe Standard werden und die ITW zur zentralen Platt- form. Bemerkenswert ist hierbei, dass ja bereits die erste Stufe „gesetzlicher Standard“ automatisch auch bedeuten muss „schmerzfrei kastriert“. Denn nur vom deutschen Gesetz kann hier ja wohl die Rede sein.

Daraus ergibt sich zweierlei: jeder Erzeuger muss ins Programm der Initiative Tierwohl aufgenommen werden, wenn er die entsprechenden Bedingungen erfüllt und die Zahlungen des Lebensmitteleinzelhandels müssen entsprechend erhöht werden. Wenn nun auch noch QS die schonende Ferkelkastration in den Kriterienkatalog aufnähme, wäre jedem  Verbraucher vermittelbar, dass er beim Kauf von deutschem Schweinefleisch aktiv etwas für den Tierschutz tut.

Auf diesem Weg wären dann auch die nächsten Herausforderungen „Kastenstand“ und “Kupierverzicht“ zu stemmen. Kostenführerschaft werden wir in Deutschland kaum je erreichen. Aber Tierschutz kann sich die Branche auf die Fahne schreiben und sie zum Qualitätsmerkmal für deutsches Fleisch machen.

Quelle: Stallbesuch: Lidl’n lohnt sich

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Die große Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

Jetzt ist es passiert – zunächst drei, mittlerweile 9 bestätigte Fälle von Afrikanischer Schweinepest (kurz ASP) in Belgien. Sie ist in Westeuropa angekommen, nur wie geht es jetzt weiter? Ganz viele Fragen – ich möchte versuchen, einige hier für Euch zu beantworten…

Was ist die Afrikanische Schweinepest (=ASP)?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Krankheit, die durch ein Virus übertragen wird. Die Afrikanische Schweinepest betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine.

Ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen gefährlich?

Nein, die ASP ist NICHT auf den Menschen übertragbar. Bei der ASP handelt es sich also um keine Zoonose, d.h. auch der Verzehr von Fleisch von betroffenen Tieren ist für den Menschen ungefährlich.

Ist die Afrikanische Schweinepest für meinen Hund/meine Katze gefährlich?

Nein, die ASP ist ebenfalls für Hunde und Katzen und andere Haustiere (mit Ausnahme von Schweinen wie z.B. Hängebauchschweine oder Mini Pigs) vollkommen ungefährlich.

Aber…

…sowohl Menschen als auch Haustiere kommen als Überträger der ASP in Frage. Die Übertragung findet zum einen durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Sekrete, Blut, Sperma) oder durch die Aufnahme von Speiseabfällen statt. Denn in rohem Fleisch oder Rohwürsten (wie z.B. Salami) von erkrankten Schweinen hält sich das Virus über Monate, und kann so nach Aufnahme die Tiere infizieren.

Auf der anderen Seite spielen indirekte Übertragungswege wie Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände (z.B. Jagdausrüstung), landwirtschaftlich genutzte Geräte, Maschinen, Kleidung, aber auch der Überträger (Vektor) Haustier (z.B. Jagdhund, streunende Katze) eine große Rolle. In diesem Fall ist der Kontakt mit Blut der effizienteste Übertragungsweg.

Wie sehen an ASP erkrankte Schweine aus?

Wenn der Verlauf sehr schnell ist (wir reden von „perakut“, innerhalb von Stunden bis 2 Tagen) sterben die Tiere einfach, ohne große Symptome gezeigt zu haben.

Bei einem schnellen („akuten“) Verlauf (3-14 Tage) zeigen die Tiere eine komplette Störung des Allgemeinbefindens: hohes Fieber, Fressunlust, Blutbildveränderungen, Durchfall oder auch Verstopfung, punktförmige Blutungen auf den Organen und Schleimhäuten, Blaufärbung der Haut, neurologische  Symptome. Die meisten Schweine sterben innerhalb kurzer Zeit.

punktförmige Blutungen am Ohr eines an ASP erkrankten Schweines (Quelle:
https://www.aphis.usda.gov/aphis/newsroom/publications)

Bei einem mäßig schnellen („subakuten“) Verlauf (14-30 Tage) zeigen die Tiere wellenförmig hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Schwäche, Atembeschwerden, Durchfall, Sauen verferkeln, die Haut verändert sich ebenfalls – sie kann punktförmige Blutungen zeigen und/oder Blauverfärbungen. Die Sterblichkeitsrate liegt bei einem mäßig schnellen Verlauf allerdings „nur“ bei ca. 30 – 70 %.

