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Der große Agrargipfel

Heute war ich im Kanzleramt. Unsere Bundeskanzlerin hatte zum großen Agrargipfel geladen. 39 Verbände waren dazu angereist. Drei Stunden hatten wir Zeit.

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Es sollte um die Rolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft gehen. Wir wollten über die Düngeverordnung, das Aktionsprogramm Insektenschutz und das Tierwohllabel sprechen.

Also habe ich mich zunächst, wie von Frau Merkel gewünscht, zurückgehalten, ist doch mein Thema das Tierwohl. Die Quintessenz ist – ich bin leider nicht drangekommen, da sich leider viele andere nicht daran gehalten haben.

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Deshalb möchte ich hier mit Euch meine Gedanken teilen:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Frau Klöckner,

ich bin Nadine Henke. Ich bin Tierärztin und bewirtschafte mit meinem Mann zusammen einen Sauenbetrieb in Niedersachsen.

Mir persönlich fehlt die Richtung, das ganz klare Ziel in der derzeitigen Agrarpolitik. Wo wollen Sie eigentlich hin?

Auf der einen Seite werden Außenklimaställe, Strohhaltung und Auslauf gefordert, auf der anderen Seite wünscht man sich eine emmissionsarme und möglichst klimafreundliche Tierhaltung.

Zudem sollen und wollen wir natürlich auch dem Tierschutz- und vor allem dem Tierseuchenschutz gerecht werden.

In der Sauenhaltung diskutieren wir über die Bewegungsfreiheit der Sauen, verlieren nur dabei den Schutz der kleinen Ferkel völlig aus den Augen.

Hier entstehen Zielkonflikte, die dringend gelöst werden müssen.

Es heißt immer, die Gesellschaft akzeptiere die Nutztierhaltung nicht. Auch hier scheint es eine Art Zielkonflikt zwischen Bürger und Verbraucher zu geben.

Denn der Verbraucher akzeptiert mit jedem Kauf die derzeitige Tierhaltung.

In Asien grassiert die Afrikanische Schweinepest. Wir haben derzeit Schweinepreise, von denen wir in den letzten Jahren nicht zu träumen gewagt hätten.

Und was passiert in unserem Markt?

Wursthersteller forderten zunächst die Einfuhr von US-amerikanischen Schweinefleisch, nun einen Exportstopp, weil sie die Preissteigerung nicht an den Kunden weitergeben können. Und wir sprechen hier über 50 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht.

Wir Tierhalter wünschen uns von der Politik einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen, der uns am Markt die Chance gibt zu bestehen. Wir brauchen kein staatliches Tierwohllabel, wo am Ende nicht sicher ist, wer die Zeche dafür bezahlen soll. Wir benötigen Planungssicherheit und eine Richtung, wo die Reise überhaupt hingehen soll.

Es ist für uns unerträglich, zwischen BMEL und BMU zerrieben zu werden. Natürlich  freut es uns, wenn Horst Seehofer Frau Klöckner zusagt, das Baugesetzbuch für Mehr Tierwohl zu öffnen. Nur was nützt uns das, wenn diese Gespräche ohne Frau Schulze stattfinden?

Ich weiß, dass wir all das hier heute nicht abschließend klären können. Deshalb bitte ich Sie, mit uns und für unsere Zukunft der deutschen Landwirtschaft hier am Ball zu bleiben.

Herzlichen Dank! 

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Liebe Frau Klöckner, es reicht!

So langsam schlägt’s dem Fass den Boden aus. Frau Klöckner versucht die Landwirte mit Kürzungen der Alterskasse unter Druck zu setzen. Sie möchte die drohenden Strafzahlungen durch die EU hinsichtlich Nitratrichtlinie aus der Alterskasse finanzieren, zitiert sie die Thüringer Allgemeine:

 „Wir Deutsche sind die allerletzten in Europa, die die europäische Nitrat-Richtlinie umsetzen.“ Geschehe das nicht, würden Strafzahlungen von täglich 800.000 Euro drohen. „Und die ziehe ich dann ab von den jährlichen 4,1 Milliarden Euro, die zurzeit für die soziale Sicherung der Landwirte bereitstehen.“

Ich finde diese Aussage mehr als asozial und unverschämt und hätte da nun noch ein paar Fragen:

1. Ist die Ursache wirklich die Landwirtschaft?

Konnte mittlerweile abschließend geklärt werden, dass die Nitratwerte zu 100% aus der Landwirtschaft kommen? Und dann muss meines Erachtens auch mal deutlich gemacht werden, dass der überwiegende Teil der Landwirte in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet hat – sprich sie haben sich an die Empfehlungen der Offizialberatung gehalten. Warum dann eine solche Drohung?

