Allgemein, Landwirtschaft, Markt

Sonderangebot = Ramsch?

Jedes Wochenende kommt die Sonntagszeitung mit jeder Menge Beilagen des Lebensmitteleinzelhandels. Mit Sprüchen wie „jetzt sparen“, „der Montagsknüller“, „der Super Framstag“, „reduzieren Sie selber“usw. lockt der LEH die Kunden. Nur gerade die Sonderangebote für Lebensmittel stehen hier in der Kritik. Gerade letzte Woche sorgte EDEKA mit seinem „Montags-Knüller“ für Diskussion im Netz: 100g Hähnchenschenkel, von Betrieben, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, für 0,15€.

 Viele Fragen, die wir uns stellen…

  1. Wie kommt dieser Preis zu Stande?
  2. Wie ist die Qualität dieses Produktes?
  3. Was erhält der Landwirt?
  4. Wieviel Tierwohl ist bei diesem Preis zu erwarten?

Fakt 1: der Preis ist eine Mischkalkulation

Es wird ein Tier geschlachtet. Dieses kann nun wahlweise als komplettes Tier vermarktet werden oder in Teilstücken. Bei einer Vermarktung in Teilstücken, gibt es Teilstücke, die sehr beliebt sind (z.B. beim Hähnchen die Brust) und weniger beliebte Teilstücke (wir z.B. die Hähnchenschenkel). Wenn nun ein Tier in Teilstücken vermarktet wird, muss der Erlös alller Teilstücke die Erzeugung und die Schlachtkosten decken. Das ist eine sogenannte „Mischkalkulation“. Wenn nun zu viele Hähnchenschenkel auf dem Markt sind, die nicht abgerufen werden, kann es durchaus sinnvoll sein, diese zu „verramschen“, denn die Alternative wäre sie wegzuwerfen.

Fakt 2: die Qualität bleibt gut

Tiere, die in Deutschland geboren, gemästet und geschlachtet sind, sind von guter Qualität. Nur weil ein Teil des Hähnchens günstig abgegeben wird, heißt das nicht, dass das Produkt eine schlechte Qualität hat, sondern nur, dass gerade zu viel dieses Teilstückes auf dem markt ist.

Fakt 3: der Preis des Landwirts bleibt

Der Landwirt erhält einen Schlachtpreis. Dieser wird pro kg Schlachtgewicht ausgezahlt und steht zunächst nicht in einer Korrelation mit dem Schlachtpreis. Wenn jedoch gewisse Teilstücke gar nicht abzusetzen sind, verändert sich die Mischkalkulation des gesamten Tieres (s.o.), so dass sich dann auch der Erzeugerpreis verändert.

Fakt 4: trotz Angebot geht Geld in den ITW Topf

Bei der Initiative Tierwohl zahlen Betriebe des Lebensmitteleinzelhandels pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch und -wurst 6,25 Cent an die Initiative. Mit diesem Geld werden Tierhalter für die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen honoriert. Auch für jedes verkaufte kg Hähnchenschenkel aus dem „Montagsknüller“ zahlt EDEKA 6,25 Cent an die Initiative.

Manchmal ist Marktwirtschaft doch ein Arschloch

Auch wenn es uns nicht passt, und wir aus tiefster Überzeugung wissen, dass unsere Produkte „mehr wert“ sind, so regelt dennoch Angebot und Nachfrage den Preis. Und ganz nüchtern betrachtet ist dann ein Kaufen zum billigen Preis besser, als das Produkt im Regal liegen zu lassen. Also, scheut Euch nicht – greift ruhig zu – denn auch mit dem Kauf dieser Hähnchenschenkel unterstützt Ihr ein Mehr an Tierwohl.

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5 Gedanken zu „Sonderangebot = Ramsch?“

  1. Hallo Nadine, dann ist deine Botschaft folgende? Alles Prima, kauft immer schön billig bei dem Händler, ders grad am billigsten anbietet! Du hast das ganz schlüssig erläutert. Ich denke aber der Handel nutzt seine Marktmacht hier aus. Er „erzieht“ sich seine Kunden. Wenn es einen Preisabstand zwischen einfachen und Edelteilen gibt, dann ziehen solche Aktionen landfristig auch den Schlachtpreis runter. So einfach sollte man dem LEH nicht machen. Vor allem nicht einem Unternehmen, welches sich so „wertschätzend“ positioniert. Da muss dann auch das Handeln zu den Sprüchen passen.

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    1. da hast Du recht – mir geht es nur gerade darum, dass eben billig nicht automatisch bedeutet, dass das der letzte Abfall von absolut gequälten Tieren ist, sondern dass auch billig qualitativhochwertige Produkte sind von Tieren, die gut gehalten wurden – hier in diesem Fall sogar nach ITW Standard – und dass der Landwirt für seine Tiere auch für die ITW noch einen zusätzlichen Bonus neben dem Schlachtpreis erhalten hat. Prinzipiell hast Du recht, das habe ich ja auch geschrieben – wenn die Mischkalkulation nicht mehr aufgeht, dann geht es auch an die Erzeugerpreise.

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  2. Ich bin ehrlich gesagt froh, das zu hören, mein Mann und ich sind beide Arbeitsunfähig und Frühverrentet, da müssen wir jeden Cent 4x umdrehen.
    Ich kann verstehen, das viele über „zu billiges“ Gemüse oder Fleisch motzen, doch was sollen Leute wie wir machen? Uns nen Sack Bohnen und Reis zusammen mit einem Eimerchen Brühepulver in die Vorratskammer stellen? Wir achten sehr auf Preise und müssen dennoch ca. 80% unseres Geldes für essen ausgeben, der rest geht meist für sachen wie Putzmittel, Hygieneartikel oder ähnliches drauf.
    Wir sind wirklich froh, das es gutes Essen auch zu guten Preisen gibt und wir so die Möglichkeit haben, uns einigermassen Gesund und abwechselungsreich zu ernähren.

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