Der Krankheitsverlauf kann allerdings auch „chronisch“ sein, d.h. langsam und lang andauernd. Chronische Verlaufsformen haben keinen klar bestimmbaren Ausgangspunkt, sondern entwickeln sich langsam und schleichend. Sie bestehen über einen langen Zeitraum. Ein chronischer Krankheitsverlauf ist bei der ASP eher selten, jedoch sind die Tiere aus Tierseuchensicht die schlimmsten – denn sie zeigen nur unspezifische Krankheitserscheinungen, sterben nicht, sondern kümmern vor sich hin. Sie sind häufig ständiger Träger des Virus (sog. „Virämiker“) und verbreiten es daher munter weiter.

Können wir kranke Schweine heilen/therapieren?

Nein, eine Therapie der ASP ist zum einen nicht möglich und zum anderen sogar verboten. ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Es gelten strenge Bekämpfungsmaßnahmen (s.u.).

Können wir gegen ASP impfen?

Es existiert kein Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest, so dass wir nicht impfen können. Eine Impfung ist wie auch ein Heilversuch nach der Schweinepest-Verordnung verboten.

Was passiert, wenn bei einem Wildschwein die ASP festgestellt wird?

Nach Anzeige des Krankheitsausbruchs übernimmt das zuständige Veterinäramt die Bekämpfung der Seuche gemäß der „Schweinepest-Verordnung“.

Die zuständige Behörde legt ein „gefährdetes Gebiet“ um die Abschuss- oder Fundstelle des Wildschweins und ein Gebiet um das gefährdete Gebiet als „Pufferzone“ fest. Diese Gebiete werden mit Schildern an den Zufahrtsstraßen gekennzeichnet. Betriebe mit Hausschweinen, die in diese Gebiete fallen, haben die Tiere vor Kontakt mit Wildschweinen zu schützen, dürfen keine Schweine auf öffentlichen Wegen treiben und müssen sich an diverse Hygieneregeln halten, um eine Ausbreitung auf die Hausschweine zu verhindern.

Wie kann die ASP bei Wildschweinen am besten bekämpft werden?

Das ist eine gute Frage – und ein Balanceakt auf dem Drahtseil. Auf der einen Seite ist eine massive Bejagung eine Möglichkeit – jedes erlegte Wildschwein kann die ASP nicht mehr weiter verbreiten. Auf der anderen Seite kann die Behörde eine Jagdsperre verhängen – denn eine intensive Jagd bringt sehr viel Unruhe in die Rotten, so dass eine weitere Verbreitung stattfinden kann.

Wichtig ist, dass halt auch Jäger sich an die strengen Hygieneanforderungen halten, und die Vorgaben der Veterinärämter erfüllen.

Jeder Hundebesitzer hilft der Bekämpfung, wenn er auch außerhalb der Brut- und Setzzeit seinen Hund an der Leine führt.

Wenn bei einem Wildschwein ASP festgestellt wurde, müssen dann die Schweine der sich im „gefährdeten Gebiet“ befindlichen Betriebe gekeult werden?

Nein, die Schweine werden nicht automatisch getötet, allerdings gibt es sehr viele Beschränkungen, vor allem was den Transport von Tieren angeht, innerhalb und auch außerhalb dieses Gebietes (z.B. für Tiere, die kurz vorher aus diesem Gebiet verbracht wurden).

Was passiert, wenn ein Schweinebestand mit Hausschweinen ASP hat?

Die zuständige Behörde muss den Ausbruch amtlich bekannt geben. Es werden Proben genommen und typisiert. Die Tiere des betroffenen Betriebes werden alle getötet. Der Betrieb muss Schilder mit der Aufschrift  „Afrikanische Schweinepest – Unbefugter Zutritt verboten“ anbringen und seine Hunde und Katzen einsperren.

Um den Betrieb wird im Radius von 3km ein Sperrgebiet errichtet. In diesem Sperrgebiet werden innerhalb von 7 Tagen alle Schweine klinisch (und auch serologisch) untersucht. In diesem Gebiet herrscht ein absolutes „Standing still“, d.h. keine Transporte, keine weiteren Besamungen, hier geht zunächst nichts mehr. Das ist gerade bei Sauenhaltern ein riesiges Problem, weil natürlich weiterhin die Sauen abferkeln, die Ferkel jedoch (wenn die Ferkelaufzucht/die Mast an einem anderen Ort stattfindet) nicht mehr transportiert werden dürfen.

Um das Sperrgebiet wird ein Beobachtungsgebiet von mindestens 7km Radius gelegt (zusammen sollen Sperrgebiet und Beobachtungsgebiet mindestens einen Radius von 10km haben). Auch im Beobachtungsgebiet herrscht ein „Standing still“ (s.o.). Wenn im Beobachtungsgebiet Schweine verenden oder erkrankt sind, führt die Behörde eine serologische und virologische Untersuchung der Schweine durch.

Das sind nur einige Maßnahmen, die im Falle der Feststellung der ASP greifen – wer es genauer wissen möchte, kann die Maßnahmen in der „Schweinepest-Verordnung“ nachlesen.

Was passiert mit einem „Kontaktbetrieb“?

Das Veterinäramt ordnet für einen Kontaktbetrieb eine behördliche Beobachtung für die Dauer von mindestens 40 Tagen an, kann jedoch auch, wenn es erforderlich ist, die sofortige Tötung der Tiere des Kontaktbetriebes anordnen.

Was passiert mit den Kadavern?

Die Kadaver werden unschädlich beseitigt.

Ist die intensive Tierhaltung schuld?

Die ASP kommt ursprünglich, so wie es auch der Name schon sagt, aus Afrika. Das Erregerreservoir stellen vor allem Warzenschweine aber auch Buschschweine dar. Sie sind reine Träger und Überträger, erkranken aber in der Regel nicht. Ein Überträger in Afrika ist die Lederzecke.

Seit 1978 kommt es auf Sardinien (Italien) immer wieder zu Ausbrüchen der ASP. Es gelingt seither nicht, das Virus von der Insel zu eliminieren. Betroffen sind Haus- und Wildschweine. Aus diesem Grunde dürfen keine lebenden Schweine und auch keine rohen Produkte aus Schweinefleisch aus Sardinien verbracht werden.

Im Jahre 2007 wurde das Virus der ASP aus Afrika, vermutlich über den Schwarzmeerhafen von Poti, nach Georgien eingeschleppt. Seitdem hat sich die Seuche über mehrere Länder nach Russland, Weißrussland und die Ukraine ausgebreitet. Anfang 2014 erreichte die Tierseuche die Europäische Union. Mittlerweile traten Fälle in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, in Bulgarien, Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien und 2018 auch erstmals in China auf. In den letzten Wochen ereigneten sich die ersten Fälle in Belgien.

Die ASP ist eine „Habitatseuche“, d.h. es erkranken meist nur Einzeltiere. Es bilden sich häufig örtlich begrenzte Naturherde, in denen die Erkrankung immer wieder auftritt, aber nie erlischt. Das macht die Bekämpfung so schwierig. Häufig infizieren sich gesunde Schweine erst nach dem Tod eines befallenen Tieres, wenn sie an den Kadavern schnüffeln oder fressen.

Ihr seht – das Problem der ASP sind eher die Wildschweinebestände und nicht die Hausschweinebestände.

Was könnt IHR zum Schutz unserer Betriebe tun?

BITTE werft keine Lebensmittel, die Schweinefleisch oder Wildschweinefleisch enthalten, einfach so in die Natur – sondern wenn dann entsorgt diese in den Müll.

BITTE bringt keinerlei Lebensmittel, die Schweinefleisch oder Wildschweinefleisch enthalten, aus dem Ausland mit nach Deutschland. Vertraut uns Landwirten und Jägern – kauft die Produkte hier vor Ort.

BITTE leint auch außerhalb der Setz- und Brutzeiten Eure Hunde beim Spaziergang an.

Liebe LKW-Fahrer,

BITTE nehmt Eure Verpflegung nicht mit über die Grenzen (v.a. wenn Ihr aus einem gefährdeten Gebiet nach Deutschland einreist).

BITTE werft keine v.a. schweinefleischhaltigen Lebensmittel in die Natur. Auch die Entsorgung an den Rastplätzen BITTE ausschließlich in verschlossene Müllbehälter!

Liebe Jäger,

bitte lasst Jagdtrophäen und Wildbret aus betroffenen Ländern dort. Reinigt und desinfiziert Gegenstände und Fahrzeuge, die Kontakt zu Schweinen oder Wildschweinen hatten (z. B. Kleidung, Jagdwaffen).

Liebe Schweinehalter,

haltet Euch an die Hygiene-Richtlinien in der Schweinehaltung.