2. Wen wollen Sie mit einer solchen Aussage zu was zwingen?

Sie waren in Thüringen, um den dortigen Wahlkampf der CDU zu unterstützen. Sie drohen den Landwirten mit Kürzungen ihrer Alterskasse. Besser kann man die Landwirte nicht in die Arme der Populisten treiben – herzlichen Glückwunsch!

 3. Was können wir von Ihnen noch positives erwarten?

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, das war bzw. ist wirklich unterste Schublade. Sie wollen also an die Alterskasse der Landwirte? Sie wollen die Landwirte erpressen: wenn Ihr nicht Ruhe gebt und macht, was wir wollen, dann kriegt Ihr kein Geld mehr – und das trifft vor allem mal wieder die kleinen Betriebe.

Ich stelle mir mir mittlerweile die Frage, was sollen wir noch von Ihnen erwarten? Ich bin einfach nur noch enttäuscht!

 

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Grüne Kreuze

Überall in Deutschland findet Ihr derzeit grüne Kreuze in den Feldern. Ihr fragt Euch – Was sollen diese bedeuten? Hier ein paar Antworten:

Am 4. September 2019 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) ein sogenanntes „Agrarpaket“ verabschiedet.

Worum geht es im Agrarpaket?

Es ist ein Deal, man könnte auch sagen fauler Kompromiss, zwischen BMEL und BMU: Frau Klöckner bekommt ihr Tierwohllabel, dafür wird im Sinne von Frau Schulze Glyphosat verboten und alle weiteren chemischen (!) Pflanzenschutzmaßnahmen streng reglementiert. Zudem sollen die Agrarsubventionen umgeschichtet werden.

Während Frau Schulze sich ja im Bereich Pflanzenschutz durchsetzen konnte, führt die SPD Fraktion Frau Klöckner direkt nach dem Kabinettsbeschluss am Nasenring durch die Manege. Das Tierwohllabel soll nach Ansicht der Bundeslandwirtschaftsministerin freiwillig sein, jedoch würde die SPD nur einem verpflichtenden Kennzeichnung zustimmen. Ob irgendjemand merkt, dass sie von zwei vollkommen unterschiedlichen Dingen sprechen?! Es ist eine absolute Farce! Und die leidtragenden sind die Landwirte.

Welche Kritik gibt es seitens der Landwirtschaft am geplanten Agrarpaket?

Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich gemacht wird. Die Maßnahmen greifen massiv in die Eigentumswerte von uns Landwirten ein. Einzelne Flächen werden wertlos und können nicht mehr der für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden.

Die Folge: Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert, ohne Rücksicht darauf, wie sie dort erzeugt wurden. Das kann nicht im Sinne des Verbrauchers sein.

Die zahlreichen Verbote führen dazu, dass die Erträge sinken. Die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit regionalen Produkten ist gefährdet. Auch das widerspricht dem Wunsch des Verbrauchers. Zunehmend versuchen traditionelle Landwirte, dieser Entwicklung durch Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu begegnen. Dies führt durch ein zunehmendes Überangebot auch in diesem Markt zu einem gewaltigen Preisdruck.

Warum grüne Kreuze?

Wir sind eine Gruppe von unabhängigen, engagierten Landwirten. Wir möchten mit dem Aufstellen der grünen Kreuze auf das jetzt massiv einsetzende Höfe-Sterben (vor allem kleine und mittlere bäuerliche Familienbetriebe) aufmerksam machen.

Bild: Rene Rempt

Wir stellen keine Forderungen. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden.

Noch ist Zeit zu handeln, weil die Beschlüsse noch den Bundestag passieren müssen. Sprecht Euren regionalen Abgeordneten an. Teilt gerne diesen Beitrag. Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Trotz einiger Kritik aus eigenen Reihen nimmt die Aktion #grüneKreuze langsam Fahrt auf.

Die grünen Kreuze sind im Bundestag angekommen

Gestern haben wir eine Pressemitteilung zu den grünen Kreuzen herausgegeben. Wir hoffen, dass einige Journalisten den Ball aufnehmen, um mit uns zu sprechen, um unsere Sorgen und Nöte zum #Agrarpaket aufzunehmen und zu veröffentlichen.

In Berlin ist die Aktion auf jeden Fall schon angekommen: gestern erwähnten sowohl Gero Hocker als auch Gitta Connemann unsere Aktion in ihren Redebeiträgen im Bundestag.

Deshalb noch einmal die Bitte an alle Landwirte, die hier dabei sind: beteiligt Euch gerne. Es ist schnell gemacht: zwei Dachlatten, ein paar Schrauben und ein bisschen grüne Farbe.

 

Anbei noch die Presseinformation, die wir gestern verschickt haben:

Weiterführende Links: