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Sonntag – zwischen Familie und Stall

Ich habe dieses Wochenende Dienst. Das ist eigentlich ja nichts besonderes, denn ich habe jedes zweite Wochenende Dienst im Abferkelstall. Heini kümmert sich derweil um die Kinder.

Dienst bedeutet für mich morgens früh los, damit ich den Nachmittag noch mit der Familie habe. So war auch mein Plan heute morgen, als ich um 4:30h das Haus verließ und zum Stall gefahren bin. Heute wollte ich nämlich ganz besonders pünktlich Feierabend machen, weil Theis heute ein Handball Turnier hat.

Früh anfangen = früh Feierabend? – Pustekuchen!

Es lief heute morgen auch alles wie am Schnürchen: Geburtsrunde, bei den großen Würfen noch einmal die großen Ferkel wegsperren, damit die Kleinen auch Biestmilch bekommen, Sauen füttern, Kot räumen, Fieber messen, Wasser geben, Tröge waschen, Milch und Prestarter verteilen, zwischendurch Frühstücken, Rundgang und Wurfausgleich, noch schnell die ein oder andere Amme machen, zweites Mal füttern und Wasser geben – und fertig.

Denkste – denn ich hatte gestern eine Sau, bei der ich die Geburt eingeleitet habe. Das machen wir normalerweise nicht. Nur in ganz großen Ausnahmefällen – und diese war für mich so einer. Normalerweise tragen Sauen 115 Tage (unsere im Schnitt eher 116 Tage). Wenn unsere Sauen über die Zeit gehen“ möchten, lassen wir sie eigentlich auch, zumindest so lange alles gut ist. Jedoch hat diese Sau nicht mehr gefressen. Das ist immer kein gutes Zeichen. Und Termin war schon am 05.03.2019, d.h. gestern war bereits der 119. Tag. So entschloss ich mich kurzerhand die Geburt einzuleiten.

Stockende Geburt

Nur heute morgen hatte sie immer noch nicht angefangen zu ferkeln. Ich gab ihr ein Wehenmittel – nur auch das brachte keinen Erfolg. Also zog ich mir einen Geburtshandschuh an und probierte vorsichtig Geburtshilfe zu leisten. Und da war auch gleich ein Ferkel. So, das erste Ferkel war nun da – nun konnte sie doch weitermachen.

Allerdings tat sie das leider nicht – ich musste jedes Ferkel holen. 5 Stunden sitze ich nun hinter der Sau und helfe jedem einzelnen Ferkel auf die Welt.

Die Tiere gehen vor

Mittlerweile ist es 18.30h und ich mache endlich Feierabend. Theis Turnier ist schon lange beendet. Ich habe es leider verpasst, und das macht mich durchaus wehmütig. Ich frage mich, ob er es versteht? Versteht er (wenn nicht heute, dann vielleicht später), dass ich nicht dabei sein konnte, weil ich doch die Sau in der Geburt nicht alleine lassen konnte? Meine Sau hat insgesamt 26 Ferkel bekommen, eins ist leider kurz nach der Geburt verstorben – aber die anderen 25 sind topfit, liegen ganz lieb am Gesäuge und trinken ihre erste Milch.

Werde ich es einmal bereuen?

Keine Ahnung – nur so ist das, wenn man Tiere hat. Natürlich bin ich traurig, dass ich nicht bei Theis sein konnte und sein Spiel verfolgen konnte. Aber ich bin verantwortlich für die Tiere und deren Gesundheit – und ich bin mir dessen absolut bewusst. Deshalb hätte es heute keine andere Möglichkeit für mich gegeben – ich war im Stall und für unsere Tiere da. Und das nächste Turnier kommt bestimmt…

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Wenn Widerstand zur Pflicht wird, was wird dann aus dem Recht?

Jedes größere Projekt, was in Deutschland in die Planungsphase geht, findet binnen kürzester Zeit Gegner. Es werden Probleme konstruiert und somit Ängste geschürt, um auf diesem Wege Mitstreiter und Geld zu akquirieren. Prominente Beispiele sind Stuttgart 21 oder auch ganz aktuell Hambi.