Verfüttert keine Küchenabfälle oder Essensreste an Schweine (Haus- und Wildschweine)! Achtet auf eine gute allgemeine Betriebshygiene: Sauberkeit von Personal und Gerätschaften, Zugangsbeschränkung zu den Stallungen, betriebseigene Schutzkleidung, Schädlingsbekämpfung, usw.

Vermeidet einen direkten oder indirekten Kontakt von Hausschweinen zu Wildschweinen! Freilandhaltungen sind hier besonders gefährdet, aber auch konventionelle Betriebe müssen geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (z. B. wildschweinsichere Umzäunung des Betriebsgeländes; unzugängliche Lagerung von Futtermitteln und Einstreu).

BITTE sprecht mit Euren Mitarbeitern!

Merkblätter

Auf der Seite des LAVES gibt es in vielen verschiedenen Sprachen Merkblätter und sehr gute weiterführende Informationen zum Thema ASP.

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Hormone im Fleisch? Vollkommen normal.

Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird bis das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?

So wird der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz von der Rheinischen Post zitiert. Ja, der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration rückt näher, und der Ton verschärft sich.

Facts not fear – hier die Fakten:

  • Improvac® besitzt keinerlei hormonelle Wirkung.

  • Improvac® hinterlässt im Fleisch keinerlei Rückstände.

  • Fleisch enthält natürlicherweise immer Hormone.

Bedauerlich, dass hier Werner Schwarz stellvertretend für den Deutschen Bauernverband nicht mit Fakten argumentieren kann, sondern versucht mit der Verbreitung von Angst zu punkten.

„Hormone spritzen“ – es geht um Improvac, sprich um eine immunologische Kastration.

Was bedeutet „Immunokastration“?

Bei der Immunokastration wird den Tieren zweimal eine Art Impfstoff (Improvac®) gespritzt. Improvac® ist pharmakologisch gesehen kein richtiger Impfstoff, sondern ein „immunologisches Präparat“. Dieses Präparat wirkt jedoch wie ein Impfstoff.

Improvac® ist kein Hormon

Improvac® enthält ein synthetisches Analogon eines natürlichen Hormons (GnRF). Dieses Analogon ist an ein Trägerprotein gebunden und bildet mit diesem zusammen das Antigen. Dieses Antigen stimuliert die Bildung von GnRF-neutralisierenden Antikörpern. So werden letztlich die Hormone, die für den unangenehmen Geruch/Geschmack bei Eberfleisch verantwortlich sind, nicht gebildet.

Quelle: DLG e.V. – Eberfleisch Teil 1 – Basiswissen

Tierschützer und NGO’s sehen diesen Weg neben der Ebermast als den Königsweg an. Und auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (kurz TVT) fordert die Immunokastration, weil die Schweine dabei unversehrt bleiben. Nur der Deutsche Bauernverband lehnt die vermutlich tierschonenste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration ab.

Weltweit sind immunokastrierte Tiere seit Jahren im Handel. In Belgien, Australien oder Südamerika wird bereits in relevanten Größenordnungen geimpft. Brasilien und Australien exportieren erfolgreich immunokastrierte Tiere, auch beispielsweise nach China.

In Deutschland liegt ebenso seit Jahren Fleisch von immunokastrierten Tieren in den Kühltheken – denn Belgien ist der Vorreiter der Immunokastration und exportiert einen großen Teil seines Fleisches an uns.

Fleisch enthält immer Hormone – auch beim Menschen

Hormone sind natürliche Botenstoffe und sowohl in unserem Körper als auch in nahezu allen Nahrungsmitteln vorhanden. Eine Quelle für hormonell wirksame Substanzen stellen zum Beispiel Schimmelpilze (Zearalenon) dar, die von bestimmten Pilzen gebildet werden und Getreidearten wie Mais, Weizen und Gerste befallen können. Der Einsatz von Hormonen als Wachstumsförderer in der Tiermast ist seit 1988 EU-weit verboten.

Mein Fazit

Veränderungen scheinen vom Bauernverband nicht gewollt. Seit Jahren wird der Termin zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration nun ausgesessen. Kurz gesagt – es werden alle möglichen Lösungen negiert:

  1. Ebermast ist nicht flächendeckend umsetzbar
  2. Kastration unter Betäubung ist finanziell nicht darstellbar
  3. Immunokastration lehnt der Verbraucher ab aus Angst vor „Hormonfleisch“

Auch QS beweist angeblich in einer Studie, dass die Immunokastration das größte Skandalpotential hat. Und jetzt, fünf Monate vor Ablauf der Frist, bleibt dieser vorhergesagte mediale Skandal einfach aus – und noch schlimmer – Tierschutzvereine, einige Bioverbände und NGO’s sprechen sich für die Immunokastration aus. Und auch eher kritische Medien wie der Spiegel berichten positiv über die Immunokastration.

So, was bleibt – man inszeniert den Skandal einfach selber und zerstört damit vorsätzlich eine der besten (weil tierschonenste) Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration – um auf eine Alternative zu setzen, die es bislang schlichtweg nicht gibt.

Ich bin maßlos enttäuscht. Ich wünsche mir einen Verband, der nach vorne blickt, der die Zukunft gestalten möchte, der offen ist und auch bereit für Veränderungen. Letztlich disqualifiziert sich der Bauernverband hier als Gesprächspartner in Sachen betäubungsloser Ferkelkastration – und das finde ich wirklich traurig.

Weitere Informationen:

Zulassung Improvac

BfR – Fragen und Antworten zum Thema Hormone in Fleisch und Milch

Allgemein, Landwirtschaft, Politik, Schweinehaltung

Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

titelt heute Thomas Wengenroth bei Stallbesuch
Mit Volldampf voraus – die Wand wartet schon

Wer alternativlos die Einführung des 4. Weges in der Ferkelkastration und, seit Neuestem, eine Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration um fünf Jahre fordert, bewegt sich mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Wand.

Unabhängig forschende Tierärzte sprechen sich gegen den 4. Weg aus, die TVT z. B. schreibt „Injektionen mit der nötigen Genauigkeit tierschonend und wirksam in praxisrelevanter Zeit durchzuführen ist unmöglich.“ Auch die korrekte Dosierung von Betäubungs- und Schmerzmitteln bei fünf Tage alten Ferkeln, stellt – selbst für Tierärzte – eine Herausforderung dar.

Der Deutsche Tierschutzbund bezieht klar Stellung gegen die Methode und ein gemeinsames Positionspapier von Albert Schweitzer Stufung, Vier Pfoten, ProVieh, bmt und Bundesverband Tierschutz listet für diese Variante ausschließlich Nachteile auf (für alle anderen werden dagegen auch Vorteile benannt).

Was also ab dem 1. Januar 2019 passiert, muss jedem heute schon klar sein: Wird der 4. Weg politisch durchgedrückt, bricht ein Shitstorm los. Wird die Frist um fünf Jahre verlängert, passiert genau das Gleiche. Die entsprechenden Presse-Verlautbarungen sind ja fertig und das Datum ist schnell geändert.

Fünf Jahre „Vorwarnzeit“ blieben ungenutzt. Kreative Konzepte wurden nicht mal angedacht, von Anfang an gab es nur stures Beharren, auf einer einzigen Forderung. Das macht nicht gerade Hoffnung für die Zukunft.

Bis vor kurzem war weiten Teilen der Bevölkerung nicht bewusst, dass Eber routinemäßig kastriert werden. Das hat sich geändert. Deswegen sollte sich auch niemand wundern, wenn die nächsten Themen ruck-zuck zu einem einzigen Paket verschnürt werden. Dann gibt es fünf Jahre Frist für Ringelschwanz und Kastenstand. Und im Ergebnis gar keine Schweinehaltung mehr in Deutschland.

PS: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und vielleicht werden ja die nächsten fünf Jahre besser genutzt. Etwa dafür QS die Hölle heiß zu machen, wenn sie ohne weiteres Ferkel akzeptieren, die im Ausland auf eine Weise kastriert wurden, die in Deutschland verboten ist. Oder dafür “4 x D” bekannt zu machen, damit Verbraucher für Tierschutz-Standards hierzulande sensibilisiert werden.

Vielen Dank, lieber Thomas, für diese nüchterne Betrachtung.

 

Allgemein, Landwirtschaft, Politik

Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Eine Schlagzeile geht durch die Medien:

Bauernverband fordert eine Milliarde Euro staatliche Nothilfe

Wir haben diese Jahr einen Sommer, so einen richtigen Sommer – viel Sonne, warm, keinen Regen. Was viele Urlauber, die nicht in den Süden geflogen sind, freut, ist für viele Bauern eine Katastrophe. Sie sprechen nicht mehr vom „Sommer“, sondern nur noch von der großen „Dürre“. Denn auf den Feldern fehlt der Regen. Vielerorts ist die Ernte vertrocknet. Und auch die Feldfrüchte, die noch nicht geerntet sind leiden – der Mais sieht an manchen stellen aus wie eine Agavenplantage, auf den Kartoffeläckern vertrocknet das Kraut und die Zuckerrüben haben sich abgelegt und schlafen wie Dornröschen. Selbst für mich als Außenstehende ist das ein sehr beklemmendes Gefühl.