Wie im Großen so im Kleinen

Auch bei vielen geplanten landwirtschaftlichen Projekten finden wir diesen Mechanismus wieder – egal ob Stallneubau oder Biogasanlage, sogar bei traditioneller Weidehaltung wird protestiert:

Sein Ziel: ein komplettes Verbot der Weidehaltung auf dem Grundstück...

Der Lärm durch die Kuhglocken sei unzumutbar, schildert die Richterin die Argumente des Nachbarn. Seine Frau leide deswegen unter Schlaflosigkeit und „depressiven Verstimmungen“. Dazu komme der Gestank des Kuhmists, der Insekten anlocke, die wiederum Krankheiten übertragen, so der Kläger. Überdies habe sein Haus durch die Weide 100000 Euro an Wert verloren. Und nicht zuletzt seien die Glocken ohnehin Tierquälerei, argumentiert der Anwalt.

Aus diesem Grund überlegt sich ein Landwirt eher dreimal, ob er überhaupt in eine Projektplanung einsteigt. Es besteht halt immer die Gefahr, dass eine solche Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt wird. Denn selbst wenn eine Planung genehmigungsfähig ist, werden durch öffentlichen Druck Planungen zurückgezogen.

Innovationen im Bereich Tier- und Umweltschutz werden verhindert

Die Konsequenzen aus diesem öffentlichen Druck sind, dass alte Stallanlagen länger betrieben und nicht erneuert werden und innovative Stallbausysteme, die eine Verbesserung im Bereich Umwelt- und Tierschutz bieten würden, nicht gebaut werden.

Die Folgen in den Dörfern

In den Dörfern kommt es zu einer Spaltung der Gesellschaft. Auf einmal bilden sich zwei Lager – die einen, die hinter der Familie stehen und ein anderes Lager, die sich gegen das Projekt aussprechen. Die Diskussion über solche Bauprojekte verlässt sehr schnell die Sachebene. Es gibt Fälle, da wird das Ganze auf dem Rücken der Familien und häufig auch der Kinder ausgetragen: die Kinder werden nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, die Familie wird beim Dorffest gemieden.

Ist jedes Mittel recht?

Ein aktueller Fall aus Hessen zeigt wie weit einige bereit sind zu gehen. Ein Landwirt stellt einen Bauantrag für einen Hähnchenmaststall. Mit diesem weiteren Betriebszweig möchte er den landwirtschaftlichen Betrieb in die nächste Generation zu führen. Es bildet sich eine Bürgerinitiative „Pro Waldeck“. Es wird eine online-Petition ins Leben gerufen. Die Gegner mobilisieren rund 400 Teilnehmer für eine Menschenkette über die Eder-Sperrmauer als Protest gegen die Hähnchen-Mastanlage. Auch das Hessenfernsehen in Form von hr-„Klartext“-talk war zu Gast in Waldeck – es wurde live über den Stallbau debattiert, Und zu guter Letzt wurde versucht, dem Landwirt die Existenzgrundlage „Acker“ zu entziehen. Der Landwirt hat kreiseigene Flächen gepachtet. Die Grünen stellten einen Antrag, dass geprüft werden soll, ob eine vorzeitige Auflösung des Pachtverhältnisses möglich ist. Die Gefahr, durch politische Entscheidungen im Kreistag die gesamte wirtschaftliche Existenzgrundlage des bisherigen Ackerbaubetriebes zu verlieren, ist so groß, dass die Familie sich entschlossen hat, den Bauantrag zurückzuziehen.

Wir fassen noch einmal kurz zusammen:

Der Landwirt hat keine Straftat begangen, sondern hat sich an dieser Stelle immer an geltendes Recht und Gesetz gehalten: er hat einen Bauantrag gestellt und ein BImSch-Verfahren bis zum heutigen Zeitpunkt durchlaufen, wie es im Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland vorgeschrieben ist. Die Fraktion der Grünen im Kreistag hat dieses rechtsstaatliche Verfahren durch den gestellten Antrag unterlaufen und damit den Landwirt und seine Familie in äußerste Bedrängnis gebracht.

Unser Kommentar

Wir stellen uns die Frage – wo kommen wir eigentlich hin, wenn Bauvorhaben nicht mehr den normalen, vorgesehenen Amtsweg gehen können, sondern „politisch“ entschieden werden? Diese aufgebaute Drohkulisse ist ein Paradebeispiel für den Untergang der politischen Kultur, aber auch des fairen Umgangs miteinander.