Bauernverband fordert staatliche Milliardenhilfe

Aufgrund der Dürre rechnet der Bauernverband im Bundesschnitt mit etwa 20% Ernteeinbußen, in extrem betroffenen Gebieten allerdings mit über 50% Ertragseinbußen. Das ist furchtbar, keine Frage. Nur stelle ich mir die Frage, müssen jetzt staatliche Mittel her? Die SPD sagt „Nein“, denn:

Moderne Landwirtschaft begreift sich als Unternehmer.

So sehe ich das grundsätzlich eigentlich auch. In der Tierhaltung sind wir solche extremen Schwankungen „gewohnt“. Nach einem wirklich gutem Jahr 2017, ist dieses Jahr in unserer Branche eine Katastrophe. Ähnliches mussten die Milchviehhalter in den letzten Jahren erfahren, wo staatliche Hilfen und Eingriffe vom Verband auch bis zuletzt abgelehnt wurden. Nur, was wir in der Schweinehaltung erleben, sind die ganz normalen Marktschwankungen – hier dreht es sich jedoch um das Wetter. Es handelt sich hierbei um eine höhere Gewalt. Ich bin hin- und hergerissen. Zudem stelle ich mir auch die Frage, wie hier eine Verteilung aussieht. Es wird vermutlich viele Nutznießer geben – wie viel bekommt letztendlich wirklich der Landwirt? Die Flächen/Ernteerträge müssen geschätzt/dokumentiert werden, es muss zusammengeschrieben werden, bewertet werden usw. Da freuen sich doch Landwirtschaftskammer und Beratungsunternehmen.

Steuerfreie Rücklagen

Etwas anders sehe ich die zweite Forderung des Bauernverbandes. Dadurch, dass unsere Wirtschaftsjahre doch erheblich unterschiedlich ausfallen, halte ich eine steuerfreie Risikorücklage für eine super Sache. Was bedeutet das konkret? In einem guten Jahr muss natürlich auch der Landwirt seinen Betriebsgewinn versteuern. Dieses passiert jedoch erst im darauffolgenden Jahr. Zudem wird für das Jahr dann eine Vorauszahlung festgelegt, die aufgrund des guten Jahres bemessen wird. Das heißt konkret, dass der Betrieb in dem Jahr zunächst „doppelt“ Steuern zahlt (und hier meine ich mit doppelt im Sinne von „doppelt gemoppelt“, sondern die finanzielle Belastung). Wenn jedoch das Jahr schwach ist, kann das zu einer riesigen finanziellen Belastung des Betriebes werden. Denn, auch wenn nach Abschluss des Jahres eine Rückführung durch das Finanzamt stattfindet, fehlt das Geld schon vorher, d.h. die Liquidität des Betriebes leidet. Das kann existenzbedrohend für einen Betrieb sein. Das hört sich vielleicht jetzt ganz theoretisch an, jedoch befinden sich viele Schweinehalter gerade in einem solchen Jahr. 2017 war ein gutes Schweinejahr. Dieses Jahr entwickelt sich immer mehr zu einer Katastrophe. Die Betriebe haben den Gewinn des letzten Jahres komplett versteuert und machen nun muntere Vorauszahlungen, obwohl das Geld knapp ist. Hätten die Betriebe nun die Möglichkeit „Risikoausgleichsrücklage“ gehabt, bliebe ihnen einfach mehr Luft zum Atmen im Bereich ihrer liquiden Mittel.

Wie soll/kann es gehen?

Mich interessiert Eure Meinung: wie seht Ihr die Milliardenhilfe? Was haltet Ihr von steuerfreien Rücklagen? Stimmt gerne mit ab oder schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare.

Allgemein, Landwirtschaft, Markt, Politik, Schweinehaltung

Quo vadis – Ferkelkastration

Ab 01.01.2019 dürfen nach heutigem Stand keine Ferkel mehr betäubungslos kastriert werden. Diese Tatsache beschäftigt nun schon eine geraume Zeit die gesamte Branche – nur offensichtlich hat niemand bislang eine flächendeckende Lösung im Angebot – und die Zeit rennt, bis zum 01.01.2019 sind es knapp fünf Monate. Für mich ist vor allem interessant, welchen Weg unsere Abnehmer, sprich die Schlachtunternehmen bzw. der Lebensmitteleinzelhandel, präferieren.

Offener Brief

Um das herauszufinden schrieb ich vor gut zwei Monaten einen offenen Brief an die jeweils „Big Five“ der Schlachtunternehmen (Tönnies, VION, Danish Crown, Westfleisch und Müller) und des LEH (REWE, EDEKA, ALDI, LIDL und Metro Group). Innerhalb der letzten Wochen antworteten mir zumindest von fünf der zehn angeschriebenen Unternehmen.

Die Schlachthöfe

Danish Crown scheint überhaupt kein Problem zu sehen. Im Antwortschreiben heißt es:

In Dänemark haben wir die notwendigen Beschlüsse getroffen, indem eine freiwillige Branchenabsprache um Betäubung und Schmerzlinderung von Eberferkeln in Verbindung mit der Kastration per 01.01.2019 mit den Erzeugern getroffen ist. Eine Kontrolle wird durch Danish Produktiostandard/QS gemacht.

Soweit – so gut, nur was sie von uns Lieferanten erwarten, bleibt offen. Kein Wort darüber, ob aus Sicht von Danish Crown auch Jungeber oder immunokastrierte Tiere angenommen werden.

Die Vion Food Group ist hier wesentlich konkreter – sie schreiben, dass alle ihre Kunden im In- und Ausland deutlich gemacht haben, dass sie die Immunokastration ablehnen. So bleibt für die Erzeuger die Kastration unter Betäubung oder die Jungebermast. Bei der Jungebermast sei allerdings der Markt gesättigt. Aus diesen Gründen setzt sich VION für den 4. Weg ein, der die lokale Betäubung in der Hand des Landwirtes ermöglicht.

Auch die Westfleisch befürwortet den sogenannten „4. Weg“ und ist einer der Unterzeichner der „Herriedener Erklärung“ Mitte März 2017. Allerdings sieht die Westfleisch das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel, zum 01.01.2019 aus der betäubungslosen Ferkelkastration auszusteigen, skeptisch. So setzt sich die Westfleisch für eine Fristverlängerung über den 01.01.2019 hinaus ein.

Leider habe ich bislang keine Antwort von den anderen beiden Unternehmen erhalten (oder sie sind nicht bei mir eingegangen – dann bitte gerne noch einmal per Mail an mich senden).

Der Lebensmitteleinzelhandel

Auch zwei Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels haben mir geantwortet. Als erstes die REWE GROUP. REWE schreibt, dass sie sich schon seit Anfang 2017 intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Das kann ich bestätigen, Herr Ludger Breloh hat bereits 2016 auf dem Bauerntag des Deutschen Bauernverbandes in Hannover klar Stellung bezogen:

Improvac sei der „goldene Weg“, sagte Ludger Breloh von der Handelskette Rewe kürzlich auf einer Fachveranstaltung auf dem Deutschen Bauerntag, „auch wenn sich Schweinebauern dagegen wehren“.  (Quelle FAZ)

REWE hat sich seit dem 01.01.2017 das Ziel gesetzt, nur noch Frischfleisch zu vermarkten, das von nicht betäubungslos kastrierten Schweinen stammt. Seitdem akzeptiert REWE alle drei in Deutschland gesetzlich erlaubten Verfahren. Weiter heißt es im Schreiben:

Tiergesundheit und Tierwohl müssen hierbei stets im Fokus stehen. Die Immunokastration ist in diesem Zusammenhang die Alternative, bei der das Tier den geringsten Störungen ausgesetzt ist.

Aber auch das Thema Lokalsnästhesie, welches momentan diskutiert wird, kann zukünftig eine Option sein.

Auch die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland) hat mir geschrieben. Auch die Schwarz Gruppe unterstützt den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Sie setzt auf Jungebermast und Kastration unter Betäubung:

Entsprechend den Erwartungen unserer Kunden führen Lidl und Kaufland frisches Schweinefleisch nach QS-Standard. Dieser stellt sicher, dass alle vermarkteten Ferkel unter den ab 01.01.2019 zugelassenen alternativen Verfahren zur Ferkelkastration aufgezogen werden.

Hier bleibt die Frage, was die Schwarz Gruppe bei einer Fristverlängerung macht – möchte sie dann dennoch ausschließlich unter Betäubung kastrierte Tiere vermarkten? Gilt dann die Vorgabe von QS, die z.B. dänischen Ferkeln, die nach Maßgabe des 4. Weges, der zur Zeit in Deutschland noch kein anerkanntes Verfahren darstellt, kastriert werden, hier einen klaren Wettbewerbsvorteil einräumen? Ich werde das noch einmal hinterfragen. Merkwürdig finde ich allerdings, dass Lidl nach Aussage des NDR „bereits seit Anfang 2015 nur noch Frischfleisch von „nicht kastrierten Schweinen“ – also von Sauen und Ebern“ akzeptiert. Hier ist die an mich gerichtete Antwort der Schwarz-Gruppe doch etwas widersprüchlich.

Und die anderen?

Die anderen Unternehmen haben wie gesagt bislang nicht geantwortet. Tönnies finden wir jedoch ebenfalls als Unterzeichner auf der „Herriedener Erklärung“.

ALDI Süd hatte angekündigt, mir zu antworten – ich warte gerne:

wir melden uns so schnell wie möglich bei Ihnen. Haben Sie bitte noch etwas Geduld.

Von der Metro Gruppe und EDEKA habe ich leider gar keine Rückmeldung bekommen. Jedoch bin ich hinsichtlich EDEKA Südwest im Internet fündig geworden. EDEKA Südwest hat ein Programm, welches sich „Gutfleisch“ nennt. Hier heißt es im Kriterienkatalog Dachmarke Gutfleisch:

Ziel: Verzicht auf die betäubungslose Kastration ab 01.07.2018.

Erlaubt sind alle bis dahin gesetzlich zugelassenen Alternativen (Jungebermast, Immunokastration, Kastration unter Betäubung). Betriebe, die bereits ab 01.07.2018 alternative Methoden zur betäubungslosen Kastration per Nachweis anwenden, erhalten bis 31.12.2018 von EDEKA Südwest Fleisch eine Kostenerstattung nach unten stehender Liste:

– Für Immunokastration: 4 € / Mastschwein

– Für Kastration unter Betäubung: 3,13 € / Ferkel (bei Vollnarkose)

Demnach gehe ich davon aus, dass EDEKA Südwest neben der Jungebermast und der Kastration unter Betäubung auch durchaus die Immunokastration als einen Weg sieht.

Nach Recherche von Oda Lambrecht (NDR) setzt sich ALDI für die Ebermast ein und soll bereits seit Anfang 2017 kein Frischfleisch mehr von kastrierten Ferkeln handeln.

Mein Fazit

Kurz gesagt, ich bin nicht schlauer als vorher. Es ist ein Spiel auf dem Rücken der deutschen Ferkelerzeuger. Die Schlachtunternehmen und die Vermarkter schieben sich schön gegenseitig den schwarzen Peter zu, nur leider bekennt niemand wirklich Farbe. Zudem stellt sich mir auch die Frage, wie die Vermarkter einkaufen bzw. wie hier eine Nämlichkeit garantiert wird. Da zum Beispiel REWE bereits seit 01.01.2017 im Bereich Frischfleisch kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren vermarktet, bleibt die Frage, wie dort die Gewährleistung aussieht?

  1. nehmen sie nur Fleisch von weiblichen Tieren in ihr Frischfleisch-Programm?
  2. oder zusätzlich nur Tiere aus der Jungebermast?
  3. oder haben sie Vertragsmäster, die Improvac (= Immunokastration) einsetzen? (die dann allerdings offensichtlich nicht von der VION Group geschlachtet werden)
  4. oder erfolgt eine Kontrolle der Ferkelerzeuger (und wenn ja, wie?), die unter Betäubung kastrieren?

Wenn ALDI und Lidl ausschließlich Jungeber in der Frischfleischvermarktung haben und für sowohl REWE als auch EDEKA die Immunokastration ein Weg ist, dann verstehe ich die Schlachtunternehmen und die Verbände nicht. Denn damit wären wir dem Ziel der bereits im September 2008 gezeichneten Düsseldorfer Erklärung schon ein großes Stück näher gekommen. Denn darin heißt es:

Um neben dem Verbraucherschutz auch den Tierschutz zu gewährleisten, wird vereinbart, die Entwicklung eines alternativen Verfahrens zur traditionellen Kastrationsmethode, das in Deutschland flächendeckend angewendet werden kann, zu beschleunigen. (…) Ziel ist es, unter Ausschluss jeglicher Risiken für die Verbraucher und die Tiere auf die Kastration gänzlich verzichten zu können.

Nur meine Befürchtung ist, dass mit Forderung des vierten Weges der Tierschutz vollkommen aus den Augen verloren wird. Das ist traurig und bringt keinerlei Verbesserung für die Ferkel.